Service Gesundheit - Skin picking

Eine junge Frau kratzt sich am Handgelenk

Piddeln, Kratzen wie im Wahn

Service Gesundheit - Skin picking

Knibbeln, Quetschen und Drücken bis es blutet. Manche Menschen können ihre Haut einfach nicht in Ruhe lassen. Das so genannte Skin Picking ist mehr ist als eine schlechte Angewohnheit. Es gilt als psychische Erkrankung.

Was ist "Skin Picking"?

"Skin Picking" bedeutet übersetzt "an der Haut zupfen". Ärzte sprechen auch von "Dermatillomanie" und "Acné excoriée". Diese kaum bekannte Impulskontrollstörung ist eine anerkannte psychische Erkrankung. Die Betroffenen quetschen, knibbeln und pulen manchmal stundenlang wie in Trance an ihrer Haut. Auf Dauer können aus den Verletzungen und Wunden Narben werden. Die Betroffenen leiden körperlich und psychisch unter diesem zwanghaften Verhalten. Meistens fängt der Leidensweg in früher Jugend an. Schätzungen zufolge sind ein bis fünf Prozent der Bevölkerung davon betroffen - vermutlich mehr Frauen als Männer.

Was sind die Ursachen?

Genaue Auslöser sind nicht bekannt. Aber die zwanghafte Knibbelsucht ist ein Ventil. Sie verschafft Erleichterung bei Stress, Angst, Überforderung, Trauer oder auch Wut. Meistens fängt das Hautzupfen schleichend an und wird dann immer stärker, ähnlich wie beim Fingerkauen. Häufig stecken hinter Skin Picking ungelöste emotionale Probleme. Manchmal geht es einher mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis. Häufig haben die Patienten extrem hohe Erwartungen an sich selbst.

Rückzug aus Scham

Viele Betroffene schämen sich und ziehen sich privat und im Beruf zurück. Damit bloß nichts auffliegt, sagen sie Verabredungen ab oder gehen nicht ins Schwimmbad. Sie überschminken ihre Verletzungen stundenlang, kommen deshalb zur spät zur Arbeit. Oder schwänzen den Unterricht, weil die Attacke so heftig war, dass die Spuren trotz Schminke noch zu sehen sind. Alle bekommen mal den Tipp: "Hör doch einfach auf mit dem Knibbeln". Aber genau das ist das Problem: Es geht nicht.

Wie sieht eine Behandlung aus?

"Skin-Picker" können versuchen, das zwanghafte Verhalten alleine in den Griff zu bekommen. Zum Beispiel indem sie die Hände mit QiGong-Kugeln beschäftigen oder stricken, wenn der Drang zum Knibbeln übermächtig wird. Doch das hilft eher selten. Zwar ist auch eine Therapie kein Erfolgsgarant, aber mit der Verhaltenstherapie werden gute Ergebnisse erzielt. Dort lernt man, die eigenen Stressfaktoren und Auslöser herauszufinden und anders damit umzugehen. Die Dauer der Therapie hängt vom Einzelfall ab. Unter Umständen können auch Selbsthilfegruppen helfen, die sich generell um Zwangsstörungen drehen.

Autorin des Radiobeitrags ist Lisa von Prondzinski.

Stand: 20.03.2017, 14:53