Unsere Banane ist bedroht

Ein Stapel Bananen in einem Geschäft

Unsere Banane ist bedroht

Die Banane, die wir aus dem Supermarkt kennen, könnte es in ein paar Jahren nicht mehr geben. Denn weltweit ist sie von einem Pilz bedroht. Welche Möglichkeiten gibt es gegen diesen Pilz und was können Verbraucher selbst tun? Fragen und Antworten.

Was ist das für ein Pilz und warum ist er so problematisch?

Eine Bananenplantage bei Orotava, Teneriffa, von oben fotografiert. Ein blauer Himmel mit einigen Wolken ist über der Plantage zu sehen, eine Palme, sticht rechts hervor.

Eine Bananenplantage

Es handelt sich um einen Bodenpilz mit Namen TR4 (Fusarium oxysporum cubense Tropical Race 4), der weltweit um sich greift. Erstmals wurde er 1990 auf Taiwan entdeckt. Das Problem ist, dass sich dieser Pilz wahnsinnig schnell ausbreiten kann, weil Bananen in Monokulturen angebaut werden. Weil sie genetisch alle identisch sind - jede Pflanze vermehrt und klont sich selbst - hat keine Pflanze diesem Pilz wirklich etwas entgegenzusetzen. Warum der Pilz sich ausgerechnet jetzt ausbreitet, kann kein Forscher genau sagen. Aber es ist so, dass viele Plantagen auf den Philippinen und in Australien schon geschlossen oder abgebrannt werden mussten, weil dieser Pilz plötzlich so stark grassiert.

Was macht der Pilz genau?

Der Pilz lebt im Boden und kann dort Jahrzehnte überdauern. Er dringt von dort in die Sporen, in die Wurzeln der Bananenpflanze ein und hindert die Pflanze daran, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Sie verkümmert dann innerhalb weniger Wochen.

Kann man irgendetwas tun, um dem Pilz selbst auf den Leib zu rücken?

Bisher nein. Beim Bananenanbau wird schon gegen viele Pilze und andere Schädlinge mit Pestiziden oder auf Bio-Plantagen auch mit anderen Mitteln vorgegangen. Aber dieser Pilz ist komplett resistent. Es wurde bisher kein Mittel gefunden, das gegen ihn hilft. Die Bauern versuchen sich damit zu behelfen, die Plantagen abzubrennen oder die Erde mit Folie abzudecken, damit der Pilz keine Luft bekommt.

Welche Möglichkeiten bietet die Gentechnik?

Ließe sich eine neue Banane "zaubern"? Forscher versuchen genau das im Moment. Es gibt ein Zentrum an der Universität Wageningen in den Niederlanden, wo weltweit alle Fäden zusammenlaufen. Dort versucht man, eine Banane zu finden, die gegen diesen Pilz resistent ist.

Teamquartiere Bananen aus Ecuador

Wir kennen nur die eine gelbe - in der Natur aber gibt es hunderte Bananensorten

Die einzige Bananensorte, die wir aus dem Supermarkt kennen, heißt Cavendish. Sie ist aber nur eine von hunderten Sorten, die es in der Natur gibt. Außerdem ist sie eine gezüchtete Kultursorte. Das heißt, es gibt auch Wildbananen. Und da haben die Forscher in Wageningen eine Sorte entdeckt, die tatsächlich gegen diesen Pilz resistent ist. Das Problem ist: Man kann sie nicht essen. Sie hat steinharte Samen, kein richtiges Fruchtfleisch. Nun versuchen die Forscher, in dieser Wildbanane ein Gen zu finden, das für die Resistenz dieses Pilzes verantwortlich ist. Das könnte man dann einer anderen Banane einpflanzen. Allerdings bedeutet dieser Weg jahrelange Arbeit. Es könnte zehn Jahre und noch länger dauern.

Gibt es einen praktikablen Plan B?

Die Forscher sagen, man müsse schon jetzt anfangen, zu einer größeren Vielfalt auf dem Bananenmarkt zu kommen, damit nicht nur die Sorte Cavendish angebaut wird. Auf den Philippinen oder in Indonesien, wo die Banane natürlicherweise wächst, gibt es rote kleine oder grüne kleine Bananen. Sie schmecken teilweise ein bisschen anders, manche nach Apfel, manche nach Vanille, manche viel intensiver als unsere gelben Bananen. Die Forscher sind sich einig, dass man auch wie bei Getreide oder anderem Obst, zum Beispiel Äpfeln, mehrere Sorten haben muss. Das wäre ein Plan B, wenn eine Sorte anfällig ist.

Gab es in der Vergangenheit schon einmal einen solchen Pilz?

Ja. In Lateinamerika, woher die meisten Bananen kommen, die wir hier im Supermarkt finden, wurde vor mehreren Jahrzehnten eine Sorte angebaut, die Gros Michel hieß. Sie war etwas größer und robuster, angeblich auch leckerer. Diese Bananensorte ist in den 1950er Jahren dem Pilz TR1, quasi dem "Ur-Opa" des heutigen Pilzes TR4, zum Opfer gefallen. Die Bananenkonzerne haben daraufhin in jahrelanger Arbeit versucht, eine resistente Sorte zu finden: die heutige Cavendish.

Welche Rolle spielen Konzerne und Verbraucher?

Werbung für Bananen zum Kilopreis von 99 Cent

Der Preis für Bananen ist über Jahre gesunken

Dass die Cavendish als einzige Banane bei uns verkauft wird, liegt nicht nur daran, dass die Konzerne keine anderen Sorten anbauen wollen, sondern vor allem auch daran, dass der Preis für Bananen über Jahre so weit gesunken ist. Er liegt im Schnitt bei einem Euro pro Kilo. Dadurch haben Forscher und auch die Bananenproduzenten keine Möglichkeiten, in Alternativen zu investieren oder andere Sorten zu probieren, weil diese sich schlecht verkaufen. Kunden sind nicht daran gewöhnt und wollen sie nicht. Fest steht: Was die Verbraucher haben wollen, verkaufen die Supermärkte. Wenn die Kunden auch andere Bananen stärker nachfragen würden und sich ein Markt bilden würde, dann würden andere Sorten auch stärker angeboten.

Die Fragen beantwortete WDR-Reporterin Sarah Zierul

Die Banane ist bedroht

WDR 5 Leonardo Top Themen | 02.03.2017 | 06:26 Min.

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Stand: 02.03.2017, 16:53