Dortmunder Wissenschaftler erforschen Gennetzwerk der Zellen

Der Wissenschaftler Patrick Nell

Dortmunder Wissenschaftler erforschen Gennetzwerk der Zellen

Von Christiane Tovar

Am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung beginnt ein vielbeachtetes Forschungsprojekt: Wissenschaftler wollen Stammzellen so programmieren, dass sie Menschen mit Leberkrankheiten helfen könnten.

Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung ist in einem schlichten Zweckbau im Dortmunder Süden untergebracht. Im Souterrain haben sich die Forscher des neuen Stammzellprojekts eingerichtet. Sie wollen dem Gen-Netzwerk der Leberzelle auf die Spur kommen. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium mit einer Million Euro gefördert und startet im Februar.

Aus China nach Dortmund

Patrick Nell am Computer

Patrick Nell zeigt erste Ergebnisse

Patrick Nell ist einer der Wissenschaftler, die die Gene der Leberzellen analysieren und auf Stammzellen übertragen wollen. Obwohl er erst 26 Jahre alt ist, hat der Molekularbiologe schon eine beachtliche Karriere hinter sich. Nach Stationen in den Niederlanden, Schottland und China ist er für das Forschungsprojekt ins Ruhrgebiet gezogen.

Obwohl die Stammzellforschung sehr theoretisch ist, haben die Molekularbiologen ein ganz konkretes Ziel vor Augen, erklärt Patrick Nell: "Wir wollen Stammzellen so programmieren, dass wir sie irgendwann einsetzen können, um Menschen mit Lebererkrankungen zu helfen."

Aus Hautzellen werden Leberzellen

Ausgangsbasis der Forschungen sind so genannte induzierte pluripotente Stammzellen. Im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen, die in Deutschland nicht gewonnen werden dürfen, sind diese künstlich programmierten Zellen fast unbegrenzt verfügbar. Sie können aus nahezu jeder menschlichen Zelle entwickelt werden. So kann zum Beispiel aus einer Hautzelle im Labor eine pluripotente Stammzelle werden. Möglich macht das ein Verfahren, mit dem die Forscher die ursprünglichen Informationen im Zellkern löschen können.

Wissenschaftler untersuchen Stammzellen im Labor

Routinierte Handgriffe hinter Glas

Aufgabe der Wissenschaftler in Dortmund ist es jetzt, die Zellen so neu zu programmieren, dass sie den menschlichen Leberzellen in ihrem genetischen Profil möglichst nahe kommen. Dazu müssen sie die genetischen Informationen der Leberzelle entschlüsseln und auf die Stammzelle übertragen. "Bislang gleichen die Stammzellen aus dem Labor den menschlichen Leberzellen zu maximal 68 Prozent", sagt der Leiter des Forschungsteams, Patricio Godoy.

Leberzellen sind begehrt

Dass sie dabei ausgerechnet Leberzellen nachbilden möchten hat ganz praktische Gründe erklärt Patrick Nell: "Bei uns sterben sehr viele Menschen an Lebererkrankungen, auch deshalb weil es zu wenig Spenderorgane gibt. Wenn es uns gelingen würde, Leberzellen künstlich herzustellen, könnte das einen ausschlaggebenden Beitrag für die Erforschung neuer Therapiemöglichkeiten bedeuten".

Ein weiterer Punkt: Im Moment werden Lebererkrankungen und Therapien in der Regel mit Hilfe von Tierversuchen erforscht. Hätten die Wissenschaftler Erfolg, wären die irgendwann überflüssig.

Die Chancen dafür stehen gut, sagt der junge Molekularbiologe: "In den letzten Jahren hat es enorme Fortschritte zum Beispiel hinsichtlich der gezielten Manipulation der Erbinformation gegeben. In Kombination mit den stetigen Fortschritten der Stammzellforschung dürfen wir einiges erwarten.“

Stand: 26.01.2017, 06:00