Zahl der fettleibigen Kinder hat sich verzehnfacht

Kinder in einer Mensa beim Essen

Zahl der fettleibigen Kinder hat sich verzehnfacht

Von Susanne Schnabel

  • Neue Studie zum Welt-Adipositas-Tag am Mittwoch (11.10.2017)
  • 124 Millionen Kinder und Jugendliche sind fettleibig
  • Zahl hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten weltweit mehr als verzehnfacht
  • Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm

Während 1975 weltweit etwa elf Millionen 5- bis 19-Jährige fettleibig waren, waren es 2016 schon 124 Millionen, berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Imperial College London anlässlich des Welt-Adipositas-Tages (11.10.2017). Für ihre Studie haben die Forscher Gewicht und Größe von fast 31,5 Millionen Menschen zwischen fünf und 19 Jahren analysiert.

Mehr Jungen als Mädchen fettleibig

Wegen des weltweiten Bevölkerungswachstums hat zwar die Zahl der Kinder generell deutlich zugenommen - aber auch prozentual ist die Veränderung deutlich: Vor 40 Jahren galt eines von hundert Kindern weltweit als fettleibig. Inzwischen sind sechs von hundert Mädchen und acht von hundert Jungs mit deutlichem Übergewicht unterwegs.

Übergewicht und Fettleibigkeit hängen gerade bei Kindern stark von Alter, Geschlecht und Weltregion ab. Den höchsten Anteil von Fettleibigen fanden die Forscher unter jungen Menschen in der Südsee und in wohlhabenden angelsächsischen Ländern, darunter in den USA und Australien.

Wenig Bewegung und viel Werbung für Ungesundes

Junge beim turnen

Der Kampf gegen die Pfunde

"Eine erschütternde Veränderungsrate", sagt Fiona Bull von der WHO in Genf. Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel, weniger Bewegung - diese Faktoren hätten zu dem Trend beigetragen. Alle Länder müssten dringend etwas tun: Zum Beispiel müssten sie besser über gesunde Ernährung aufklären, in Schulkantinen gesünderes Essen anbieten und mehr Sportmöglichkeiten für Kinder schaffen.

Folgen der Fettleibigkeit seien ein höheres Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle, bei Kindern zudem auch Mobbing in der Schule und Ausgrenzung im Jugendalter, so Bull. Die Kosten für Interventionsprogramme seien deutlich niedriger als die der Behandlung von Problemen durch Übergewicht.

Grafik: Die Zahl extrem dicker Kinder und Jugendlicher hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als verzehnfacht.

WHO-Studie

Fettleibigkeit als nationales Problem

Für Deutschland wurde ein Anteil von knapp drei Prozent fettleibiger Kinder im Jahr 1975 erfasst, im vergangenen Jahr waren etwa sieben Prozent der Mädchen und elf Prozent der Jungen betroffen. Die Erfassung bei den Schuleingangs-Untersuchungen zeigt, dass die Zahl zu dicker Erstklässler leicht zurückgeht.

Übergewichtiger Junge am Stand

Elf Prozent der deutschen Jungen sind zu dick

Aber: "Besonders beunruhigend ist der zunehmende Schweregrad des Übergewichts", sagt Matthias Blüher, Präsident der deutschen Adipositas Gesellschaft. Er verweist auf den Anfang des Jahres vorgestellten Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der mit der Schlagzeile vorgestellt wurde: 'So dick war Deutschland noch nie!'

Welt-Adipositas-Tag

Zu viel auf der Waage

"Übergewicht und Adipositas werden immer noch verharmlost; die Gesundheitspolitik muss endlich anerkennen, dass die Adipositas eine chronische Krankheit ist und Betroffene ein Recht auf kassenfinanzierte Versorgung als Regelleistung haben", so der Leipziger Adipositas-Experte.

Adipositas stammt aus dem Lateinischen ab: "adeps" = Fett. Umgangssprachlich spricht man bei diesem extremen Übergewicht auch von Fettleibigkeit. Diese beginnt bei einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30. Dabei werden drei voneinander abgegrenzte Schweregrade unterschieden. Der schwerste ist der mit einem BMI von über 40. Ideal ist ein BMI zwischen 19 und 25. Übergewichtig ist man einem BMI zwischen 25 und 30.

Der BMI ist definiert als das Verhältnis des Körpergewichts in Kilogramm zum Quadrat der Körpergröße in Metern. BMI=Gewicht (kg)/Größe (m2). Ein Beispiel. Eine 40-Jährige Frau, die 1,70 Meter groß ist und 90 Kilo wiegt, ist mit einem BMI von 34,6 adipös.

Allerdings ist der BMI nur bedingt aussagekräftig. Als seine größte Schwäche gilt: Er leitet sich nur aus Gewicht und Größe ab und berücksichtigt nicht den Anteil der Muskelmasse und Fettverteilung im Körper. Wer wie Sportler viele Muskeln hat, wird daher schnell als übergewichtig eingestuft. Inzwischen weiß man, dass vor allem das Fett im Bauchraum gefährlich ist.

Stand: 11.10.2017, 06:00