Avocados wachsen in der Wüste

Aufgeschnittene Avocado

Avocados wachsen in der Wüste

Sie ist die Heldin der Hipsterküche. Nahrhaft und doch gesund soll sie sein – die Avocado. Auch Ägypten versucht, vom Trend zu profitieren. Wo vorher Wüste war, wachsen nun sattgrüne Avocados - dank ausgeklügelter Bewässerung.

Sie enthält bis zu 30 Prozent Fett und gilt trotzdem als "köstliches Superfood", wie Kochzeitschriften gerne texten. Sie ist nämlich reich an vorteilhaften ungesättigten Fettsäuren. Und die sollen sogar den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen. Hauptlieferant für den deutschen Markt ist zum Beispiel Südafrika. Und auch in Ägypten wittert man jetzt die Chance auf den Super-Deal mit der "Superfrucht". Wo einst Wüste war, wachsen nun Avocados.

"Hass-Avocados" aus Ägypten

Avocado-Ernte in Ägypten

Avocado-Ernte in Ägypten

Erntezeit auf der Pico-Farm am Rande des Nildeltas, gut 130 Kilometer nördlich von Kairo. Überall raschelt es, sind die Stimmen der Vorarbeiter zu hören. Avocado-Pflücken erfordert Kenntnis und Fingerspitzengefühl, erklärt Agraringenieur Magdy Metwaly. "Wir schneiden die Früchte einzeln mit einer Ernte-Schere ab. Man muss einen halben bis einen Zentimeter vom Stengel an der Avocado lassen. So trocknet sie nicht aus und bleibt beim Transport zum Kunden länger frisch."

"Fuerte" und "Pinkerton" heißen die Sorten, die auf der Pico-Farm als erstes geerntet werden. Von Dezember an folgen die sogenannten "Hass”-Avocados. Anders als der abweisende Name vermuten lässt, zählen sie wegen ihres besonders nussigen Geschmacks zu den beliebtesten der Welt. "Hass" heißen die Früchte nach einem Kalifornier namens Rudolph Hass, der die Wildkreuzung in den 1930er Jahren zufällig in seinem Garten entdeckte.

Avocados bei Veganern der Hit

Anders als tierische Fette begeistern die Avocados auch Veganer. Durch den Run auf das "Superfood”, wie amerikanische Ernährungswissenschaftler die Avocado preisen, sind inzwischen auch geschäftstüchtige Unternehmer aus Südafrika, Kenia, Spanien oder Israel auf den Zug aufgesprungen. In Ägypten gedeihen Avocados sogar da, wo vor 30 Jahren noch Wüste war, berichtet Bassem Farhad. Der Ingenieur ist der Bewässerungsexperte der Pico-Plantagen.

Warenkunden: Avocado

Inzwischen fast überall zu kaufen

Während in manchen Regionen der Erde die Plantagen mit Sprinkleranlagen feuchtgehalten werden, nutzen die Ingenieure in Ägypten die so genannte Tröpfchenbewässerung. "Dabei können maximal vier Liter Wasser pro Stunde abgegeben werden, erklärt Bassem Farhad. "Eine Sprinkleranlage braucht 120 Liter pro Stunde. Das ist natürlich ein Riesen-Unterschied."

Hauptabsatzmarkt ist Großbritannien

Ein Tankschiff verlässt den Suezkanal. Links ist die Stadt Suez zu sehen

Handelsroute der Superfrachter: der Suezkanal

Per Schiff, zum Beispiel von Alexandria oder Suez aus, liefert Pico vor allem nach Großbritannien, an die großen Supermarkt-Ketten "Sainsbury” und "Marks & Spencer”. Aber auch in die Golfstaaten und nach Asien gehen Avocados, erläutert Mohamed Ashraf, der für das Prozessmanagement verantwortlich ist.

Firmenchef sieht großes Potenzial

Rund 200 Tonnen Avocados haben die Männer im vergangenen Jahr auf der Pico-Plantage geerntet. Im Vergleich zu traditionellen Avocado-Produzenten wie Mexiko, das allein jährlich rund anderthalb Millionen Tonnen auf den Markt wirft, ist das eine verschwindend kleine Menge. Noch steht Ägypten auf der Erzeugerliste weit am Ende. Aber für die Zukunft sieht der Vorstandsvorsitzende von Pico, Alaa Diab, ein Riesenpotenzial. "Wir warten wirklich ungeduldig darauf, neue Avocado-Bäume anpflanzen zu können. Aber die weltweite Nachfrage ist derzeit so hoch, dass die Baumschulen bei Avocados eine Wartezeit von zwei Jahren haben."

Autorin des Radiobeitrags ist Cornelia Wegerhoff.

Stand: 14.02.2017, 17:05