Spülschwamm: Auswaschen hilft nicht gegen Bakterien

Spülschwamm: Auswaschen hilft nicht gegen Bakterien

Von Ildiko Holderer

  • Spülschwämme sind ein idealer Lebensraum für Bakterien
  • Reinigen hilft laut Studie nicht
  • Potenzielle Krankmacher überleben

Unsere Küche beherbergt mehr Mikroorganismen als eine Toilette – das ist wissenschaftlich erwiesen. Fast immer mit dabei in der Liste der Bakterienschleudern sind die Spülschwämme, mit denen wir Töpfe reinigen oder den Esstisch abwischen.

Spülschwämme sind ein idealer Lebensraum für Bakterien aller Art: Sie sind feucht, liegen häufig in der eher warmen Küche herum und bieten den Bakterien durch Lebensmittelreste massig Nährstoffe. Außerdem haben die Bakterien durch die porige Struktur der Schwämme viel Platz, um sich zu vermehren.

Wie also den Bakterien auf den Leib rücken? Bislang standen Hausmittel wie das Reinigen mit heißem Wasser hoch im Kurs. Die bringen aber ein Problem mit sich, wie Forscher der Hochschule Furtwangen und der Justus-Liebig-Universität Gießen herausgefunden haben.

Die Methode

Das Besondere an dieser Studie: Das erste Mal wurden Spülschwämme mit mikrobiologischen Methoden untersucht. "Man weist Bakterien dabei anhand ihrer DNA oder RNA nach, im anderen Fall lässt man sie im Labor wachsen und leider wachsen nicht alle Bakterien so gerne im Labor", sagt Markus Egert, einer der Forscher der Studie. Mithilfe der Molekularbiologie konnten die Forscher also wesentlich genauer analysieren, welche Bakterien sich in unseren Spülschwämmen vermehren.

In gereinigten Schwämmen haben die Forscher ähnlich viele Bakterien gefunden wie in nicht gereinigten. Gereinigt heißt in diesem Fall, dass die Schwämme heiß ausgewaschen oder in der Mikrowelle erhitzt wurden. "Der Anteil von potenziell krankmachenden Bakterien war in den gereinigten Schwämmen sogar höher als in den anderen Schwämmen", sagt Mikrobiologe Markus Egert, einer der Forscher der Studie.

Durch die Reinigung der Schwämme könne sich die Bakterienanzahl zwar kurzfristig vermindern, allerdings vermuten die Forscher, dass vor allem die potenziellen Krankmacher überleben. Denn die sind meist resistenter sind als Bakterien, die keine Infektionen auslösen können.

"In den 14 Schwämmen haben wir insgesamt 362 Arten von Bakterien gefunden. Die Dichte der Bakterien lag teilweise bei 54 Milliarden Bakterien pro Kubikzentimeter Schwamm", so Egert. Eine Vielzahl an Arten also, dicht beieinander.

Weg mit dem Schwamm

Fünf der zehn am häufigsten gefundenen Bakterien hätten das Potenzial, Krankheiten auszulösen, darunter auch Bakterien der Gruppe Acinetobacter, die häufig resistent gegen Antibiotika sind. "Die Bakterien, die wir gefunden haben, sind prinzipiell nur für Menschen gefährlich, deren Immunsystem geschwächt ist, die beispielsweise krank oder schon älter sind", sagt Egert.

Er rät dazu, den Spülschwamm regelmäßig wegzuschmeißen – am besten wöchentlich.

Stand: 24.10.2017, 14:44