Gigantischer Eisberg in der Antarktis abgebrochen

Riss im Eis bei Larsen C

Gigantischer Eisberg in der Antarktis abgebrochen

  • Ein riesiger Eisberg hat sich von der Antarktis gelöst
  • Der Eisberg ist sieben Mal so groß wie Berlin
  • Forscher fürchten langfristige Folgen

Einer der größten jemals gesichteten Eisberge hat sich von der Antarktis gelöst. Der etwa eine Billion Tonnen schwere Eisberg habe sich von dem Eisschelf Larsen C gelöst, teilen Wissenschaftler der britischen Universität von Swansea am Mittwoch (12.07.2017) mit. Antarktisforscher haben schon seit Anfang des Jahres damit gerechnet, dass dieser Eisgigant abbricht. Mit Satelliten konnten sie Kilometer für Kilometer verfolgen, wie der Riss im Eis immer länger wurde. Der Eisberg treibt nun nach Norden.

Beeindruckende Dimensionen

175 Kilometer langer Eisberg bricht ab

Diesen Augenblick haben Forscher seit Monaten mit Spannung erwartet: In der Westantarktis ist vom Schelfeis Larsen C ein gigantischer Eisberg abgebrochen.

Diesen Augenblick haben Forscher seit Monaten mit Spannung erwartet: In der Westantarktis ist vom Schelfeis Larsen C ein gigantischer Eisberg abgebrochen.

Larsen C ist die nördlichste und größte Eisplatte der Antarktis. Hier zu sehen: die Dimension und die Lage des Eisriesen.

Den Riss haben die Wissenschaftler seit Monaten vom Weltraum aus beobachtet.

Dieses Satellitenbild vom März 2017 zeigt die ganze Länge des Risses.

Es könnte sein, dass sich Schelfeis Larsen C eines Tages ganz auflöst.

Hat der Riese einen Namen?

Nach Angaben des britischen Antarktisprojekts "Midas" wird er vermutlich den Namen A68 erhalten. 

Wie groß genau ist der Eisberg?

Mit 5.800 Quadratkilometern ist er fast sieben Mal so groß wie Berlin oder fast eineinhalb mal so groß wie das Ruhrgebiet: 175 Kilometer lang und 50 Kilometer breit. Es ist einer der größten Eiskolosse, den Wissenschaftler in den vergangenen drei Jahrzehnten registriert haben. Es wird Jahre brauchen, bis er geschmolzen ist.

Ist der Eisberg eine Gefahr für die Schiffahrt?

Nein! Er schwimmt in einem sehr abgelegenen Teil der Erde. Einen Eisberg dieser Größe kann man per Satellit gut verfolgen. Seeleute wissen somit, wo er sich gerade befindet.

Steigt durch den abgebrochenen Eisberg der Meeresspiegel kurzfristig an?

Nein, höchstens minimal. Das Eis, das abgebrochen ist, schwamm schon vorher auf Meerwasser. Das heißt, selbst wenn die neue Riesenscholle in den kommenden Jahren komplett abschmilzt, ändert das den Meeresspiegel kaum.

Gibt es langfristige Auswirkungen?

Ja! Indirekt könnte es im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu einem relevanten Anstieg kommen, wenn Larsen C immer weitere Stücke ins Meer verliert. Dann könnte Festlandsgletschereis immer schneller ins Meer fliessen und das würde den Meeresspiegel ansteigen lassen. Forscher schätzen, dass das bis zu zehn Zentimeter Anstieg sein könnten, falls Larsen C komplett verschwindet.

Riesiger Eisberg löst sich von Antarktis

WDR 5 Leonardo Top Themen | 12.07.2017 | 05:34 Min.

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Ist der Abbruch eine Folge der menschgemachten Erderwärmung?

Das sei erst mal ein ganz natürlicher Prozess, sagen die Forscher, die den Eisberg beobachten. Dr. Anders Levermann, Professor für die Dynamik des Klimasystems am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagt: "Inwieweit das Abbrechen des Eisberges von Larsen C mit dem Klimawandel zu tun hat, ist derzeit noch unklar, aber ein zunehmender Eisverlust der Antarktis unter menschengemachter Erwärmung gilt als sicher". Auch wenn die genauen Mechanismen komplex sein können, so gelte doch das einfache physikalische Gesetz: Eis schmilzt, wenn es warm wird.

Stand: 12.07.2017, 16:16