Chemie im Alltag: Was macht Fluorid in der Zahnpasta?

Chemie im Alltag: Was macht Fluorid in der Zahnpasta?

Von Hellmuth Nordwig

Fluorid macht die Zähne hart. Behauptet die Werbung. Was da dran ist, zeigt ein Versuch mit einem Hühnerei. Dessen Schale besteht aus einem ähnlichen Material wie unser Zahnschmelz.

Fast jede Zahncreme enthält Fluorid. Wie viel, das ist je nach Produkt unterschiedlich. In der Regel steht auf der Packung "1.400 ppm" (parts per million). Also 1.400 Teile von einer Million. Die Hersteller könnten auch einfach sagen: rund eineinhalb Promille. Dabei wird Fluorid zum Säubern der Zähne gar nicht benötigt.

Das Hühnerei gibt Aufschluss

 Ein Ei, mit fluoridhaltiger Zahnpasta eingeschmiert.

Das Ei wird mit fluoridhaltiger Zahnpasta eingeschmiert

Doch welchen Zweck erfüllt Fluorid dann in der Zahnpasta? Der Chemielehrer Birger Pistohl vom Comenius-Gymnasium Deggendorf demonstriert das mit einem Hühnerei. "Dessen Schale besteht aus Kalk", erklärt er, "und unser Zahnschmelz enthält ein Mineral, das chemisch verwandt ist". Um zu zeigen, was Fluorid mit dem Kalk macht, schmiert er ein Ei teilweise mit Zahnpasta ein und lässt sie einige Zeit einwirken.

Der Versuch zum Selbermachen

  • fluoridhaltige Zahncreme in einen Eierbecher geben
  • ein Hühnerei so hineinstellen, dass nur eine Hälfte in der Zahncreme steckt
  • mit Plastikfolie umwickeln (damit die Zahnpasta nicht austrocknet)
  • nach einigen Tagen auspacken und das Ei abwaschen
  • Weißweinessig in ein Glas geben und das Ei hineinlegen (schneller geht es mit Essigessenz)

Ein paar Tage später …

Chemielehrer Birger Pistohl vom Comenius-Gymnasium Deggendorf

Chemielehrer Birger Pistohl nimmt das Ei aus dem Essigbad

… legen wir das gesäuberte Hühnerei in Essig. Sofort verändert es sich dort, wo die Zahncreme nicht einwirken konnte: Gasblasen steigen auf. Die Schale beginnt sich aufzulösen und ist nach einiger Zeit sogar ganz verschwunden. Nur die dünne Eihaut ist noch da. "Aber dort, wo die Schale mit der Zahnpasta eingeschmiert war, ist sie heil geblieben", beobachtet Birger Pistohl.

Etwas Ähnliches passiert, wenn Essig oder andere Säuren (etwa aus Milch oder Obst) mit unseren Zähnen in Kontakt kommen: Der Zahnschmelz wird geschädigt, wenn er nicht regelmäßig mit dem Fluorid aus der Zahnpasta eingecremt wird. Nischen und Löcher, die dabei entstehen, sind ein idealer Lebensraum für Kariesbakterien. Besonders perfide: Diese Einzeller scheiden selbst Säure aus, die sich immer weiter in den Zahn hineinfrisst.

Umbau des Minerals im Zahn

Unser Zahnschmelz besteht aus einem harten, Kalzium-haltigen Mineral namens Hydroxylapatit. Hart ist es aber nur, solange keine Säure dran kommt. Hier kommt Fluorid ins Spiel: Es lagert sich in den Zahnschmelz ein und baut ihn chemisch um. "Dabei entsteht ein anderes Mineral, das gegen Säuren viel weniger empfindlich ist", erklärt Birger Pistohl, "genau wie bei der Kalkschale des Hühnereis, wie unser Versuch gezeigt hat". Es lohnt sich also wirklich, Zahnpasta mit Fluorid zu benutzen!

Hinweis zu einer Korrektur: In einer früheren Version hieß es fälschlicherweise: "In der Regel steht auf der Packung '1.400 ppm' (parts per million). Also 1.400 Teile von einer Million. Die Hersteller könnten auch einfach sagen: rund eineinhalb Prozent." Wir haben den Fehler korrigiert, richtig heißt es: "rund eineinhalb Promille". (15.03.2017)

Stand: 14.02.2017, 09:00