Mein Freund, der Baum ... - ist krank

Mein Freund, der Baum ... - ist krank

Von Katja Goebel

Den Eschen und Kastanien geht es gar nicht gut: Eingeschleppte Pilze und aggressive Bakterien machen ihnen zu schaffen. Bislang ist noch kein Gegenmittel gefunden. Und es gibt noch mehr Dauerpatienten unter den Bäumen.

Deutlich sind abgestorbene Äste an der Krone einer Esche (Fraxinus excelsior) zu erkennen

Eschen: Eine unbekannte Pilzart - eingeschleppt aus Asien - macht den Eschen in NRW schon seit Jahren das Leben schwer. "Doch dass er so massiv wie jetzt zuschlägt, das war unvorstellbar", sagt Peter Uehre, der sich bei der Landwirtschaftskammer NRW als Versuchsleiter im Bildungszentrum Gartenbau schon seit Jahrzehnten auch mit Baumkrankheiten beschäftigt. Ob im Münsterland oder im Bergischen - vielerorts ist auch jetzt wieder das große Sterben der Bäume zu beobachten. Ein Phänomen, das übrigens europaweit gilt: "Von Kroatien bis Dänemark ist die Esche geschädigt. So etwas habe ich in meinem dreißigjährigen Berufsleben noch nicht erlebt."

Eschen: Eine unbekannte Pilzart - eingeschleppt aus Asien - macht den Eschen in NRW schon seit Jahren das Leben schwer. "Doch dass er so massiv wie jetzt zuschlägt, das war unvorstellbar", sagt Peter Uehre, der sich bei der Landwirtschaftskammer NRW als Versuchsleiter im Bildungszentrum Gartenbau schon seit Jahrzehnten auch mit Baumkrankheiten beschäftigt. Ob im Münsterland oder im Bergischen - vielerorts ist auch jetzt wieder das große Sterben der Bäume zu beobachten. Ein Phänomen, das übrigens europaweit gilt: "Von Kroatien bis Dänemark ist die Esche geschädigt. So etwas habe ich in meinem dreißigjährigen Berufsleben noch nicht erlebt."

Der Pilz nistet sich in den Bäumen ein und kappt die Versorgung, der Baum verdurstet und verhungert. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Der Einsatz von Giften hilft nicht. Die Forstbehörden setzen jetzt auf Zeit: Kranke Bäume sollen gefällt und der Bestand weiter beobachtet werden. Wissenschaftler und Forstökologen sind bereits auf der Suche nach einzelnen resistenten Bäumen aus anderen Eschenarten - wie der amerikanischen Esche. "Wir müssen uns auf Dauer vielleicht von der heimischen Esche verabschieden", fürchtet Uehre.

Kastanien: Bei vielen Kastanien im Land wütet hingegen das aggressive Bakterium "Pseudomonas syringae", das in den vergangenen zwei Jahren verstärkt auftrat, aber nicht so flächendeckend wie bei der Esche. Dennoch: Ist der Befall einmal da, kann das weitreichende Folgen haben. In Hagen zum Beispiel ist über die Hälfte der Kastanien betroffen: Von 900 Bäumen müssen knapp 500 gefällt werden.

Erkennen kann man den Befall durch dunkel ausblutende Stellen an der Rinde des Baumes. Die Triebe sterben ab und der Baum wird mit der Zeit schütter. Laut Landwirtschaftskammer ist noch völlig unklar, woher der Krankheitserreger kommt. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Was "Pseudomonas syringae" anrichten kann, zeigt ein Blick aufs Nachbarland: In den Niederlanden ergeb eine Kartierung, dass in einzelnen Gebieten bis zu 70 Prozent der Rosskastanienbäume befallen waren.

