Service Mobil - Das alles dürfen Radfahrer

Ein Geschäftsmann fährt mit einem Koffer

Service Mobil - Das alles dürfen Radfahrer

Von Marcus Schwandner

Immer wieder gibt’s Ärger, wenn Fahrradfahrer sich anders verhalten als Autofahrer oder Fußgänger das erwarten. Dabei dürfen Radler rein rechtlich viele Dinge. Leonardo über Verkehrsregeln für Radfahrer.

Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht. Selbst Kinder müssen keinen Helm tragen – auch wenn Eltern sich das natürlich gut überlegen sollten. Rein rechtlich darf dem Radler ohne Helm kein Nachteil entstehen. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden, nachdem eine Versicherung den Schadensersatz für eine verunglückte Radfahrerin reduzieren wollte, weil die Frau ohne Helm unterwegs gewesen war. Das geht nicht, urteilte der Bundesgerichtshof: Voller Schadensersatz auch ohne Helm! Für Sportradler gelten etwas andere Regeln: Rennradfahrer und Mountainbiker als ‚besonders gefährdete Radgruppe’ kann eine höhere Mitschuld treffen, wenn sie ohne Helm unterwegs sind.

Musik im Ohr ist erlaubt

Radfahrer dürfen mit Kopfhörer fahren. Allerdings dürfen sie nach §23 StVO ihre Sicht und ihr Gehör nicht beeinträchtigen. Der Radler muss alles hören können, so hat das OLG Köln entschieden: Nicht der Ton macht die Musik, sondern die Lautstärke! Für Handys gilt dasselbe wie im Auto: Finger weg!

Einhändig fahren? Oder gar freihändig?

§23 Absatz 3 StVO verbietet freihändiges Fahren. Einhändig darf man aber radeln. Dennoch muss der Fahrer das Rad unter Kontrolle haben. Kommt es zu einem Unfall, kann dem Radfahrer unter Umständen eine Mitschuld gegeben werden.

Radfahren mit Hund an der Leine

Das ist ausdrücklich nach §23 Absatz 1 erlaubt! Allerdings darf man nur Hunde an die Leine nehmen, große und kleine. Alpakas und Ziegen sind wie alle anderen Tiere verboten. Empfehlenswert ist eine gefederte Halterung für die Leine, die am Rahmen montiert wird. Dadurch stürzt man nicht, wenn der Hund mal zieht, und man hat beide Hände am Lenker. Für den Vierbeiner wird ein Brustgeschirr empfohlen.

Reichlich Bier trinken

Gerichte sind sich sicher, dass ein Radfahrer mit 1,6 Promille nicht mehr fahren kann. Hat man mehr getankt und wird erwischt, gibt es zwei Punkte in Flensburg, eine Geldstrafe und man muss die MPU, die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung machen. Besteht man sie nicht oder nimmt man gar nicht teil, ist der Führerschein weg! Manchem Radfahrer wurde sogar zusätzlich auch noch das Radfahren verboten. Die Versicherungen sind strenger: verursacht man einen Unfall, nehmen Versicherungen einen schon ab 0,3 Promille in Regress.

Schön weit Abstand halten

Auch Radfahrer müssen rechts fahren. Wie groß der Abstand nach rechts sein sollte, dazu gibt es einige Anhaltspunkte, aber keine eindeutige Regel: - zum Gehweg neben der Straße sollte man max. 80 cm Abstand halten; - bei Dunkelheit sollte der Abstand vom rechten Fahrbahnrand auf einer stark befahrenden Straße nicht mehr als 1 m sein; - zu parkenden Fahrzeugen sollte man eine Türbreite Abstand halten, also zwischen 80 und 150 cm. Radfahrer müssen nicht näher an den Rand fahren, um hinter ihnen fahrende Autos vorbei zu lassen. Autos haben keinen automatischen Vorrang!

Neben einem freien Parkstreifen auf der Straße fahren

Auch das ist erlaubt. Radfahrer müssen nicht in freie Parkstreifen einscheren. Wenn man das macht, dann freuen sich vielleicht Autofahrer, die jetzt zügig vorbei können. Aber wenn der Radler vor dem nächsten besetzten Parkplatz wieder auf die Straße fährt, muss er sich einfügen und die Vorfahrt achten. Vieles spricht also dafür, keine Schlangenlinien zu fahren, sondern deutlich sichtbar geradeaus auf der Fahrbahn.

Neben dem Radweg fahren

Radwege müssen nicht genutzt werden, es sei denn, sie sind mit einem runden Schild, das ein weißes Rad auf blauem Grund zeigt, entsprechend gekennzeichnet. Die Schilder sollten aber auch nur da stehen, wo die Nutzung der Fahrbahn mit einer besonderen Gefahrenlage verbunden wäre. In vielen Kommunen stehen noch viele, sehr umstrittene blaue Radwegschilder. Ist der Weg nicht so beschildert, kann man ihn benutzen - muss aber nicht.

Schlechte Radwege

Auch einen korrekt gekennzeichneten Radweg muss man nicht immer benutzen. Ist der Radweg zugeparkt, mit Scherben überhäuft, voller Schnee oder zugefrorener Pfützen, dann dürfen Radfahrer auf die Straße ausweichen. Ist der Radweg an der nächsten Ecke wieder frei, müssen Radler auch wieder hochfahren. Auch Verbände von mehr als 16 Rädern müssen selbst gekennzeichnete Radwege nicht benutzen, sondern dürfen zu zweit nebeneinander auf der Straße fahren.

Kinder auf dem Fußweg

Kinder, die unter neun Jahre alt sind, müssen den Gehweg benutzen. Bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen sie auf dem Gehweg fahren. Erst Elfjährige müssen auf jeden Fall auf dem Radweg bzw. auf der Straße fahren.

Rechts am Stau vorbeifahren

Nach §5 Absatz 8 StVO dürfen Radfahrer mit mäßiger Geschwindigkeit rechts an Kolonnen vorbeifahren. Aber nur, wenn genug Platz ist.

Ohne Licht

Alle Fahrradlampen müssen zugelassen sein, also ein amtliches Prüfzeichen zeigen. Man darf dynamobetriebene, akkubetriebene oder batteriebetriebene Scheinwerfer und Leuchten haben. Alle müssen am Rad angebracht und ständig betriebsfertig sein. Auch abnehmbare Scheinwerfer und Leuchten sind zulässig. Bei Sporträdern, die nicht mehr als 11 kg wiegen, muss man die Leuchtmittel immer dabeihaben, sie müssen aber nicht angesteckt sein.

Gegen die Einbahnstraße radeln

Ist in Ordnung, aber nur dann, wenn es ausdrücklich durch die Beschilderung erlaubt wird. Fährt man verbotenerweise gegen die Einbahnstraße, kostet das zwischen 20 und 35 Euro.

Stand: 23.02.2016, 13:28