Blitz-Boom in Wesel

Archiv: Biltz am Nachthimmel

Blitz-Boom in Wesel

Von Andreas Sträter

  • Wesel ist "Blitz-Hauptstadt 2016".
  • 2016 war ein sehr blitzarmes Jahr.
  • Bundesweit 432.000 Einschläge.

In Wesel blitzt es am häufigsten. Nirgendwo in Deutschland schlugen im vergangenen Jahr mehr Blitze ein als dort. Nach Angaben des Blitzatlas gab es im Kreis Wesel 4,1 Einschläge pro Quadratkilometer Fläche. Am zweithäufigsten schlug der Blitz im bayerischen Aschaffenburg ein. Platz drei geht wieder nach NRW: nach Borken, das direkt an den Kreis Wesel angrenzt. Dass die meisten Blitze im Kreis Wesel registriert wurden, ist eine Überraschung. Denn normalerweise ist die Gegend eine blitzarme Region. Heftige Gewitter im Frühsommer 2016 führten zu den hohen Werten.

2016 war ein sehr blitzarmes Jahr

"Im Jahr 2016 gab es in Deutschland auffallend wenige Blitzeinschläge", sagt Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes. Mit 432.000 Blitzen schlugen so wenige ein wie seit 1999 nicht mehr. 2015 waren noch rund 550.000 Blitze am Himmel zu beobachten. Davor waren es wiederum 623.000. Es gab aber auch schon Jahre wie 2007, in denen mehr als eine Million Blitze in Deutschland einschlugen.

Blitzdichte in NRW (2016)

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Blitzeinschläge pro Quadratkilometer nach Landkreisen (Quelle: Siemens BlitzAtlas 2016)

Legende: Blitzdichte in NRW (2016)

Blitzeinschläge je Quadratkilometer
  • mehr als 4
  • 3 bis 4
  • 2 bis 3
  • 1 bis 2
  • weniger als 1

Messstationen registrieren jeden Blitz

Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes, bei der Arbeit

Messstationen registrieren Blitze

Jeder Blitz sendet nicht nur Lichtwellen, sondern auch hörbare Funkwellen. Diese elektromagnetischen Schwingungen werden von europaweit 160 Messstationen empfangen. Für die Statistik registrieren die Stationen jeden Blitz, der die Erde erreicht - egal ob über Gebäude, Baum, Mast oder direkt in den Boden. Der Ort des Einschlags lässt sich auf rund 200 Meter genau bestimmen.

Gewitter ist unberechenbar

Wo die Gewitter auftreten, hängt von vielen Faktoren ab, erläutert Meteorologe Friedrich Föst dem WDR. Weil sich Gewitter jedes Jahr anders und unregelmäßig verteilen, sei es schwierig, sie vorauszusagen. "Aber es gibt ein paar Lieblingszugbahnen von Gewitter. In einigen Regionen knallt es einfach häufiger", sagt Föst.

Wie Gewitter entstehen

Unwetter in NRW

"In einigen Regionen knallt es häufiger"

Gewitter entstehen auf verschiedene Weisen – entweder als Front- oder als Wärmegewitter. Treffen an einer Wetterfront warme Luftmassen auf Kälte, wird die Wärme nach oben gedrückt. In diese aufsteigende warme Luft wächst wiederum kalte Höhenluft hinein, so dass es zu einem Wetterumschwung kommt, der von einem Gewitter begleitet werden kann. Bei einem klassischen Sommergewitter wird die Hitze zum Gewitter.

Ladungsunterschiede innerhalb der Wolke

Durch starke Sonneneinstrahlung steigt die Luft auf (Thermik) und trifft in Höhen von etwa zehn Kilometer auf kältere Wolken. Winzige Wassertropfen kondensieren zu Wolken, die sich zu Gewitterwolken auftürmen können. In beiden Fällen gibt es Ladungsunterschiede innerhalb der Wolke gegenüber dem Erdboden, woraus letztlich Donner und Blitze resultieren. "Blitze sind extrem heiß und breiten sich explosionsartig aus", erklärt Meteorologe Först und ergänzt: "Diese Ausdehnung in der Luft nehmen wir als Donner wahr."

Im Süden knallt es häufiger

Weil es in Süddeutschland tendenziell ein paar Grad wärmer ist als im Norden, gibt es dort mehr Gewitter. Hinzu kommt, dass die Berge – die Alpen, der Schwarzwald oder die Schwäbische Alp – den Aufstieg der warmen Luft begünstigen und so das Gewitterrisiko erhöhen.

In Nordrhein-Westfalen ist die Gewitterhäufigkeit entsprechend in den gebirgigen Gegenden höher, etwa in der Eifel oder im Sauerland: "Der Effekt der Berge ist auch in NRW nachweisbar", erläutert Meteorologe Föst.

Stand: 13.07.2017, 06:00