Heißhunger auf Kastanien hat aber auch noch ein anderer Schädling: die Miniermotte. Die Larven dieser fünf Millimeter kleinen Schmetterlinge fressen sich durch das Laub der Rosskastanie und sorgen dafür, dass die Blätter braun werden und schließlich früh abfallen. Ist ein Baum befallen, sollte das herabgefallene Laub so schnell wie möglich verschwinden. Die Landwirtschaftskammer rät, das Laub entweder über zentrale Kompostieranlagen zu vernichten oder zu verbrennen. Nur so kann man verhindern, dass sich aus bereits gelegten Motteneiern wieder gefräßige Larven entwickeln.

Die Rosskastanien-Miniermotte wurde 1984 erstmals am Ohrid-See in Mazedonien nachgewiesen. Deswegen bekam sie auch den Artnamen "Cameraria ohridella". Innerhalb weniger Jahre kam der Parasit bis nach Deutschland. Vor allem die weißblühenden Rosskastanien werden von dem Schädling befallen.

Platane: Vor einigen Jahren noch war die Platane das Sorgenkind unter den heimischen Bäumen. Sie wurde von einem Pilz namens Massaria befallen. Von unten war der Pilz oft gar nicht sichtbar, weil er vor allem die Astoberseiten befiel."Dieser Pilz bewirkt eine so schnelle Holzzersetzung, dass auch große Äste innerhalb von wenigen Wochen spröde werden und abbrechen können", erklärt Bernd Roser vom Arbeitskreis Stadtbäume der Gartenamtsleiterkonferenz. Auch bei dieser Krankheitswelle haben wahrscheinlich die resistenteren Bäume überlebt. Seit Jahren sind die Erkrankungen nun rückläufig. "Man kann eigentlich noch gar nicht erklären, warum."

Buche: Der Klimawandel könnte schuld sein, dass auch heimische Bäume wie die Buche mit immer schwierigeren Lebensbedingungen zu kämpfen hat. "Wir haben gerade Wetter- und Wasserverhältnisse, die sehr problematisch sind. Ich sehe Buchen, die sind jetzt schon kahl", sagt Peter Uehre, der die Wetterbedingungen in diesem Jahr mit Sorge betrachtet. An stark besonnten Waldrändern hätte aber nicht nur die Buche Probleme, sondern auch die Ebereschen und der Bergahorn. Pilze und Bakterien könnten solche Schwächezustände ausnutzen. Ob all die Bäume aber auch langfristig geschädigt sein, könne man noch nicht absehen. "Bäume können sich regenerieren."

Fichte: Apropos Trockenheit: Die ist auch eine Herausforderung für Fichten und macht sie anfällig für den Befall des Borkenkäfers, des Buchdruckers und des Kupferstechers. Ein Umstand, der auch wirtschaftliche Folgen hat: "Fichten gehen im Anbau deutlich zurück", erklärt Uehre. Bäume wie Lerche, Douglasie oder Kiefer kämen mit der Trockenheit schon besser zurecht.

Buchsbaum: Der Buchsbaum war eigentlich lange Zeit überhaupt keine Problempflanze. Doch dann kam der Buchsbaumzünsler - eine gefräßige Schmetterlingsraupe, die ebenfalls aus Asien eingeschleppt wurde. Und dann gibt es da noch einen Pilz. "Der ist so aggressiv, dass ganze Märkte zusammengebrochen sind", so Uehre. "Und ich mache mir überhaupt keine Hoffnung, dass der Pilz sich wieder verzieht."

Eiche: Seit vielen Jahren befällt die Schmetterlingsraupe des Eichenprozessionsspinners immer mal wieder Bäume. Der Schädling ernährt sich von frisch ausgetriebenen Blättern. Mittlerweile wird in NRW das passende Schädlingsbekämpfungsmittel schon vom Helikopter aus versprüht.

Baumfachmann Peter Uehre hat dennoch eine gute Nachricht zum Schluss. "Unserer deutschen Eiche geht es durchaus gut", tröstet er.

Stand: 20.09.2016, 06:00 Uhr