Zu viele Stickoxide können zum Tod führen

Dieselabgase

Zu viele Stickoxide können zum Tod führen

Von Benjamin Esche

  • Studie errechnet Todesopfer von nicht eingehaltenen Abgaswerten
  • Politik sieht offenbar keinen Zusammenhang zwischen Stickoxiden und Todesfällen
  • Wissenschaftler dagegen schon

Rund 38.000 Menschen sind laut einer Hochrechnung im Jahr 2015 weltweit vorzeitig gestorben, weil gesetzlich vorgeschriebene Abgasgrenzwerte nicht eingehalten wurden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Environmental Health Analytics aus Washington, die im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde.

Die Forscher machten sich dabei Ergebnisse der Systeme zu Nutze, die bereits beim VW-Abgasskandal eingesetzt wurden. Mithilfe spezieller Modelle zur Ausbreitung der Schadstoffe konnten sie so den über den Grenzwerten liegenden Stickoxid-Ausstoß abschätzen.

Europa besonders stark betroffen

Messgeräte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz erfassen in Düsseldorf die Umweltbelastung

Dieselabgase sind ein großes Problem in der EU

Besonders hoch ist die Zahl im diesellastigen Europa. 11.400 Todesfälle sind demnach im untersuchten Jahr in der EU verzeichnet. Ein weiterer Punkt, auf den die Studie hinweist: Dieselautos würden global rund 4,6 Millionen Tonnen Stickoxide mehr ausstoßen als erlaubt. Der Gesamtausstoß habe im Jahr 2015 bei 13,1 Millionen Tonnen gelegen, so die Wissenschaftler.

In Kürze soll der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Bundestags zum Abgasskandal erscheinen, bei dem es auch um Stickstoffdioxid (NO2) geht. Dort heißt es, dass "epidemiologisch ein Zusammenhang zwischen den Todesfällen und bestimmten NO2-Expositionen im Sinne einer adäquaten Kausalität nicht erwiesen" sei.

Wissenschaftler sind von schädigender Wirkung überzeugt

Die Studie des internationalen Forscherteams aus Washington widerspricht dieser Einschätzung – und mit ihr viele Wissenschaftler auch in Deutschland. Für Dietrich Plaß vom Umweltbundesamt ist ein Zusammenhang zwar nicht erwiesen, weil dies methodisch nicht möglich sei. Trotzdem sei er "aber als sehr naheliegend zu beurteilen".

Foto: Arbeiter tauscht Umweltzonenschild aus

Stickoxide verhindern saubere Luft in Städten

Ulrich Frank vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sieht ebenfalls Hinweise auf die schädigende Wirkung von Stickoxiden. "Auch wenn die Risiken im Vergleich zu anderen Lebensrisiken geringer sind, so ist die Zahl der Betroffenen in Städten durchaus hoch", erklärt Frank.

Den Zusammenhang zwischen Stickoxiden und einer erhöhten Sterberate haben verschiedene Studien nachgewiesen, sagt Tamara Schikowski vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf. "Der Effekt ist genauso hoch einzuschätzen wie beim Feinstaub", erklärt die Wissenschaftlerin.

Stand: 16.05.2017, 14:00