Menschen werden deutlich älter - aber nicht überall

Die Hände einer alten Frau

Menschen werden deutlich älter - aber nicht überall

  • Lebenserwartung in Industrieländern steigt
  • Deutsche könnten bald im Durchschnitt 86 Jahre leben
  • USA immer stärker abgehängt

Die Daten aus 35 Industriestaaten haben Forscher vom Imperial College in London analysiert. Das Ergebnis: Die Lebenserwartung von Kindern in Industrienationen, die im Jahr 2030 zur Welt kommen, könnte auf über 90 Jahre steigen. Für Männer wird die Lebenserwartung in allen Ländern mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 85 Prozent ansteigen, für Frauen mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent. Basis der Untersuchung waren Geburts- und Sterbedaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie wurden mit statistischen Methoden, die Klimavorhersagen ähneln hochgerechnet.

Berechnet haben die britischen Forscher zudem die Lebenserwartung von Menschen, die 2030 65 Jahre alt sind. "In dieser Zeitspanne sehen wir den größten Zuwachs in der Lebenserwartung", betont Studienautor Majid Ezzati. 65-jährige Frauen können dann laut Studie durchschnittlich noch bis zu 24 Jahre leben.

Von Südkorea lernen heißt länger leben lernen

Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatten Experten es für unmöglich gehalten, dass die Lebenserwartung 90 Jahre übersteigt. Aber die Lebenserwartung steigt weiter - nur nicht überall gleich. Am stärksten steigt sie in Südkorea, dort werden Frauen im Jahr 2030 mit einer Wahrscheinlichkeit von 57 Prozent ein Lebensalter von 90 Jahren erreichen. Was macht Südkorea besonders gut? "Das Land ist weit vorne bei der Ernährung und in der Bildung. Außerdem nutzen sie neue medizinische Technologien besonders effizient", erklärt Studienautor Majid Ezzati.

Auch die Deutschen werden älter

Auch in Deutschland werden die Menschen älter. Aktuell liegt die Lebenserwartung von Männern hierzulande bei rund 78 Jahren. Bis 2030 wird sie der Studie zufolge auf fast 82 Jahre steigen. Deutsche Frauen werden im Jahr 2030 eine Lebenserwartung von knapp 86 Jahren haben - ein Anstieg um drei Jahre.

Sonderfall USA

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Gesund leben heißt oft lange leben

Die USA gehören zwar zu den reichsten Ländern der Welt, werden aber bei der Entwicklung der Lebenserwartung immer weiter abgehängt. Eine vergleichsweise hohe Säuglingssterblichkeit, eine hohe Mordquote und ein durchschnittlich hoher Body-Mass-Index tragen zu der Entwicklung bei, so die britischen Wissenschaftler. Zudem sind die USA das einzige in der Studie untersuchte Land ohne allgemeine Krankenversicherung.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Der Unterschied zwischen der Lebenserwartung von Männern und Frauen nimmt ab: "Früher waren es eher die Männer, die etwa rauchten und Alkohol tranken und ein risikovolleres Leben führten", begründet Ezzati diese Entwicklung. "Aber wenn Frauen wie Männer rauchen, dann sterben sie auch wie Männer!"

In Bildung investieren

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Studie praktische Folgen hat: "Wir sollten unsere Sozial- und Gesundheitssysteme daran anpassen", fordert Ezzati. Dazu könnte auch gehören, bisherige Regelungen bei der Rente zu überdenken. Zudem zeige sich nach Angaben der Autoren, wie wichtig es ist, in frühe Erziehung und Bildung zu investieren und auf gute Ernährung zu achten. Da könnten die unterschiedlichen Länder voneinander lernen.

Doch die Studie hat auch Grenzen. Unerwartete Ereignisse wie soziale Bewegungen, das Aufkommen neuer Technologien, aber auch Naturkatastrophen, Kriege oder andere Krisen können nicht in die Berechnung mit einbezogen werden.

Stand: 22.02.2017, 06:00