Service Sachbuch - Lexikon der Phantominseln

Lexikon der Phantominseln

Service Sachbuch - Lexikon der Phantominseln

Von Anne Preger

Wie mogeln sich Inseln, die es gar nicht gibt, auf Karten? Ein unterhaltsames Sachbuch von Dirk Liesemer über die "Entdeckung" und Enttarnung von Phantominseln.

Informationen zum Buch

Lexikon der Phantominseln
Autor: Dirk Liesemer
mare Verlag, 2016, 160 Seiten
ISBN: 978-3-86648-236-4
24,00 Euro

Wenn Seefahrer von grünen Inseln mit Siedlungen berichten, die sie sogar betreten haben wollen - dann muss es diese Inseln noch lange nicht gegeben haben. Dafür findet der Autor Dirk Liesemer in seinem "Lexikon der Phantominseln" eindrucksvolle Beispiele, wie New South Greenland im antarktischen Meer.

Die Jagd nach einem Phantom

Der amerikanische Kapitän Benjamin Morell schreibt am 15. März 1823 in sein Logbuch: "Um halb vier nachmittags waren wir nahe am Land." Morell berichtet von schneebedeckten Bergen, die Küste "reich an Meeresvögeln aller Art", mit "3000 See-Elefanten sowie 150 Seehunden."

1912 gerät ein deutsches Schiff in der Region ins Packeis und drei deutsche Forscher machen sich auf, New South Greenland zu suchen: Mitten im antarktischen Winter bei minus 35 Grad ziehen sie mit Hundeschlitten über das Packeis. Bis auf acht Kilometer nähern sie sich der vermeintlichen Position der Insel. Doch die ist weit und breit nicht zu sehen, und das Meer ist mehr als 1200 Meter tief. Die Suche nach Crocker Land im Nordpolarmeer kostet 1914 sogar große Zehen, Hunde- und Menschenleben. Dirk Liesemers Fazit: "Oft ist die Widerlegung der Existenz einer Insel spannender, aber auch komplizierter und gefährlicher als deren Entdeckung."

Wie Phantominseln entstanden

Wo immer es sich anbietet, geht der Autor der Frage nach, wie Phantominseln überhaupt "entstehen" konnten. Viele schafften es nicht nur in Logbücher, sondern auch in historische Kartenwerke. Im Lexikon ergänzen dementsprechend neu gezeichnete Karten die Einträge zu den meisten Inseln.

Manche Inseln waren wahrscheinlich nur geröllbedeckte Eisberge. Andere existierten zwar, aber wohl ein paar hundert Seemeilen entfernt, weil Kapitäne ihre Position falsch bestimmt haben. Wieder andere waren in Wirklichkeit Halbinseln, wie zum Beispiel Korea oder Baja California.

In fernen Inseln manifestierten sich oft auch Sehnsüchte von Menschen - nach Paradiesen bewohnt von Amazonen in goldenen Rüstungen oder von frommen Katholiken.

Phantominseln im 21. Jahrhundert

Viele Einträge im Lexikon befassen sich mit Inseln aus früheren Epochen. Doch Autor Dirk Liesemer zeigt: Phantominseln gibt es auch noch im 21. Jahrhundert. Dafür ist Sandy Island ein prominentes Beispiel. Bis 2012 war sie sogar bei Google Earth eingezeichnet, bis sich ein australisches Forschungsschiff die betreffende Stelle im Pazifik genauer ansieht: "Die Wissenschaftler verfolgen auf einem Bildschirm, wie das Schiff durch die schwarzen Pixel fährt, die bei Google Earth angezeigt werden. Einige kichern, andere grinsen und wissen, sie haben eine Nichtexistenz bewiesen. Einer meint gar, dass sie die Welt verändert haben. Ein wenig jedenfalls. Eine Korrektur in den Karten."

Im 21. Jahrhundert entstehen sogar noch neue Phantominseln: Die bewohnte Insel soll angeblich 1884 entdeckt und danach nicht wieder gefunden worden sein. Ein Schweizer Feuilletonist hat Kantia 2004 nicht nur populär gemacht, sondern frei erfunden. Doch das ist selbst bei Wikipedia (Stand August 2016) immer noch nicht angekommen.

Fazit: Lesenswerte Lesehäppchen

Autor Dirk Liesemer tritt den Beweis an: Selbst über Orte, die es nie gegeben hat, lässt sich ein spannendes Sachbuch schreiben. 30 Phantominseln beschreibt der Autor auf 160 Seiten. Das ergibt 30 angenehme Lesehäppchen - besonders geeignet für alle, die mit Unterbrechungen lesen.

Stand: 02.09.2016, 08:56