Krebsgefahr durch Palmöl in Lebensmitteln

Rohes Palmöl in Betonbecken in Indonesien

Krebsgefahr durch Palmöl in Lebensmitteln

Von Stefan Michel

Palmöl ist nicht nur wegen der Abholzung der Regenwälder umstritten - die EU hat es außerdem als krebserregend eingestuft. Dennoch wird es weiter in der Lebensmittelproduktion verwendet.

Schokoaufstrich und Kekse, Fritten und Tiefkühlpizza, Margarine und Eiscreme, Milchpulver und Baby-Brei - diese Produkte und noch viele andere enthalten häufig Palmöl. Es ist das billigste für Lebensmittel zugelassene Fett. Und es enthält die krankmachenden Substanzen Glycidol sowie 2- und 3-Monochlorpropandiol.

Für Babys "besorgniserregend"

Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa bezeichnet Glycidol als "genotoxisch und karzinogen", es könne also Mutationen auslösen und Krebs verursachen, schrieben die Experten aus Brüssel bereits im Mai 2016. Sie sehen wegen der Palmöl-Schadstoffe "Gesundheitsbedenken für die jüngeren Altersgruppen bei durchschnittlicher Exposition sowie für sämtliche Altersgruppen bei hoher Exposition". Die Aufnahme von Glycidol durch Säuglinge sei "besonders besorgniserregend", schreibt Efsa.

Wie andere industriell verarbeitete Pflanzenöle auch, wird Palmöl bis auf 240 Grad erhitzt. Das sei nötig, damit dem Öl "Geruchsstoffe und Beistoffe, die den Geschmack negativ beeinflussen würden, entzogen werden", erklärt Professor Alfonso Lampen vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Mann betrachtet Plastikflasche mit Öl

Palmöl-Begutachtung in Nigeria

Dabei entstehen Glycidol und Monochlorpropandiol, und zwar bei keinem erhitzten Öl in so hoher Konzentration wie beim Palmöl. In Tierversuchen hat das Glycidol Mutationen ausgelöst und, wenn es über lange Zeit aufgenommen wurde, Krebs verursacht, so Lampen. Bei kalt gepressten Ölen dagegen "haben Sie gar kein Problem damit."

Palmöl-Bann in Italien

In Italien haben die Gesundheits-Warnungen vor dem Palmöl ziemlich kräftig eingeschlagen. So hat der größte italienische Einzelhandelskonzern Coop Palmöl-haltige Lebensmittel aus seinen Eigenmarken verbannt. In Deutschland dagegen ist Glycidol bislang kaum ein öffentliches Thema.

Die Lebensmittelindustrie nehme die Warnungen von Efsa und BfR aber sehr wohl ernst, sagt Professor Lampen. Etliche Hersteller hätten "die Glycidol-Werte relativ deutlich nach unten gebracht." Dem Palmöl im Nachhinein Glycidol zu entziehen, sei aber "sehr, sehr aufwändig" – also eine Frage des Preises.

Bio nicht unbedingt besser

Andere Hersteller versuchen die Verbraucher zu beruhigen, indem sie Palmöl mit Nachhaltigkeits-Siegel oder Bio-Zertifikat verwenden. Der Gang in den Bioladen schützt jedoch nicht vor Glycidol. "Das ist keine Frage von Bio oder konventionell", erklärt Sabine Klein von der Verbraucherzentrale in Düsseldorf. "Aus gesundheitlicher Sicht ist man nicht grundsätzlich bei Bio auf der besseren Seite."

Aus ökologischer Sicht übrigens auch nicht, ergänzt Reinhard Behrend vom Verein 'Rettet den Regenwald'. "Für Biopalmöl wird natürlich auch Regenwald vernichtet, weil die Ölpalme nur in Gebieten wächst, wo früher der Regenwald stand."

Kaum Alternativen bei Milchpulver

Palmöl muss als Inhaltsstoff auf der Verpackung stehen. Viele Produkte gibt es auch ohne dieses Fett. Ausgerechnet bei Säuglingsnahrung sind die Alternativen aber dünn gesät. Alle großen, bekannten Hersteller des Muttermilch-Ersatzes verwenden Palmöl. Bei einer Ad-hoc-Suche in Drogeriemärkten fanden sich nur zwei palmölfreie Baby-Milchpulver auf Basis von Ziegen- oder Kuhmilch.

Stand: 12.12.2016, 10:49