So könnten Radfahrer besser geschützt werden

Radfahren und Sicherheit

So könnten Radfahrer besser geschützt werden

Von Benjamin Esche

  • Verkehrsunfälle für Radfahrer oft mit schweren Folgen
  • Radverkehr in Städten stark verbesserungswürdig
  • Experten fordern bessere Infrastruktur

Die Sicherheit des Radverkehrs ist Thema auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag, der von Mittwoch bis Freitag (25.01. - 27.01.2017) im niedersächsischen Goslar stattfindet. Dabei diskutieren Experten die typischen Ursachen von Unfällen mit Radfahrern im Straßenverkehr. "Die klassischen Abbiegeunfälle sind das Hauptproblem", erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), "also wenn ein abbiegendes Kraftfahrzeug mit einem geradeaus fahrenden Radfahrer zusammenstößt."

Häufig ältere Frauen in Unfälle verwickelt

Besonders Unfälle mit Lkw häufen sich, sagt der Unfallforscher. Dabei sind zwei Drittel der beteiligten Radfahrer nach einer Auswertung der GDV-Unfalldatenbank Frauen und 40 Prozent über 65 Jahre alt. Sie sind in der Regel langsam unterwegs. "Das sind also keine schnellen und rücksichtslosen Radfahrer", sagt Siegfried Brockmann. Schnelle und geübte Radfahrer sind nach Ansicht des Experten sogar eher versierter darin, in Gefahrensituationen die passende Reaktion zu zeigen.

Radfahren und Sicherheit

Radfahrer haben bei Unfällen oft den größten Schaden

Doch sind Radfahrer im Straßenverkehr immer nur Opfer? "Radfahrer sind bei Unfällen seltener Schuld und sie richten weniger Schaden an", sagt Burkhard Stork, Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und Referent auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag. 75 Prozent aller Radfahrunfälle mit Autos würden vom Autofahrer verursacht, heißt es vom ADFC mit Verweis auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Bei den Lkw seien es sogar 80 Prozent.

"Fahrrad-Infrastruktur miserabel"

Im Jahr 2013 wurden in Deutschland nach einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes 212 Radfahrer in Kollisionen mit Autofahrern, Lkw-Fahrern und Fußgängern getötet. In der gleichen Statistik seien es sechs Fußgänger gewesen, die in Kollisionen mit Fahrradfahrern getötet wurden. "Natürlich machen auch Radfahrer Fehler, aber sie sind weniger folgenschwer", so Stork.

In den Städten nimmt die Anzahl der Radfahrer zu. Und das Problem ist laut ADFC-Geschäftsführer Stork: "Die Fahrrad-Infrastruktur ist in ziemlich miserablem Zustand." Verkehrsplaner müssen also durchdachte Lösungen finden. Das sei gar nicht einfach, sagt Unfallforscher Brockmann.

Neue Lösungen für Radverkehrsnetze gefordert

Radfahren und Sicherheit

Für Radfahrer gibt es viele Unfallgefahren

"Wenn der Radweg nah an der Straße geführt wird und sich Rad- und Autofahrer an der Kreuzung sehen können, gibt es weniger Abbiegeunfälle", erläutert der Experte. Dafür gebe es dann mehr Unfälle auf der Strecke, weil die Radfahrer mit aus- und einparkenden Autos und öffnenden Autotüren konfrontiert würden. "Wie man es auch macht, kriegt man die eine Unfallart besser und die andere schlechter hin", folgert Brockmann.

Darum müssen neue Lösungen her, um eine bessere Radinfrastruktur zu schaffen, glauben die Experten. "Wir brauchen breitere Radverkehrsanlagen", sagt Unfallforscher Brockmann. ADFC-Geschäftsführer Stork will "durchgängige, gut gepflegte und verständliche Radverkehrsnetze, bei denen jeder weiß, wohin er gehört." Auch intelligentes Kreuzungsdesign, durch das Radfahrer im Sichtbereich des Autoverkehrs sind, sowie geeignete Ampelschaltungen würden die Sicherheit erhöhen.

Assistenzsysteme für Lkw sinnvoll

Auch Assistenzsysteme für Lkw könnten helfen, Abbiegeunfälle zu vermeiden. Diese würden die Fahrer vor dem Abbiegen vor einem Hindernis im toten Winkel warnen. Die Unfallforscher glauben, dass 60 Prozent aller schweren Lkw-Fahrrad-Unfälle dadurch verhindert werden könnten. "Das ist sinnvoll und ein wichtiger Baustein, um die Dinge zu verbessern", so Brockmann. Grundsätzlich seien Radfahrer verletzliche Verkehrsteilnehmer ohne Schutz. "Und letztlich geht es nicht ohne gegenseitige Rücksichtnahme", so der Unfallforscher.

Stand: 26.01.2017, 15:08