Ersatz für die Hundenase – gibt es nicht

Hunde haben eine feine Nase

Ersatz für die Hundenase – gibt es nicht

Hunde spüren Verschüttete auf, finden Drogen, Sprengstoffe und Papiergeld und können sogar Krebs erschnüffeln. Und all das aufgrund ihrer Nase. Die ist so gut, dass es dafür keinen elektronischen Ersatz gibt – oder?

Wäre es nicht praktisch, wenn man ein Gerät in Art der Hundenase hätte, das man beim Bedarf aus dem Schrank holen könnte - also nur die Nase, ohne den Hund, der normalerweise dran hängt? So eine elektronische Nase ermüdet nicht, braucht kein Futter und muss nicht Gassi gehen. Und man kann sie elektronisch auslesen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil, meint Peter-Michael Kaul, vom Institut für Detektionstechnologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. "Das heißt, ich kann mir meine Rohdaten ansehen und eine Aussage darüber machen, warum eine elektronische Nase versagt hat." Mit diesem Wissen, so Kaul, kann man die elektronische Spürnase besser anpassen.

Das Tier hat die Nase vorn - noch

Überlegenes Riechorgan

Der Hund hat fast 600 Rezeptorarten mehr als der Mensch. Zum besseren Verständnis: das menschliche Geruchsalphabet hat quasi 600 Buchstaben weniger als das eines Hundes. Hinzu kommen 200 Millionen Riechzellen - 30 Mal mehr als bei uns.

"Wir können ganz viele Gerüche gar nicht identifizieren, die für den Hund Alltag sind", erklärt Tierärztin Esther Schalke, die für Polizei, Zoll und Militär Spürhunde ausbildet. Und als wäre das nicht schon genug, ist der Hund auch noch anatomisch im Vorteil: Hunde atmen an einer anderen Stelle ein als aus. "Das heißt", sagt die Veterinärin, "die können an der gleichen Stelle ausatmen, wo sie gleich wieder einriechen wollen, ohne sich den Geruch durchs Atmen zu verwirbeln."

Zoll-Hund Mia

Kann man eine Hundenase nachbauen?

Peter-Michael Kaul, vom Institut für Detektionstechnologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, hat eine elektronische Spürnase entwickelt. Sein Gerät ist ein handgroßer metallischer Kasten mit zwei biegsamen Metallschläuchen. An denen sitzen - ganz vorne - je zwei Sensoren, die an Knopfbatterien erinnern.

Ein Zollhund durchschnüffelt den Innenraum eines Autos.

Schnel­ler als De­tek­to­ren

Das Gerät arbeitet mit so genannten Halbleitergassensoren: Wenn sich ein Molekül aus der Luft an sie anheftet, verändern die Sensoren ihre elektrische Leitfähigkeit - das lässt sich messen. Ein Computer berechnet aus der Signalveränderung, was in der Luft liegt. Zwar kann er nicht sagen, wie es riecht, dafür aber ganz genau, welche chemischen Substanzen in welcher Konzentration in der Luft vorliegen. Dafür muss der Forscher die Maschine genau trainieren, wie einen Hund. "Das ist eigentlich nichts anderes, als was wir Menschen auch machen: Wir wissen, wie Kaffee riecht, weil uns mal jemand gesagt hat, dass es Kaffee ist."

Technik dient vor allem der Sicherheitsindustrie

Solche Geruchssensoren sind vor allem für den Einsatz in Sicherheitssystemen gedacht. Dabei können schon jetzt erstaunliche Dinge gemessen werden. "Wenn eine Person an einem Sensorknoten vorbeigeht und riecht nach Benzin oder Diesel, dann kann das mit so einer elektronischen Nase nachgewiesen werden", so Kaul. Wenn ein Mensch abends länger in der Kneipe war, kann das auch genau gemessen werden – wegen der Alkoholausdünstungen.

Detektoren am Flughafen sind keine Spürnase

Bundespolizeiinspektion und kontrolliert Reisegepäck an Flughafen

Feste, nicht flüchtige Stoffe sind aktuell nur schwer messbar. An Flughäfen wischen die Kontrolleure deshalb zuerst mit einem Messstreifen über das verdächtige Gepäck und sammeln dabei eventuell vorhandene Sprengstoffmoleküle auf. Die Probe untersuchen sie dann mit einem Gerät, dem Ionenmobilitätsspektrometer, das die Substanzen noch in winzigen Mengen aufspüren kann. Die Geräte stehen permanent zur Verfügung und sind billiger und einfacher zu handhaben als Hunde.

Elektronische Nasen noch zu unzuverlässig

Von ihrer Leistung her kommen elektronische Nasen noch lange nicht an die Hundenase heran. Experten schätzen, dass die Geräte nur ein Tausendstel bis ein Milliardstel so empfindlich sind wie das biologische Original - je nach Substanz, die man finden will.

Das kriminaltechnische Institut des Bundeskriminalamts vertraut jedenfalls weiter auf die vierbeinige Variante, wenn es um die Sprengstoffdetektion geht. Grund: Elektronische Nasen haben sich "bisher als zu unzuverlässig herausgestellt."

Autorin des Radiobeitrags ist Brigitte Osterrath.

Stand: 17.03.2017, 13:57