Alles, was ihr wissen wollt - Bauchgefühl

Bauchnabel

Alles, was ihr wissen wollt - Bauchgefühl

Bauchgefühl - das bedeutet zweierlei: die Intuition, die uns Entscheidungen "aus dem Bauch heraus" treffen lässt oder ein wirkliches Spüren in der Bauchgegend. Wissenschaftler haben beide Bauchgefühle erforscht.

Professor Dr. Andreas Glöckner

Andreas Glöckner forscht, wie Menschen entscheiden

Wir treffen täglich Entscheidungen: Was esse ich zu Mittag? Kann ich dem neuen Kollegen trauen? Fahre ich heute besser mit dem Rad oder dem Auto zur Arbeit? Viele Entscheidungen sind trivial, andere entscheiden über unsere Zukunft, zum Beispiel der Kauf eines Hauses oder ob wir heiraten. "Gutes Entscheiden wird dabei durch ein effizientes Zusammenspiel intuitiver und bewusster Prozesse ermöglicht", sagt Professor Andreas Glöckner, der das Lehrgebiet "Allgemeine Psychologie: Urteilen, Entscheiden, Handeln" am Institut für Psychologie der Fernuniversität in Hagen leitet.

Entscheiden, ohne genau zu wissen warum

Unter Intuition versteht der Psychologe das Gefühl, "sich in eine bestimmte Richtung entscheiden zu müssen, ohne genau zu wissen warum". Dabei greifen wir bei Entscheidungen auf Informationen zurück, die bereits ins Gedächtnis eingespeist sind und kombinieren diese mit den aktuell wahrgenommenen Informationen. Mögliche Interpretationen für die Gesamtheit dieser Informationen werden blitzschnell und weitgehend automatisch gegeneinander abgewogen - bis sich ein stimmiges Gefühl für die richtige Entscheidung ergibt: das Bauchgefühl. Das Gedächtnis läuft dabei auf Hochtouren und aktiviert diese Informationen innerhalb von Sekunden. Die unbewusste Intuition informiert gewissermaßen das Bewusstsein. So kommen Menschen schnell zu einer Entscheidung.

Das Netzwerk Gedächtnis

"In unserem Gehirn sind Informationen wie in einem Netzwerk miteinander verbunden", macht Glöckner deutlich. Dahinter stecken Muster und Zusammenhänge, die bei Entscheidungen aktiviert werden. Wir erkennen Bekanntes, haben es bereits erlebt und im Gedächtnis abgelegt. "Was der Mensch macht: Er fügt die Informationen zusammen, dass sie für ihn stimmig sind. Wir streben unbewusst nach einem Maximum an Kohärenz." Kohärenz bedeutet in diesem Kontext "zusammenhängend" im Sinne von "logisch, schlüssig".

Anatomie der Gefühle

Abbildung diverser Gefühle als Farbe

Wo spüren wir Emotionen?

"Ich habe einen Kloß im Hals", "Ich habe eine Mordswut im Bauch" oder "Mir bricht das Herz vor Liebeskummer" - diese Metaphern kennen wir schon lange. Finnische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Emotionen tatsächlich in bestimmten Körperteilen spürbar sind. Die Forscher haben eine Körperkarte für Gefühle erstellt. Danach spüren wir zum Beispiel Traurigkeit im Hals, Stolz in der Brust, Scham und Neid im Kopf. Wut-, Freude-, Sorge-, Angst- und Ekelgefühle machen sich im Bauchraum breit. Depression und Traurigkeit machen Arme und Beine schlapp. Die Liebe ist das stärkste Gefühl - bis auf Beine und Arme "glüht" der ganze Körper.

Ablauf der finnischen Studie

Das Experiment zur "Anatomie der Gefühle" haben Forscher der finnischen Aalto University im Jahr 2013 in Esbo mit 700 Testpersonen aus Finnland, Schweden und Taiwan durchgeführt. Die Emotionsforscher zeigten den Probanden Wörter, Geschichten, Gesichter oder Filme, die bestimmte Gefühle wecken. Die Teilnehmer haben dann Orte und Intensität ihrer Gefühle auf Silhouetten am Computer eingetragen. Die Art der Empfindungen drückten sie durch Farben aus.

Dieses Kribbeln im Bauch

Bauchnabel mit Stoff-Schnetterlingen geschmückt

Verliebte spüren Schmetterlinge

Die eigene Wahrnehmung der Gefühle entspreche den Körperfunktionen, schreiben die Forscher. Bei den meisten Basis-Emotionen gelte der Oberkörper als besonders aktiv, weil sich Atmung und Herzschlag verändern. Bei Stress gelangen viele chemischen Botenstoffe, wie das Hormon Adrenalin, in die Blutbahn und wirken auf Herz, Gefäße, Magen und Darm. Adrenalin verengt kleine Arterien, so dass sich der Blutdruck erhöht.
Die Schmetterlinge im Bauch verliebter Menschen starten "ihren Flug" im Gehirn. Hier werden eine Vielzahl von Glückshormonen freigesetzt, die sich über die Blutbahn im Körper verteilen und so auch das berühmte Kribbeln im Bauch auslösen.

Wir haben Sie gefragt, was Sie über den Bauch wissen möchten. Die Ergebnisse gibt es jetzt in unserer Serie "Der Bauch - Alles, was ihr wissen wollt!" Im Radio, im Fernsehen und Online können Sie die Antworten zu den originellsten und am häufigsten gestellten Fragen hören, sehen und lesen.

Stand: 23.09.2016, 00:05