Obstbauern kämpfen mit ungewöhnlichen Methoden gegen den Frost

Obstbauern kämpfen mit ungewöhnlichen Methoden gegen den Frost

Von Katja Goebel

Obstbauern bangen derzeit um ihre Ernte. Die üppigen Obstblüten könnten in Frostnächten absterben. Landwirte kämpfen mit Beregnungsanlagen, Ventilatoren, Strohfeuern und Nebelmaschinen dagegen an.

Blüte eines Apfelbaumes

Die Obstbäume im Land stehen jetzt in voller Blüte. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es auch ein gutes Obstjahr wird, seien gering, sagt Agraringenieur Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern. Der plötzliche Kälteeinbruch Mitte April hat die Landwirte und Obstbauern kalt erwischt. "Die Bäume waren voller Blüten, aber sie blühten 14 Tage früher als im vergangenen Jahr. So hart zugeschlagen hat das Wetter seit vielen Jahren nicht mehr."

Die Obstbäume im Land stehen jetzt in voller Blüte. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es auch ein gutes Obstjahr wird, seien gering, sagt Agraringenieur Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern. Der plötzliche Kälteeinbruch Mitte April hat die Landwirte und Obstbauern kalt erwischt. "Die Bäume waren voller Blüten, aber sie blühten 14 Tage früher als im vergangenen Jahr. So hart zugeschlagen hat das Wetter seit vielen Jahren nicht mehr."

Temperaturen unter null Grad lassen die Obstblüten erfrieren. Innerhalb weniger Stunden kann die Ernte eines ganzen Jahres vernichtet werden. Das Ergebnis der frostigen Nächte ist an seinen Apfelblüten deutlich erkennbar: braunschwarz verfärbte Knospen, die eigentlich grün sein sollten.

Obstbauern schützen die zarten Blüten ihrer Bäume teilweise mit immensem Aufwand gegen den Frost. Dabei setzen sie zum Beispiel auf Wasser. Sinken die Temperaturen auf 0,5 Grad Celsius, werden die Obstbäume so lange durchgehend mit Wasser besprüht, bis die Temperaturen wieder über ein Grad angestiegen sind. Das Wasser gefriert an den Obstbäumen und bildet einen Eispanzer um die Blüten. Durch das Gefrieren des Wassers wird Wärme freigesetzt, die die Blüten vor dem Erfrieren retten.

Doch nur wenn immer weiter Wasser auf die Bäume gesprüht wird, gelingt es, die Blüten vor dem Erfrieren zu retten. Dies kann über Stunden dauern und erfordert eine große Menge an Wasser. Wird die Wasserversorgung während des Frostes unterbrochen, erfrieren die Blüten. Bis zu maximal minus acht Grad kann die beim Gefrieren frei werdende Energie dabei abpuffern.

Manche Bauern versprühen den künstlichen Nebel selbst, andere setzen in den Plantagen auf automatische Beregnungsmaschinen. Doch auch diese Maschinen müssen bei ihrer Arbeit ständig beaufsichtigt werden. "Sonst ist das Risiko zu hoch, dass mal eine Düse verstopft", erklärt Peter Muß.

Bis zu minus drei Grad lassen sich die empfindlichen Blüten mit einer Vernebelungsmaschine schützen. Kirsch- oder Pflaumenblüten würden eine normale Bewässerung nicht aushalten. Das Wasser muss durch feine Düsen in einer Art Nebel versprüht werden.

Da Kirschen so empfindlich sind, kommt hier häufig eine andere Methode zum Zug: Die Bäume werden mühsam abgedeckt. "Viele Kirschenanlagen werden im Sommer abgedeckt, weil die Früchte bei Regen platzen würden. Diese Planen werden jetzt schon als Frostschutz eingesetzt." So werde die Abstrahlwärme aus dem Boden gesammelt.

In Regionen, in denen nicht genügend Wasser zur Verfügung steht, setzen die rheinischen Obstbauern Windmaschinen ein, die warme Luft aus höheren Luftschichten an den Boden saugen und so das Erfrieren der Blüten verhindern.

Auch mit Hitze kämpfen die Obstbauern gegen den Frost. Feuer glimmen am Rand der großen Apfelbaumplantage in der Gemeinde Welver (Kreis Soest), wo die Landwirte Strohrundballen entzündet haben. "Wenn die Rauchschwaden über die Bäume ziehen, ist das so wie eine starke Bewölkung. Dadurch werden die Pflanzen von der Kälte von oben abgeschirmt", erklärt Obstbauer Arne Korn.

Der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern sieht vor allem Auswirkungen auf Obstbäume in Hausgärten: "Was da blüht, wird mit Sicherheit erfrieren", sagt Muß. Bei minus fünf bis minus sieben Grad beginne die Grenze. Ganze Ernten seien aber nicht gleich gefährdet. Häufig seien nur Blüten in Bodennähe betroffen.

Braune Ränder an den Blütenblättern könnten zwar ein Zeichen für Frostschäden sein, doch sei der äußerliche Schaden nicht entscheidend. Um zu sehen, ob die Blüte tatsächlich geschädigt sei, müsse man vielmehr ins Blüteninnere schauen. "Ist der Fruchtknoten nicht grün, sondern braun oder schwarz verfärbt, ist die Blüte geschädigt. Dann wird keine Frucht mehr entstehen", so Muß.

Und auch wenn die Aprilfröste überstanden sind, droht spätestens Mitte Mai noch einmal Ungemach. Dann nämlich ziehen vom 11. bis 15. Mai noch einmal die Eisheiligen durchs Land. Die Regel der "Eisheiligen" geht auf eine alte Bauernregel zurück. An diesen Tagen könnte es noch einmal zu Bodenfrost und klirrend kalten Temperaturen kommen. Erst danach kann der Verband der Obstbauern überhaupt ein erstes Fazit ziehen, wie hoch die Schäden tatsächlich sind. "Wir haben noch keinen Überblick, welche Blüten durchkommen."

Stand: 26.04.2017, 08:54 Uhr