Die deutsche Sprache - wie es um sie steht

Hand hält Handy mit geöffnetem Messenger

Die deutsche Sprache - wie es um sie steht

  • Zweiter "Bericht zu Lage der deutschen Sprache" erschienen
  • Falsches Schreiben im Chat unbedenklich
  • Jugendliche variieren Sprache je nach Medium

Sätze wie "Jetzt ist Ruhe in der Hood" oder "Isch komm mir so vor ob isch wie ein Frau bin" machen den Forschern der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung keine Sorgen. Zum zweiten Mal haben sie seit 2013 ihren "Bericht zur Lage der deutschen Sprache" vorgelegt und dafür die Sprache von Jugendlichen, die Sprache im Internet, deutsche Dialekte und die Sprache von Migranten untersucht. Ein zentrales Ergebnis: "Noch nie gab es so viel Standard wie heute", sagt der Germanist und Mitautor des Berichts Jürgen Erich Schmidt, Professor an der Phillipps-Universität in Marburg.

Hier die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts im Überblick:

"Chillen", "abfucken", "guttenbergen" - Jugendsprache

Der Wortschatz spielt bei der Jugendsprache eine wichtige Rolle. Mit eigenen Wortkreationen setzen sich Jugendliche von den Erwachsenen ab. Oft gibt es dabei Anleihen aus dem Englischen - aber auch humorvolle Erfindungen wie "guttenbergen" für "abschreiben". Aber Achtung: Solche Beispiele sind sehr kurzlebig, so die Wissenschaftler. Insgesamt sei die Jugendsprache außerdem noch nicht ausreichend dokumentiert und keinesfalls einheitlich.

"Geh Hause" - Internetkommunikation

Die reduzierte Sprache in Chats und Messenger-Diensten sehen die Autoren des Berichts eher als Ergänzung und eigene Form im Spektrum des Schreibens. Korrektes Schreiben werde dadurch nicht ersetzt. Keine Belege fanden die Forscher dafür, dass das fehlerhafte Schreiben in diesen Medien die Schreibfähigkeiten von Schülern negativ beeinflusse. Schüler können demnach zwischen den unterschiedlichen Formen des Schreibens unterscheiden. Wirkliche Fehler entstünden im Online-Bereich oft durch Zeitdruck.

"Rischtisch" - Sprache von Migranten

Das sogenannte Kiezdeutsch oder Kontaktdeutsch besteht meist aus Elementen der gesprochenen Sprache, die Migranten bei deutschen Muttersprachlern gehört haben. Dadurch würden Wortveränderungen wie "isch" für "ich" oder "rischtisch" für "richtig" entstehen. Beim Kiezdeutsch werden die Elemente dann noch radikaler gemacht und häufiger verwendet. Präpositionen werden oft weggelassen. Jüngere Migranten unterscheiden jedoch offenbar, wo sie welche Sprache anwenden. So sprechen Kinder und Jugendliche etwa in der Schule korrekter - und lassen dort zum Beispiel Präpositionen nur selten weg.

"Moin, moin" - Deutsche Dialekte

Das Ansehen von einzelnen Dialekten kann sich je nach Zeitgeist in der Gesellschaft völlig wandeln. Besonders angesehen ist laut Bericht zurzeit das Norddeutsche. Sächsisch dagegen sei geradezu stigmatisiert. Dialekte wirklich beherrschen laut Bericht 57 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen in Deutschland. Insgesamt jedoch sinkt die Zahl der Menschen, die Dialekte beherrschen.

Stand: 21.09.2017, 11:30