So läuft die große Gesundheitsstudie ab

Viele Tabletts mit unterschiedlichen, kleinen Behältern und Aufklebern stehen auf einem Tisch.

So läuft die große Gesundheitsstudie ab

  • Zehntausend Essener bei medizinischer Langzeitstudie
  • Heute wurde eine erste Bilanz gezogen
  • Interview mit Börge Schmidt von der Uniklinik Essen

Seit 2014 läuft die größte Gesundheitsstudie, mit 200.000 nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Probanden in der ganzen Bundesrepublik. Eines der 18 beteiligten Studienzentren ist am Uniklinikum Essen angesiedelt. Der Epidemiologe Börge Schmidt, stellvertretender Projektleiter, erklärt, wie die Studie abläuft und was sie bringen soll.

Wdr.de: Herr Schmidt, Sie haben 5.000 Essener auf Herz und Nieren durchchecken lassen. Wie gesund ist das Leben in Essen?

Epidemiologe Börge Scmidt

Epidemiologe Börge Schmidt

Börge Schmidt: Das können wir noch nicht sagen, weil wir insgesamt 10.000 untersuchen müssen. Die Datenerhebung nimmt einfach viel Zeit in Anspruch. Wir wissen aber, dass gut die Hälfte der Untersuchten übergewichtig, zum Teil auch adipös ist. Diese Übergewichtigen haben auch häufiger Bluthochdruck. Das entspricht den Ergebnissen von anderen, bundesweiten Studien, die es schon gibt.

WDR.de: Überrascht Sie das?

Schmidt: Nein, aber es gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir das für Essen nachweisen konnten. Sonst hätten wir uns Sorgen über die Qualität der Studie machen müssen.

WDR.de: Sie sagen, die Datenerhebung dauert lange. Wie läuft die ab?

Bildschirm auf dem MRT-Bilder von der Wirbelsäule eines Mannes zu sehen sind.

Umfassender Blick im Ganzkörperscanner

Schmidt: Wir messen zum Beispiel bei jedem Probanden Größe, Gewicht, Körperfett und Taillenumfang. Dann messen wir die Fitness mit einem Handgreifgerät und Fahrradergometer, testen auch das Herz und schauen auf den Augenhintergrund. Hier in Essen haben wir auch ein MRT-Ganzkörperscanner, der ist tatsächlich sehr beliebt, weil die Probanden dann ihre Bilder mitnehmen und mit ihrem Arzt besprechen können. Allerdings dürfen Menschen mit Implantat nicht rein, das ist zu gefährlich.

WDR.de: Das war es dann?

Schmidt: Nein, wir nehmen auch Bioproben, also Urin, Speichel und einen Nasenabstrich, manchmal auch Stuhl, und natürlich Blut.

WDR.de: Was passiert mit den Proben?

Schmidt: Das Blut wird sofort analysiert, die anderen Proben werden bei 180 Grad minus eingefroren. So sind sie viele Jahre haltbar. Damit kann man noch in 20 oder 30 Jahren arbeiten und Fragen beantworten, die sich heute vielleicht noch gar nicht stellen.

WDR.de: Welche Fragen haben Sie denn heute?

Eine Mitarbeiterin der Nako-Gesundheitsstudie von hinten: sie trägt ein gelbes Shirt auf dem "Gemeinsam forschen für eine gesündere Zukunft" steht.

Die Studie ist groß angelegt

Schmidt: Wir wissen, dass Volkskrankheiten komplexe Ursachen haben. Wir wollen herausfinden, wie das Zusammenspiel ist, wie psychosoziale Faktoren mit biologischen und genetischen Faktoren zusammenhängen. Deswegen fragen wir auch nach der Zufriedenheit am Arbeitsplatz und dem Lebensstil. Das ist das Einmalige an dieser Studie, dass soviele Faktoren untersucht werden und das in dieser Größenordnung. Wenn die Daten alle im Kasten sind, haben wir mehr Möglichkeiten als nach den bisherigen, kleineren Studien.

WDR.de: Aber so haben Sie nur eine Momentaufnahme.

Schmidt: Nein, wir untersuchen die Probanden nach fünf Jahren noch einmal und können dann feststellen: Hat der Mann, der vor fünf Jahren noch schlank war, jetzt Übergewicht und Bluthochdruck? Geht es anderen auch so? Dann haben wir eine Gruppe, bei denen wir nachschauen können, wie sie sich von anderen unterscheidet. Wir können auch ihre Proben heranziehen: Vielleicht finden wir in der früheren Probe etwas, was auf die spätere Entwicklung hinweist.

WDR.de: Haben die Probanden eigentlich sofort etwas davon, dass sie an der Studie teilnehmen?

Schmidt: Wir machen keine klinische Untersuchung, aber wir geben ihnen einen Ergebnisbrief mit - manchmal verbunden mit dem Rat, lieber mal zum Arzt zu gehen.

Das Interview führte Marion Kretz-Mangold

Stand: 09.08.2017, 14:23