Wie wir das Arktiseis schmelzen lassen

Obama in der Arktis

Wie wir das Arktiseis schmelzen lassen

Von Anne Preger

Forscher haben ausgerechnet, wie stark wir das Eis in der Arktis schmelzen lassen durch das Kohlendioxid, das wir ausstoßen: Wer 2.000 km mit dem Auto fährt, taut so einen Quadratmeter Packeis am Nordpol ab.

Der menschgemachte Klimawandel zeigt überall auf der Erde Wirkung. Besonders spürbar ist die Erderwärmung in der Arktis, also rund um den Nordpol. In den vergangenen vierzig Jahren hat sich die Fläche des sommerlichen Meereises in der Arktis etwa halbiert. Jetzt haben Wissenschaftler ausgerechnet, wie stark wir das Eis in der Arktis schmelzen lassen durch das Treibhausgas Kohlendioxid, das wir ausstoßen.

2.000 Autokilometer = 1 Quadratmeter Eis weg

Flugzeug mit Kondensstreifen.

In großer Höhe wirkt CO2 besonders klimaschädigend

Im Fachmagazin „Science“ (03.11.2016) rechnet der Hamburger Max-Planckforscher Dirk Notz zusammen mit einer Kollegin aus den USA vor: Für jede Tonne Kohlendioxid, die ein Mensch in die Luft pustet, schmelzen rund drei Quadratmeter Eis in der Arktis ab. Umgerechnet bedeutet das: Wer mit seinem Auto 2.000 km fährt, hat auch einen Quadratmeter Arktiseis auf dem Gewissen. Einmal von Frankfurt nach San Francisco und zurück fliegen, lässt fünf Quadratmeter Meereis abschmelzen.

Vereinfachte Rechnung

Damit reagiert das arktische Packeis erstaunlich sensibel auf die Extraportion Kohlendioxid, die unter anderem durch Auspuffe und Schornsteine in die Luft gelangen. Dabei haben die Forscher wahrscheinlich eher konservativ gerechnet. Sie haben sich nämlich ausschließlich den Ausstoß von Kohlendioxid angesehen. Das ist mengenmäßig zwar auch das wichtigste Treibhausgas, das wir in die Luft pusten, aber nicht das einzige. Methan, Lachgas und andere Treibhausgase erwärmen die Atmosphäre zusätzlich. Das haben die Forscher noch gar nicht mitberücksichtigt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass beim Fliegen Kohlendioxid in großer Höhe freigesetzt wird, was besonders klimaschädigend wirkt. Auf der anderen Seite fehlen in der Modellrechnung aber auch einige kühlende Effekte des Menschen aufs Erdklima.

Nordpol ohne Eis - trotz Klimavertrag von Paris

2016 war das Eisminimum in der Arktis am 10. September erreicht. Da waren es noch 4,14 Mio Quadratkilometer Seeeis, das entspricht etwa 40 Prozent der Fläche der USA. Legt man die aktuelle Studie zugrunde, dann lässt sich hochrechnen, dass die Arktis spätestens Mitte des Jahrhunderts im Sommer eisfrei sein wird. Nur wenn der Klimavertrag von Paris dazu führen würde, dass die Menschheit die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt, wird es im Sommer in der Arktis noch Packeis geben. Ansonsten ist der Nordpol ab Mitte des Jahrhunderts im Sommer wohl eisfrei.

Stand: 04.11.2016, 15:17