Tsunami verändert Artenvorkommen

Seestern

Tsunami verändert Artenvorkommen

Von Andreas Sträter

  • Organismen legten tausende Kilometer über den Pazifik zurück.
  • Tsunami schickte Lebewesen auf Plastikmüll von Japan bis an die US-Westküste.
  • Arten erwiesen sich als sehr widerstandsfähig.

Zahllose kleine Lebewesen haben es über den Pazifik geschafft. Auf Plastikmüll und Trümmerteilen sind sie 7.000 Kilometer von Japan bis nach Nordamerika gesurft. Im Jahr 2011 ereignete sich vor der Küste Japans ein schweres Seebeben, das einen Tsunami zur Folge hatte. Die dabei ins Meer gespülten Tiere und Algen kamen lebend in Hawaii und der amerikanischen Pazifikküste an und hatten sich sogar teilweise unterwegs vermehrt, erläutern US-amerikanische Forscher im Wissenschaftsjournal "Science".

Vom Tsunami angespültes Boot

An alten Booten durch Wind und Wellen

Die Lebewesen hatten Glück, dass durch den Tsunami Millionen Objekte – von kleinen Plastikteilen bis zu ganzen Schiffen und Bruchstücke von Hafenanlagen – ins Meer hinausgespült wurden. Auf und in ihnen haben es Fische, Muscheln, Schnecken, Würmer, Krebse und Algen in die Neue Welt geschafft.

289 nicht-heimische Arten festgestellt

Bei einer Analyse an den pazifischen Küsten Nordamerikas stießen die Forscher auf mindestens 289 Arten, die die Reise überstanden haben und die eigentlich in den USA nicht beheimatet sind. Ausgewertet wurden dabei 634 Fundstücke, die durch Strömungen, Wellen und Wind angeschwemmt worden waren.

Die Funde belegten, wie widerstandsfähig einige Arten seien, sagt John Chapman, einer der beteiligten Wissenschaftler von der Oregon State University. "Als wir das erste Mal Arten aus Japan sahen, waren wir geschockt", erklärt er: "Wir hätten nie gedacht, dass sie so lange leben, unter diesen rauen Bedingungen."

Dauerhafte Ansiedlungen?

Die Funde legen also nahe, dass einige Arten sehr widerstandsfähig sind. Bis sich die Arten an der Westküste ansiedeln, könne es allerdings noch Jahre oder Jahrzehnte dauern, ergänzt Chapman.

Artenwanderung

Wanderung der Arten von Japan bis an die US-Westküste

Angesichts des Klimawandels und der damit einhergehenden globalen Erwärmung gehen Forscher davon aus, dass Seereisen auf Plastikteilen in Zukunft häufiger vorkommen. Jährlich gelangen zehn bis zwölf Millionen Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere, die dann von einem Tsunami, einem Hurrikan oder einem Taifun tausende Kilometer weit treiben könnten. "Es gibt also sehr viel Potenzial", sagt Studienautor James Carlton vom Williams College (Williamstown, Massachusetts).

Während wir Menschen versuchen, die Meere wieder sauberer zu machen, bilden Algen und andere Kleinstlebewesen mit dem Mikroplastik bereits Gemeinschaften. Sie heften sich an die winzig kleinen Teile und reisen mit ihnen über die Ozeane. Welche Auswirkungen die neuen Arten für das Ökosystem haben, ist noch nicht klar.

Stand: 29.09.2017, 13:00