Warum die "Eisheiligen" nicht immer pünktlich sind

Mit Schnee bedeckte Tulpen

Warum die "Eisheiligen" nicht immer pünktlich sind

Von Andreas Sträter

  • Vorgezogene "Eisheilige": Kälte liegt bereits hinter uns.
  • Wärmere Luft mit Schauern und Gewittern setzt sich durch.
  • Deutschland liegt Mitte Mai zwischen den Grenzen von warm und kalt.

Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die "Kalte Sophie" sind nicht nur frühchristliche Bischöfe und Märtyrer, sondern auch die "Eisheiligen". Schon seit Jahrhunderten bringen sie die Menschen Mitte Mai zum Frösteln. Denn ihre Namenstage vom 11. bis 15. Mai sorgen seit dem Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen für regelmäßige Kaltlufteinbrüche.

Tief Xander zieht mit den Eisheiligen ab

In diesem Jahr ist das anders: "Die "Eisheiligen" waren etwas früh dran", erläutert WDR-Meteorologe Stefan Laps. "Tief Xander zieht mit den "Eisheiligen" ab, so dass sich nach den kalten Nächten der vergangenen Tage nun wärmere Luft durchsetzt."

Die Temperaturen sollen sich zwischen 17 und 22 Grad einpendeln. Allerdings werden durchziehende Tiefdruckgebiete bis Mitte kommender Woche immer wieder für Regen und Gewitter sorgen, sagt der Bochumer Meteorologe.

Witterungsregeln beziehen sich auf grobe Zeiträume

In diesem Jahr lässt sich das Wetterphänomen der "Eisheiligen" also nicht komplett anwenden. "Solche Witterungsregeln konzentrieren sich nicht auf einen speziellen Tag, sondern auf grobe Zeiträume von plus, minus ein bis zwei Wochen", erklärt Meteorologe Laps dem WDR.

Meteorologische Erklärung

Eine Witterungsregel existiert dann, wenn Witterungen, die eigentlich nicht in die Jahreszeit passen, in zwei von drei Jahren auftreten. Meteorologisch sind die "Eisheiligen" damit zu erklären, dass es Anfang Mai theoretisch schon sehr warm sein kann.

Es sind Blumen namens Wiinterlinge zu sehen, die Eiskristalle auf der Oberfläche haben.

Mitte Mai kann Polarluft in Deutschland für Frost sorgen

Das europäische Festland erwärmt sich zu diesem Zeitpunkt schneller als das umgebende Meer. An den Grenzen von warm und kalt entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Luft bis Mitteleuropa bringen können, erläutert Klimatologin Hildegard Kaufmann von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien.

Von den "Eisheiligen" zu "Schweißheiligen"

Im Mai heizt Südeuropa schon richtig auf, während sich Nordeuropa noch im Spätwinter befindet. Deutschland liegt genau zwischen diesen Grenzen. Im Mai gebe es daher theoretisch ein Temperaturspektrum von minus zwei bis plus 34 Grad, sagt Meteorologe Laps. Es sei daher auch möglich, dass die "Eisheiligen" komplett ausbleiben. Bei hohen Sommer-Temperaturen mutieren sie in manchen Jahren sogar zu "Schweißheiligen".

Stand: 10.05.2017, 09:04