Wie Noroviren Sportler schwächen

Montage mit einem Modell des Noro-Virus über dem Lononer Stadion

Wie Noroviren Sportler schwächen

Von Alexandra Hostert

  • Bei der Leichtatheltik-WM in London grassieren Noroviren
  • Mediziner fürchten das Virus, weil es hochansteckend ist
  • Es löst nicht nur Erbrechen und Durchfall aus, sondern kann auch die Muskeln schwächen

Beim deutschen Leichtathletik-Team läuft es bei den Weltmeisterschaften in London nicht gut - und ein Magen-Darm-Virus schwächt das deutsche Team zusätzlich. Insgesamt waren bisher 13 Sportler und Betreuer von der Erkrankung betroffen, am Donnerstagnachmittag (10.08.2017) standen noch zwei Teammitglieder unter Quarantäne. Für Mediziner ist es nicht verwunderlich, dass sich das Norovirus auf einer Sportveranstaltung verbreitet.

Viele Menschen, viel Körperkontakt - gut für Viren

"Viele Menschen, die viel Körperkontakt haben, das sind ideale Bedingungen für das Virus", sagt Prof. Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Noroviren verbreiten sich auf verschiedenen Wegen. Ein wichtiger ist die Übertragung von Mensch zu Mensch: Erkrankte können an den Händen winzige Spuren von Erbrochenem oder Kot weitertragen. Beim Händeschütteln, bei der Umarmung nach dem Sieg oder bei der Massage nach dem Training können sich Viren so auf Teammitglieder übertragen. Auch an Türgriffen, Handläufen oder Armaturen haften die Viren. Außerdem werden sie über Lebensmittel übertragen.

Umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen

In London soll ein umfangreicher Maßnahmenkatalog jetzt verhindern, dass sich das Virus weiter verbreitet. Betroffene Personen müssen für 48 Stunden isoliert werden. Der Deutsche Leichtathletik-Verband setzt außerdem darauf, Treffen und Körperkontakte im gesamten Team zu minimieren: Alle neu eintreffenden Athleten müssen in anderen Hotels untergebracht und von einem anderen Stab betreut werden. Sportler sollen sich nicht die Hand geben und sich nicht umarmen, Behandlungen bei Physiotherapeuten sind eingeschränkt, weil auch die Körperkontakt bedeuten.

Hygiene als einzige Chance

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren

Das Norovirus ist besonders stabil und kann Menschen leicht infiziren

Nach Ansicht von Virologe Prof. Ingo Drexler von der Universitätsklinik Düsseldorf sind solche Hygienemaßnahmen absolut notwendig: "Penibelste Hygiene ist die einzige Chance, die man gegen das Virus hat", so Drexler, "Noroviren sind sehr stabil und die Infektionsdosis gering. Deshalb kann man sich zum Beispiel nicht häufig genug die Hände waschen."

Schwere und leichte Verläufe

Wie schwer eine Erkrankung mit Noroviren verläuft, ist sehr unterschiedlich: Bei geschwächten Menschen verursacht das Virus starkes Erbrechen und Durchfall, oft auch Fieber. Bei gesunden Infizierten kann die Erkrankung eher leicht verlaufen. Manche Menschen müssen kaum übergeben und leiden auch nicht unter Durchfall. Deshalb ist es möglich, dass Sportler nach der Erkrankung schnell wieder Wettkämpfe bestreiten.

Fit nach Norovirus?

Doch selbst wenn sich Sportler wieder gesund fühlen, können sie trotzdem geschwächt sein, sagt Prof. Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln: "Wenn Sportler Flüssigkeit verloren haben, dann beeinflusst das auch die Elektrolyte in ihrem Körper, Stoffe wie Kalium und Magnesium. Diese Elektrolyte sind aber sehr wichtig für die Arbeit der Muskeln", so Predel. Er bewertet auch eine überstandene Erkrankung mit dem Norovirus als großes Handicap beim Kampf um Medallien. Die Leistungsdichte bei internationalen Wettkämpfen sei so groß, dass schon eine kleine Schwächung der Muskeln ein bedeutender Nachteil sei. 

Stand: 10.08.2017, 18:27