Wie die Überbevölkerung gebremst werden könnte

Weltbevölkerung, Kundgebung in Sao Paulo

Wie die Überbevölkerung gebremst werden könnte

Von Benjamin Esche

  • Weltbevölkerungstag am Dienstag (11.07.2017)
  • Weltbevölkerung wächst jede Minute um 157 Menschen
  • Warum Überbevölkerung zu Problemen führt
  • Was dagegen unternommen werden kann

Über 7,5 Milliarden Menschen leben aktuell auf der Erde. Und die Weltbevölkerung nimmt weiter rasant zu. "Seit vier Jahrzehnten wächst sie um etwa 80 Millionen pro Jahr", sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Im Jahr 2050 werden es laut Prognosen der Vereinten Nationen rund 9,8 Milliarden sein, im Jahr 2100 sogar 11,2 Milliarden.

Neugeborene in China

China setzte lange Zeit auf die Ein-Kind-Politik

Das große Bevölkerungswachstum bringt große Probleme. "Die Bevölkerung wächst gerade in den Ländern, die es sich am wenigsten erlauben können", erklärt Klingholz und ergänzt: "Das sind Länder in Westasien, im Nahen Osten und in Afrika." Dort sei die ausreichende Versorgung der Menschen mit Nahrung, sauberem Wasser, Infrastruktur und Arbeitsplätzen schon heute nicht gegeben. "Wenn unter diesen Bedingungen die Bevölkerung weiter wächst, steigt auch die Zahl der sozialen und politischen Konflikte."

Migration als Folge von Überbevölkerung

Auch Migration lässt sich als eine Folge von Überbevölkerung beschreiben. "Wenn die Menschen das Gefälle zu anderen Regionen registrieren, machen sich viele auf den Weg", erläutert Klingholz. Die Menschen wollten so ihre Perspektiven verbessern. Dort wo die Bevölkerung schneller wächst als die Infrastruktur und die Zahl der Jobs herrschen chaotische Zustände.

Afrikanische Kinder mit Kanistern warten auf Wasser an einem Brunnen

In vielen afrikanischen Ländern ist die Versorgung schlecht

Doch es gibt Möglichkeiten, das Bevölkerungswachstum zu reduzieren: "Man muss die Gesundheitsdienste verbessern, damit die Kindersterblichkeit sinkt", sagt Klingholz. "Das ist nötig, damit die Menschen dort merken, es überleben viel mehr Kinder, als sie dachten." Es dauere etwa zehn Jahre bis sie versuchten, die Familiengröße zu begrenzen.

Bildung - Schlüssel für die Zukunft

Außerdem sei Bildung wichtig, erklärt Klingholz. Zum einen, damit die jungen Menschen eine Chance im Leben haben. Zum anderen, weil in diesen Ländern Frauen, die zur Schule gegangen sind, deutlich weniger Kinder bekommen. "Bildung ist das wirksamste Verhütungsmittel."

Die dritte Ebene sind Jobs: "Wenn es gelingt, die junge Bevölkerung zu qualifizieren, braucht sie auch eine Beschäftigung", sagt Klingholz. Weil nur so wirtschaftliche Perspektiven für die Menschen und für das Land entstehen.

Afrika wächst besonders stark

Menschenmenge auf dem Fischmarkt in Sansibar, Tanzania

Südlich der Sahara wird sich die Bevölkerung verdoppeln

In Afrika südlich der Sahara wird sich die Bevölkerung nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung bis 2050 mehr als verdoppeln - auf 2,2 Milliarden Menschen. "Wenn es den Leuten schlecht geht, bedeuten Kinder eine Versicherung", sagt Klingholz. Afrika ist in der Entwicklung zeitlich hinterher.

So hohe Kinderzahlen, wie sie heute in Afrika üblich sind, habe es in Europa vor 300 Jahren auch gegeben, erklärt der Direktor des Berlin-Instituts. Durch bessere Bildung und mehr Möglichkeiten für Männer und Frauen konnten in Europa die Kinderzahlen gesenkt werden.

Weltbevölkerung könnte wieder abnehmen

Weil die weltweiten Geburtenraten nach Prognosen der Vereinten Nationen bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Kinder pro Frau sinken werden, könnte die Weltbevölkerung in gut 100 Jahren zumindest stagnieren. Sinkt die Geburtenrate weiter, dann rechnen Experten sogar mit einem Bevölkerungsrückgang.

Stand: 11.07.2017, 06:00