Ein globales Problem: Multi-resistente Keime

Ein globales Problem: Multi-resistente Keime

Von Christina Sartori

  • Thema auf dem G20-Gipfel
  • Reisende verbreiten multi-resistente Bakterien
  • Großes Problem in Krankenhäusern

In einer Studie aus den Niederlanden aus diesem Jahr zeigte sich: Von den mehr als 2.000 Teilnehmern kam jeder dritte nach einer internationalen Reise mit einem resistenten Darm-Keim zurück.

Vor allem Reisen nach Südostasien, zum Beispiel Indien, bergen ein deutlich erhöhtes Risiko. "Das ist nicht erstaunlich, denn dort gibt es viele multi-resistente Stämme und viele Reisende bekommen dort eine Darminfektion", erläutert Prof. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM, Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf.

Ein kräftiger Durchfall genügt

Aber auch in anderen Ländern kann man sich einen multi-resistenten Keim zuziehen. Und dazu muss man dort gar nicht im Krankenhaus behandelt worden sein.

Darmbakterien unter dem Mikroskop

Darmbakterien unter dem Mikroskop

"Es gibt ganz klar einen Zusammenhang zwischen Durchfall und der Besiedelung mit einem solchen Keim", weiß Tomas Jelinek. Denn nach einem Durchfall fehlen viele der üblichen Keime im Darm und es ist genügend Platz für den neuen Keim, um sich im Darm anzusiedeln.

Vorsicht mit dem Gebrauch von Antibiotika

Wer Antibiotika einnimmt, erhöht ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, sich unliebsame Darmbewohner einzufangen. Denn ähnlich wie ein kräftiger Durchfall schaffen auch Antibiotika Platz im Darm – schließlich  töten sie nicht nur krankmachende, sondern auch "gute" Bakterien im Körper. So bekommen unerwünschte Bakterien die Chance, sich z.B. im Darm anzusiedeln.

Wie gefährlich ist der Neuling?

Wer gesund ist, merkt im Normalfall gar nicht, dass in seinem Darm ein multi-resistentes Bakterium lebt. "Doch für kranke, frisch operierte, abwehrgeschwächte Menschen können solche Keime zu einem massiven Problem werden", sagt Jelinek. Denn bei ihnen können solche Keime Infektionen auslösen, die dann nur sehr schwer behandelbar sind. "Deshalb haben vor allem Krankenhäuser große Angst vor multi-resistenten Keimen."

Kontrollen im Krankenhaus

Weil multi-resistente Bakterien vor allem in Krankenhäusern viel Schaden anrichten können, testet man in den Niederlanden manche Patienten vor ihrer Aufnahme ins Krankenhaus auf solche Erreger. Patienten, die vor kurzem Antibiotika genommen haben oder aus einem Land mit hohem Resistenz-Risiko zurückgekommen sind, werden von anderen Patienten isoliert. Bis das Testergebnis bestätigt, dass sie keine multi-resistenten Erreger besitzen.

In Deutschland gibt es keine nationalen Vorschriften für solche Tests – zugespitzt kann man sagen: Jedes Krankenhaus entscheidet selber, ob und wie genau es testet.

Multi-resistente Keime wandern

Die meisten Keime werden über die Hände übertragen

Rat: Händewaschen hilft gegen Keime

Verbreitet werden multi-resistente Keime in der Regel von Mensch zu Mensch. "Die meisten werden über die Hände übertragen", betont Jelinek. Daher ist es während und nach einer Reise wichtig, sich häufig und gründlich die Hände zu waschen. Meistens sind die unerwünschten Bakterien sechs Monate nach der Reise schon wieder verschwunden, doch manchmal bleiben sie auch länger – als ständige Begleiter.

Stand: 07.07.2017, 12:18