Erdüberlastungstag - nun sind wir im Dispo

Erdüberlastungstag - nun sind wir im Dispo

Von Benjamin Esche

Seit Mittwoch haben wir das Jahresbudget unserer natürlichen Rohstoffe verbraucht. Am offiziellen Erdüberlastungstag rufen Umweltschützer zu sparsamerem Umgang mit Rohstoffen auf. Ein Überblick in neun Bildern.

Satellitenaufnahme der Erde

Am 2. August 2017 sind alle nutzbaren natürlichen Ressourcen der Erde für dieses Jahr aufgebraucht. Ab diesem Tag verbraucht der Mensch mehr natürliche Rohstoffe, als die Erde nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Das betrifft zum Beispiel Wasser, Wälder oder auch Acker- und Weideland. Das hat die internationale Forschungsorganisation Global Footprint Network berechnet. Grundlage ist die Methode zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks, die um 1990 von Mathis Wackernagel und William Rees an der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) entwickelt wurde. Hierfür werden über 6.000 Datenpunkte pro Land, Kopf und Jahr in die Berechnung miteinbezogen. Der Erdüberlastungstag rückt mit den Jahren immer weiter nach vorn. Im vergangenen Jahr war es der 8. August, im Jahr 2000 lag er noch auf dem 1. Oktober.

Am 2. August 2017 sind alle nutzbaren natürlichen Ressourcen der Erde für dieses Jahr aufgebraucht. Ab diesem Tag verbraucht der Mensch mehr natürliche Rohstoffe, als die Erde nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Das betrifft zum Beispiel Wasser, Wälder oder auch Acker- und Weideland. Das hat die internationale Forschungsorganisation Global Footprint Network berechnet. Grundlage ist die Methode zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks, die um 1990 von Mathis Wackernagel und William Rees an der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) entwickelt wurde. Hierfür werden über 6.000 Datenpunkte pro Land, Kopf und Jahr in die Berechnung miteinbezogen. Der Erdüberlastungstag rückt mit den Jahren immer weiter nach vorn. Im vergangenen Jahr war es der 8. August, im Jahr 2000 lag er noch auf dem 1. Oktober.

Die gesamte Welt bräuchte bei ihrer bisherigen Lebensweise eigentlich 1,7 Welten um ihren Bedarf zu decken, wie Global Footprint Network festgestellt hat. Wenn alle Menschen auf der Erde so leben würden, wie die Menschen in Deutschland, wären sogar 3,2 Planeten notwendig. "Die künftige Bundesregierung sollte verbindliche und messbare Ziele zur Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs festschreiben und dann für die konsequente Umsetzung sorgen - insbesondere auch gegenüber Unternehmen", fordert Johanna Kusch von Germanwatch. "Die CO2-Emissionen in Deutschland müssen nach Jahren der Stagnation endlich wieder sinken." Die weltweit größten Ressourcenverschwender sind Australien und die USA.

Vor allem der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) belastet die Erde weiterhin. CO2 entsteht zum Beispiel durch Verbrennung von Kohle, Erdöl oder Erdgas. In Deutschland wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) im Jahr 2016 insgesamt fast 906 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, das sind etwa vier Millionen Tonnen mehr als 2015. "Treibhausgase werden weiterhin in größerem Umfang emittiert als sie von Wäldern und Ozeanen absorbiert werden können", sagt Jan Kosmol vom UBA. "Eine derartige Übernutzung der Ökosysteme kann auf Dauer auf einem endlichen Planeten nicht funktionieren, da das uns zur Verfügung stehende Naturkapital begrenzt ist."

In die Rechnung zur Erdüberlastung fließt auch die landwirtschaftliche Nutzung von Weiden und Feldern ein. Dabei geht es zum einen um die weltweite Produktion von Lebens- und Futtermitteln sowie die Flächennutzung, etwa für Baumwollanbau und Tabak. Der Verbrauch dieser Rohstoffe wird mit der Flächengröße des vorhandenen Ackerlandes verglichen.

Für Papier, Brennholz oder Bauholz müssen Wälder gerodet werden. Wie viel Holz können die Wälder weltweit zur Verfügung stellen, um den Bedarf zu decken? Nach Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft verbrauchen die Deutschen pro Jahr rund 98 Millionen Kubikmeter für Bauholz, Holzwerkstoffe oder Papier. Der jährliche Bedarf würde demnach knapp 300.000 Hektar Waldfläche entsprechen und damit etwas mehr als der Fläche des Saarlandes.

Viele Fischbestände sind weltweit stark gefährdet, was auch den ökologischen Fußabdruck beeinflusst. Die Welternährungsorganisation FAO beurteilt die Situation im Mittelmeer als alarmierend. Dort sei der Fang seit dem Jahr 2007 um ein Drittel zurückgegangen. Zahlen der Umweltorganisation WWF zeigen: Fischer aus der EU fischen vielfach in nicht-europäischen Gewässern. Insgesamt macht das schon 30 Prozent ihres gefangenen Fisches aus. Weltweit gelten über 31 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt, sagt die FAO.

Auch die vom Menschen beanspruchte Fläche für Bau und Infrastruktur wirkt sich auf den ökologischen Fußabdruck aus. So wächst die komplett bebaute Fläche in Deutschland jährlich immer weiter. Laut Statistischem Bundesamt betrug die gesamte Fläche für Siedlungen und Verkehrswege im Jahr 1992 knapp 40.305 Quadratkilometer. Im Jahr 2014 waren es 48.895 Quadratkilometer, was eine Steigerung von 21 Prozent bedeutet.

Die Belastung der natürlichen Ressourcen ist in Deutschland besonders in den Bereichen der CO2-Emissionen, im Ackerland und im Bereich der bebauten Flächen hoch, haben die Forscher des Global Footprint Networks herausgefunden. Deutschland bräuchte insgesamt eine Fläche, die 2,4 mal so groß wäre wie das eigene Land, um seinen kompletten Bedarf zu decken. Das Umweltbundesamt hält die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks trotz wichtiger Stärken allerdings für nicht ganz ausgereift. "In der Fachwelt wird durchaus kritisch darüber diskutiert, unter anderem wird die Nutzung nicht erneuerbarer Ressourcen nur teilweise und indirekt über die Treibhausgasemissionen abgebildet", erklärt Jan Kosmol vom UBA. "Für die weltweit stark zunehmende Inanspruchnahme von Metallen, Industrie- und Baumineralien ist der Indikator blind."

Was sind die Lehren aus dem Erdüberlastungstag? "Unser Planet ist endlich, aber unsere Möglichkeiten sind es nicht", sagt der Entwickler des ökologischen Fußabducks Mathis Wackernagel. "Innerhalb des Ressourcenbudgets unseres Planeten zu leben ist nicht nur technologisch machbar, sondern auch finanziell von Vorteil." Das Global Footprint Network rechnet dabei auch Möglichkeiten aus, um den Erdüberlastungstag wieder nach hinten zu verschieben. Ließen sich zum Beispiel Nahrungsmittelabfälle weltweit halbieren, wäre das Datum um elf Tage in die Zukunft verschoben. "Die Rechnung ist durchaus schlüssig", sagt Jan Kosmol vom UBA. Den CO2-Ausstoss zu halbieren würde der Erde 89 Tage bringen, so Global Footprint Network.

Stand: 02.08.2017, 06:00 Uhr