Haut und Pflege - Alles, was ihr wissen wollt!

Augenfalten, Auge

Haut und Pflege - Alles, was ihr wissen wollt!

Von Sarah Ziegler

Wie viel Pflege braucht die Haut? Gewöhnt sich unsere Haut daran und ist zuviel Pflege womöglich ungesund? Was nützen Anti-Falten-Cremes? Antworten auf diese und weitere Fragen, die Sie uns gestellt haben.

Sonne, Schweiß, heißes Duschwasser, Heizungsluft, Autoabgase – unsere äußere Schutzhülle kriegt so einiges ab. Sie regelmäßig zu reinigen und zu pflegen ist daher wichtig. Das gelte auch für klinisch gesunde Haut, meint Prof. Ulrike Blume-Peytavi. Sie ist leitende Oberärztin an der Klinik für Dermatologie der Berliner Charité. "Wichtig ist nur, dass Sie die richtige Creme verwenden, dann können Sie eigentlich nicht viel falsch machen. Darum ist es durchaus sinnvoll, mal mit Experten abzuklären, welchen Hauttyp man hat und welche Bedürfnisse damit einhergehen."

Wer im Gesicht beispielsweise eher trockene Haut hat, benötigt eine reichhaltige Feuchtigkeitscreme. Bei fettiger Haut sollte man sehr ölhaltige Cremes meiden – aber trotzdem nicht auf Feuchtigkeit verzichten. "Wenn Haut müde aussieht und ein bisschen schlaff, dann heißt das nicht unbedingt, dass die Haut schon sichtbar altert. Oft fehlt ihr einfach nur Feuchtigkeit. Auch zarte oberflächliche Fältchen sind meistens erst mal nur ein Zeichen für Trockenheit."

Nicht übertreiben

Zwei- bis dreimal die Woche solle man auch den Körper eincremen, meint Dermatologin Ulrike Blume-Peytavi. Dann sei die normale Haut gut gepflegt. Aber wer täglich duscht, kann auch täglich cremen, denn heißes Wasser und Duschgel können der Haut Feuchtigkeit entziehen. Doch ob Körper oder Gesicht – es ist nicht nötig, gleich große Mengen aufzutragen, erklärt Blume-Peytavi. "Viel hilft viel ist die falsche Devise. Letzten Endes ist es wichtig, dass man nach dem Auftragen einer Creme ein gutes Hautgefühl hat. Wenn es sich so anfühlt, als würden Sie eine dicke Schicht auf der Haut tragen, die sich nur langsam einmassieren lässt, dann war es wohl zu viel."

Wird die Haut faul?

Zuviel Creme auf einmal ist also nicht gut für die Haut. Aber auch wenn wir in Maßen zum Beispiel immer nach dem Duschen cremen - gewöhnt sich die Haut nicht auf Dauer daran und verlernt, selber genug Feuchtigkeit zu produzieren? Die Antwort darauf ist umstritten, die einen Experten sagen so, die anderen so. Auch die Studienlage dazu ist eher klein – und Tests wurden meist nur bei einer kleinen Zahl an Testpersonen gemacht. Forscher der Universität Kopenhagen zum Beispiel meinen, dass die Schutzbarriere der Haut leidet, wenn man über einen langen Zeitraum ständig cremt – und, dass die Haut sogar mehr Wasser aus dem Körper verliert, möglicherweise weil die Hornschicht durch die Feuchtigkeitscreme aufquillt und mehr Wasser nach außen durchlässt. Doch geklärt ist dieses Thema noch nicht. Auch hier gilt es, selber darauf zu achten, wie sich die eigene Haut anfühlt und reagiert.

Sonnenschutz, Sonnenschutz, Sonnenschutz!

Cremes hin oder her – dass die Haut altert, ist genetisch vorprogrammiert. Die Unterhaut verliert Fett, sodass die Haut schlaffer wird. In der Lederhaut, der mittleren Hautschicht, werden Elastin und Kollagen abgebaut, die eigentlich für feste und straffe Haut sorgen. Das können wir nicht ganz verhindern. Was wir aber entscheidend beeinflussen können, sind die Umweltfaktoren, die die Hautalterung beschleunigen. Nikotin schädigt die Haut, Stress, Alkohol und bestimmte Medikamente können ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Aber vor allem die schädliche UV-Strahlung der Sonne lässt uns schnell alt aussehen. "Das Altern beginnt letztendlich mit dem ersten Tag, an dem wir uns der Sonne aussetzen." meint Ärztin Ulrike Blume-Peytavi.

