Schule - nein, danke?

Schule? Nein, danke.

Schule - nein, danke?

Von Ali Vahid Roodsari

  • Nicht alle schulpflichtigen Kinder in NRW gehen zur Schule
  • Homeschooler und Freilerner wollen individuell lernen
  • Schulpflicht duldet keine Ausnahmen
  • Andere Länder sind viel weniger streng

Die Ferien sind vorbei. Seit Mittwoch (30.08.2017) müssen 2,5 Millionen Kinder in NRW wieder zur Schule. Doch es gibt auch Kinder, die zu Hause bleiben. Mit Erlaubnis der Eltern und sehr zum Missfallen des Schulministeriums: Homeschooler und Freilerner.

Beim Homeschoolern findet der Unterricht daheim statt, unter Aufsicht der Eltern. Freilerner verfolgen dagegen die Philosophie, dass jedes Kind nur lernen sollte, was und wann es will. Freilerner berufen sich dabei auf das Selbstbestimmungsrecht der Kinder. Falls ihr Kind nicht zur Schule möchte, respektieren die Eltern diesen Wunsch.

In Deutschland verboten

Sowohl Homeschooling als auch Freilernen ist in Deutschland verboten. Hier gilt die Schulpflicht. Sie ist in den Ländergesetzen verankert. In NRW beispielsweise für Schüler ohne Berufsausbildung bis zum 18. Lebensjahr. Dennoch gibt es Menschen, die sich dem widersetzen.

Dem Schulministerium in NRW liegen keine Zahlen zu Freilernen vor. Die Kultusministerkonferenz schätzt etwa 500 bis 1.000 Homeschooler und Freilerner in Deutschland. Volker Ladenthin, Bildungspädagoge an der Uni Bonn, sieht einen Vorteil in der Individualisierung des Lernens: „Man bestimmt selber den Zeitpunkt und die Inhalte des Lernens. Das ist der alte Traum der Pädagogik, dass das Lernen auf das Individuum zugeschnitten ist."

Im schlimmsten Fall droht Zwangsbeschulung

Wenn Kinder der Schule fern bleiben, ist das kein Kavaliersdelikt. Aus dem NRW-Schulministerium heißt es, dass zunächst "pädagogische Maßnahmen" eingeleitet würden. Die Schule oder die Aufsichtsbehörde versuchten, die Familie vom Sinn und Zweck der Schulpflicht zu überzeugen. Sollte das nichts helfen, kann die Schule zu Ordnungsmaßnahmen greifen: Von Verwarnungen und Geldstrafen bis hin zur Zwangsbeschulung.

Schüler schreibt in ein Heft

In anderen westlichen Ländern ist das Strafmaß deutlich geringer. In manchen ist der Unterricht daheim sogar erlaubt. In Österreich beispielsweise prüft der Staat die Lernleistung am Ende des Schuljahres. Bei zu großen Defiziten muss das Kind zurück in die Schule. In den USA lernen sogar zwischen 1,5 und zwei Millionen Kinder daheim.

"Staat greift in die Freiheitsrechte ein"

Laut Schulministerium greift der "Staat zwar in die Freiheitsrechte der Schülerinnen und Schüler und die Erziehungsrechte der Eltern ein." Gleichzeitig heißt es: "Schule vermittelt soziale Kompetenzen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Wertermittlung in unserer demokratischen Gesellschaft."

Volker Ladenthin sieht das anders: "Auch in unserem Schulsystem sind extreme Ansichten bei Schülern nicht verhindert worden", sagt der Forscher. In einer demokratischen Gesellschaft hält er die Möglichkeit des Freilernens für richtig: "Weil wir vielfältige Talente und Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Ausrichtungen brauchen. Unser Schulsystem bietet nicht alle Möglichkeiten, so dass Freilernen eine sinnvolle Ergänzung ist."

Stand: 03.09.2017, 06:00