Neandertaler-Gene beeinflussen unser Leben

Nachbildung eines Neandertalers

Neandertaler-Gene beeinflussen unser Leben

  • Neandertaler-Gene beeinflussen den modernen Menschen
  • Auswirkung auf Stimmung, die Hautfarbe und das Schlafverhalten
  • Neue Studien vom Leipziger Max-Planck-Institut

Einige Jahrtausende lang lebten der moderne Mensch und der Neandertaler gemeinsam in Europa und Teilen Asiens. Es kam zu so manchen Liebschaften. Neue Studien zeigen, welche Eigenschaften uns diese Beziehungen hinterlassen haben. Viele von uns tragen bis zu 2,6 Prozent Neandertaler-Erbgut in sich.

Einfluss auf Krankheiten

Das genetische Erbe beeinflusse Risiken für zahlreiche Krankheiten – im Guten wie im Schlechten, sagt Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Schuld an Nikotinsucht?

Eine Hand mit einer Zigarette

Sind Neandertaler-Gene Schuld an Nikotinsucht?

Gemeinsam mit seinem Kollegen Kay Prüfer fand er einen Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel. "Eine gefundene Genvariante senkt den Cholesterinspiegel und schützt damit eher vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen", so Prüfer. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Neandertaler-Gene das Risiko für Depressionen beeinflussen, für Krankheiten des Immunsystems, von Haut oder Nerven. Ein Erbgut-Schnipsel des Neandertalers steigert sogar das Risiko für Nikotinabhängigkeit.

Studie zu äußerlichen Merkmalen

Nicht nur Krankheiten, auch grundlegende Eigenschaften des Menschen stehen bis heute unter dem Einfluss unserer frühen Verwandten. Das zeigen Michael Dannemann und Janet Kelso, ebenfalls vom Leipziger Max-Planck-Institut. Sie zogen genetische Daten von gut 112.000 modernen Menschen heran, die in einer britischen Biobank gespeichert sind.

Neben den Genmerkmalen sind in dieser Datenbank etliche Eigenschaften der Personen erfasst, etwa zu Aussehen, Ernährung oder bestimmten Verhaltensmerkmalen.

Mit Haut und Haaren

Mensch und Rekonstruktion eines Neandertalers stehen sich gegenüber

Neandertaler-Gene beeinflussen Haut und Haare

Die Forscher suchten in dem Erbgut nach Genvarianten der Neandertaler. Die Analyse bestätigte zum einen frühere Ergebnisse, nach denen Neandertaler-Gene die Beschaffenheit von Haut und Haaren beeinflussen. "Wir können jetzt zeigen, dass die Tönung der Haut, die Geschwindigkeit, mit der jemand braun wird, sowie die Haarfarbe beeinflusst sind", erläutert Kelso. Einige der analysierten Genvarianten sorgen für hellere Hauttöne, andere für dunklere.

Das gleiche gelte für die Farbe der Haare. "Das lässt vermuten, dass die Neandertaler sich im Ton ihrer Haut und ihrer Haare unterschieden, ganz ähnlich wie heutige Menschen", sagt Dannemann. Eine Ausnahme allerdings scheint es zu geben: Rothaarige gab es unter den Neandertalern wohl nicht.

Stand: 06.10.2017, 12:00