Bochumer Ärzte finden einzigartige Gen-Therapie

Hassan ist wieder vergnügt und munter

Bochumer Ärzte finden einzigartige Gen-Therapie

Von Stephanie Grimme

Hassan aus Münster war unheilbar krank. Die sogenannte Schmetterlingskrankheit ließ seine Haut immer dünner werden. Medizinern aus Bochum gelang nun eine Sensation: 80 Prozent seiner Haut wurden mithilfe einer Gen-Therapie erneuert.

Der unheilbar kranke Hassan wog mit seinen sieben Jahren nur noch 17 Kilo bei hohem Fieber. Als er im Juni 2015 auf der Kinderintensivstation des St. Josef-Hospitals in Bochum aufgenommen wurde, waren 60 Prozent seiner Haut von der so genannten Schmetterlingskrankheit befallen. Er war lebensbedrohlich krank.

Kleinste Berührungen führen zu Wunden

Ärzte bei der Hauttransplantation

Ärzte bei der Hauttransplantation

Bei der angeborenen Schmetterlingskrankheit wird die Haut extrem dünn. Schon bei kleinsten Berührungen reißt sie, es bilden sich Blasen, Wunden, die Haut löst sich auf und vernarbt. Auch innere Organe können betroffen sein. Die Krankheit gilt als unheilbar. Mediziner vom St. Josef-Hospital und dem Klinikum Bergmannsheil fanden heraus, dass ein italienischer Arzt die Krankheit mithilfe genetisch nachgebildeter Haut behandelt hatte. Allerdings bislang nur kleine Hautpartien.

Ein Wagnis mit Erfolg

Neue Haut

Neue Haut

Weil die Krankheit bei dem kleinen Hassan immer lebensbedrohlicher wurde, entschieden sich die Mediziner unter Zustimmung der Eltern zu einer experimentellen Therapie, also einer Behandlung, die es in dieser Form bisher noch nicht gegeben hatte. Dem Jungen wurden Hautzellen entnommen und nach Italien geschickt. Unter Leitung von Prof. Michele De Luca von der Universität Modena sind mithilfe von Genen gesunde Hautzellen hergestellt und vermehrt worden.

Diese nachgezüchtete Haut wurde bei dem Jungen transplantiert. 80 Prozent der Haut von Hassan wurde auf diese Weise erneuert. Heute, zwei Jahre nach dieser weltweit einzigartigen Operation, ist er gesund, geht wieder zur Schule und spielt Fußball.

Mediziner hoffen auf weitere Behandlungen

Es sei ein Wunder und ein Segen, dass es dem Jungen so gut gehe, sagen die Bochumer Mediziner. Hassan sei der erste Mensch, der so behandelt wurde. Das wird auch von anderen Wissenschaftlern bestätigt. Die sehr renommierte Fachzeitschrift "Nature" berichtet über diese neue Stammzellen-Therapie in ihrer neuesten Ausgabe.

Die Forscher sehen ihren Erfolg als Beweis, dass eine solche Gentherapie grundsätzlich möglich ist. Sie hoffen, dass das Verfahren in Zukunft auch zur Behandlung anderer Patienten eingesetzt werden kann.

Stand: 08.11.2017, 19:00