Wann Übergewicht wirklich gefährlich wird

Eine Person steht auf einer Waage

Wann Übergewicht wirklich gefährlich wird

Von Mathias Tertilt

  • Jeder Dritte Mensch ist derzeit übergewichtig.
  • Je eher jemand übergewichtig wird, umso schädlicher.
  • Bauchfett ist besonders gefährlich.

Ein Drittel aller Menschen ist laut einer neuen Studie mindestens übergewichtig oder sogar fettleibig. Für die Forscher ist es eines der größten Gesundheitsprobleme. Andere Studien haben ergeben, dass leicht Übergewichtige länger leben. Ab wann wird Übergewicht also gefährlich?

Ab wann gilt jemand als übergewichtig?

Ab einem Body Mass Index (BMI) von 25 gelten Menschen als übergewichtig. Bei einem Wert von mehr als 30 gilt ein Mensch als fettleibig (adipös). Der BMI berechnet sich als Verhältnis von Körpergewicht (in Kilogramm) zu Körpergröße (in Metern) im Quadrat.

Die Methode ist sehr simpel – so lassen sich schnell und einfach Daten sammeln. Da die kurze Formel aber auch stark vereinfacht,  steht der BMI steht als Maß für die Gesundheit seit Jahren in der Kritik. Beispielsweise haben trainierte Kraftsportler oft einen BMI, mit dem sie als übergewichtig gelten.

Viel genauer und sinnvoller ist daher, den Anteil des Körperfetts zu messen ebenso wie dessen Verteilung. Vor allem das Bauchfett ist gesundheitlich relevant. Eine Alternative ist etwa der Taille-Hüfte-Quotient. Frauen mit Werten von mehr als 0,85 und Männer mit Werten von mehr als 1,00 gelten als übergewichtig.

Sind normalgewichtige Menschen immer gesünder als dicke?

Fettleibigkeit

Laut einer Studie von 2013 haben Menschen mit leichtem Übergewicht sogar eine um sechs Prozent geringere Gesamtsterblichkeit als normalgewichtige Menschen. Das ist jedoch keineswegs ein Freifahrtschein für schlechte Ernährung und wenig Bewegung.

"Mittlerweile ist Übergewicht bei uns im Alter ein Normalzustand, aber es wird immer mehr“, sagt Helmut Heseker, Ernährungswissenschaftler der Universität Paderborn. Die Zahl der stark fettleibigen Menschen hat sich in den letzten Jahren sogar verdoppelt. "Die Dicken werden noch dicker“, sagt Heseker. Damit steigen auch die gesundheitlichen Risiken für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes weiter an.

Ab wann wird Übergewicht gefährlich?

Wann Übergewicht gefährlich wird, hängt vor allem mit dem Alter zusammen. Je früher Menschen Übergewicht entwickeln, desto länger haben sie auch mit den Konsequenzen zu kämpfen. In einer aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Adipositas" schreiben Forscher, dass es in den meisten Fällen scheitert, das Gewicht dauerhaft zu senken. Der Körper versucht, das Ursprungsgewicht wiederherzustellen. "Das zeigt, wie wichtig die Prävention ist“, sagt Heseker. 

Ein leichtes Übergewicht muss bis zum Rentenalter aber nicht zwangsläufig Probleme verursachen. "Das gilt aber nur, solange keine anderen Risikofaktoren wie Diabetes bekannt sind. Es gibt Leute, die haben einen BMI über 30, sind aber gesund. Das liegt vor allem daran, dass das Fett am Po sitzt oder woanders, aber nicht im Bauchraum“, so Heseker. Dieses Körperfett ist besonders stoffwechselaktiv.

Bei den meisten Personen hingegen steigen mit dem Übergewicht oder der Fettleibigkeit auch Blutdruck und Blutzuckerspiegel und damit das Diabetesrisiko. Das Sterblichkeitsrisiko liegt bei Fettleibigen um etwa 30 Prozent höher. "Wer mit 40 Jahren fettleibig ist, hat eine um fünf bis acht Jahre geringere Lebenserwartung“, sagt Heseke. Obwohl der BMI nur ein Anhaltspunkt sei, sollte Übergewicht daher nicht kleingeredet werden.

Stand: 14.06.2017, 06:00