Ein Lichtschutzfaktor ist darum nicht nur bei der Sonnencreme für den Strandurlaub wichtig, sondern auch bei der Alltags-Tagescreme. Unsere Eincreme-Routine sollten wir ebenfalls noch mal überprüfen. Aus ihrer Praxiserfahrung weiß Ulrike Blume-Peytavi: "Handrücken werden gerne vergessen. An ihnen erkennen wir das Alter unserer Patienten meistens sehr gut."

Gegen Falten ancremen?

Hautmaske und -reinigung, Kosmetiksalon

Viel Pflege - schönere Haut?

Viele greifen zur Anti-Falten-Creme, sobald sich die ersten Linien auf dem Gesicht zeigen. Doch an diesen Cremes scheiden sich die Geister. Ende 2015 testete die Stiftung Warentest neun solcher Cremes, die innerhalb von spätestens vier Wochen sichtbare Ergebnisse versprachen. Wochenlang schmierten sich Testerinnen eine der Anti-Falten-Formeln auf eine Gesichtshälfte, die andere wurde mit einer guten Feuchtigkeitscreme bearbeitet. Alle Cremes – von sehr günstig bis sehr teuer – fielen mit der Note mangelhaft durch. Experten konnten auf Vorher-Nachher-Aufnahmen keinen Unterschied erkennen, weder bei kleinen Fältchen noch bei tieferen Falten.

Im Creme-Dschungel

Andere Studien haben einigen Inhaltsstoffen in Anti-Falten-Cremes Wirksamkeit gegen leichte Fältchen nachgewiesen – wenn auch nicht auf jeder Haut und auch nicht nach nur wenigen Wochen. Dass tiefe Furchen im Gesicht sich noch wegcremen lassen, ist eher Wunschdenken. Die Menge an verschiedenen Produkten und hochgelobten Wirkstoffen in den Drogerie-Regalen aber bleibt für die meisten Männer und Frauen ein Dschungel. Auch hier kann ein Termin bei Experten helfen – denn jede Haut ist anders. Die Amerikanische Akademie für Dermatologen aber bringt es auf den Punkt: Anti-Falten-Pflege oder Vorbeugung sollte vor allem mit zwei Produkten beginnen: Sonnenschutz und Feuchtigkeitscreme.

Kosmetikschrank regelmäßig aufräumen

Wenn Sie nun das Bedürfnis haben, mal all die Tiegel, Tuben und Töpfchen in Ihrem Kosmetikschrank zu überprüfen – hier noch ein Tipp. Immer wieder fragen sich Verbraucher, wie lange sie Augencremes oder Reinigungsmilch aufbewahren können und ob die Sonnencreme vom Vorjahr wohl noch etwas taugt. Ein Blick aufs Kleingedruckte kann helfen. Auf vielen Produkten ist ein kleines, symbolisches Cremetöpfchen aufgedruckt. Darin steht dann zum Beispiel die Angabe 12M oder 24M für 12 bzw. 24 Monate – so lange kann man die Kosmetik nach dem Öffnen bei normalem Raumklima aufbewahren.  Auch sonst schadet ein Blick auf die Rückseite der Cremetube nicht. Wer genau weiß, was er sich aufs Gesicht schmiert, kann beobachten, wie einzelne Inhaltsstoffe auf der eigenen Haut wirken – oder sie gar irritieren.

Wir haben Sie gefragt, was Sie über die Haut wissen möchten. Die Ergebnisse gibt es jetzt in unserer Serie "Die Haut - Alles, was ihr wissen wollt!" Im Radio, im Fernsehen und Online können Sie die Antworten zu den originellsten und am häufigsten gestellten Fragen hören, sehen und lesen.

Stand: 08.09.2016, 06:00