Darum sind Erkrankungen der Niere so gefährlich

Niere

Darum sind Erkrankungen der Niere so gefährlich

Von Benjamin Esche

  • Nierenerkrankungen werden häufig zu spät entdeckt
  • Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leben mit eingeschränkter Nierenfunktion
  • Ab dem 36. Lebensjahr sollten Nierenwerte regelmäßig überprüft werden

Sie gilt als Klärwerk unseres Körpers: die Niere. Funktioniert sie nicht mehr richtig, kann es tödlich enden. In Deutschland sind zurzeit 100.000 Menschen auf ein Nierenersatzverfahren wie Dialyse oder Transplantation angewiesen. "Es gibt darüber hinaus noch knapp zwei Millionen Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion", sagt Jan Galle, Nierenarzt aus Lüdenscheid und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie.

Nieren-Erkrankungen werden kaum bemerkt

Ultraschalluntersuchung der Niere, Arzt und Patient

Ein Ultraschall der Niere kann Aufklärung geben

Der Weltnierentag (09. März) soll auf das Tückische bei Erkrankungen der Niere aufmerksam machen: Die Beschwerden werden nicht unbedingt bemerkt. "Wenn die Niere rechtzeitig untersucht wird, kann man die Erkrankung auch feststellen, wenn sie noch lange keine Symptome macht", erklärt Galle. Dazu gehören Urin- und Blutuntersuchungen. "Wenn jemand erst mit Symptomen zum Arzt geht, dann ist es schon viel zu spät", so der Nephrologe.

Ein Nierenversagen kann grundsätzlich jeden Menschen treffen. Besonders gefährdet sind allerdings übergewichtige Menschen. "Bei Übergewicht leidet die Niere unter stoffwechselbedingten Problemen", sagt Jan Galle. Immer mehr Menschen werden nierenkrank, weil sie Diabetes oder Bluthochdruck haben. "Das sind mittlerweile zwei Drittel aller Dialyse-Patienten", sagt Galle. Als Ursprung sehen die Mediziner das Übergewicht an. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie hat sich die Zahl der durch Übergewicht verursachten Nierenschäden in den vergangenen 30 Jahren verzehnfacht.

Diabetes führt oft zu Nierenleiden

Menschliche Niere

Die Niere ist das Entgiftungsorgan des Menschen

Besonders Diabetiker erleiden häufig eine chronische Nierenkrankheit. "Bei Diabetes kann auch eine beschädigte Niere noch lange ihre Entgiftungsfunktion aufrechterhalten", erläutert Thomas Haak, Chefarzt der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim. "Der Patient merkt erst sehr spät anhand von Müdigkeit, Leistungsknick und Wassereinlagerungen, dass die Niere nicht mehr funktioniert." Daher sei es wichtig, mindestens einmal pro Jahr die Niere auf Frühzeichen eines Nierenschadens zu untersuchen. Im Rahmen des Gesundheits-Check-ups der Krankenkassen wird dies ab dem 36. Lebensjahr empfohlen.

Ab einem Alter von 45 Jahren nimmt die Nierenfunktion auch bei gesunden Menschen kontinuierlich ab. "Mit 85 Jahren hat jeder nur noch eine rund 70-prozentige Nierenleistung", erklärt Nierenarzt Galle.

Nierenfunktion wird durch Eiweiße im Urin gemessen

Ist die Niere krank, beginnt sie unpräzise zu arbeiten, erklärt Thomas Haak: "Sie lässt Substanzen wie Eiweiß in den Urin gelangen." Dies mache man sich in der Frühdiagnostik zunutze und messe einen Eiweißbaustein namens Albumin im Urin. "Wenn der Albuminwert im Urin wiederholt erhöht ist, gilt dies auch bei normaler Nierenfunktion als ein Frühzeichen der diabetischen Nierenschädigung", so Haak.

Wer seine Niere schützen will, sollte auf eine gesunde Lebensführung achten. "Das bedeutet: Nicht rauchen, nicht übergewichtig werden und für ausreichend Bewegung sorgen", sagt Jan Galle, der hofft, dass die Niere künftig mehr Aufmerksamkeit erhält. "Die Niere hat nicht so ein gutes Image", sagt der Nephrologe. "Sie produziert ja Urin und das ist irgendwie Pfui." Die Niere sei außerdem ein eher stilles Organ. "Sie tut einem einfach nicht weh. Jeder denkt an sein Herz, weil Herzinfarkte akut lebensbedrohlich sind".

Stand: 09.03.2017, 06:00