WDR-Umfrage: Wen wollen wir nicht als Nachbarn?

Grafik mit Frau, die missmutig aus dem Fenster schaut auf homosexuelles Pärchen und Muslima

WDR-Umfrage: Wen wollen wir nicht als Nachbarn?

  • WDR-Umfrage fragte nach Vorurteilen.
  • Ablehnung von Muslimen als Nachbarn bei 8 Prozent.
  • Ablehnung von Homosexuellen bei 4 Prozent.

Freunde kann man sich aussuchen, Nachbarn in der Regel nicht. Wir haben die Menschen in NRW gefragt: Wen möchten Sie lieber nicht in Ihrer Nachbarschaft haben? Das Ergebnis der WDR-Umfrage: Die überwiegende Mehrheit der Menschen möchte keine politischen (59 Prozent) und religiösen (54 Prozent) Extremisten als Nachbarn.

Männer äußern diese Ablehnung häufiger als Frauen, Erwerbstätige eher als Nicht-Erwerbstätige. Ähnlich große Ablehnung erfahren Drogenabhängige als Nachbarn (52 Prozent). Vor allem Menschen unter 50 Jahren lehnen Drogenabhängige als Nachbarn ab.

Sprichwort stimmt: "Gleich und gleich gesellt sich gern"

Menschen haben gerne Nachbarn, die so ähnlich sind wie sie selbst. In Studien von ethnisch und sozial gemischten Nachbarschaften zeigte sich, dass die Menschen meist zu denjenigen Kontakt suchen, mit denen sie sich am ehesten identifizieren. "Je ähnlicher man sich ist, desto eher kommt man miteinander in Kontakt", sagt der Soziologe Sebastian Kurtenbach von der Universität Bielefeld.

Unterschiede machen Leben bunt

Aber: Heterogenität, also die Verschiedenheit der Menschen, sei gleichzeitig etwas, was das Leben interessant mache, sagt Kurtenbach. Vor allem in Städten machten gerade Unterschiede in Vierteln und auch Nachbarschaften einen Reiz aus.

Für die repräsentative Umfrage wurden 1.002 Menschen in NRW per Telefon befragt. Die Teilnehmer mussten über 18 Jahre alt sein und Deutsch sprechen können. Die Befragung fand vom 12. Juli bis 2. August 2017 statt.

Diese Heterogenität – die Mischung aus Alt und Jung, Reicheren undd sozial Schwächeren, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – ist aus Kurtenbachs Sicht zudem wichtig, um überhaupt Kontakte zu ermöglichen. "Man bekommt sich mit – wenn auch nur in eher flüchtigen Begegnungen. Auch wenn man nicht dicke Freunde wird, ist das doch schon ein Vorteil."

Wen wollten Menschen früher nicht als Nachbar haben?

Der Blick zurück zeigt auch, wen die Menschen Anfang der 1970er Jahre nicht als Nachbar haben wollten: 65 Prozent lehnten "Rauschgiftsüchtige" stark ab, 13 Prozent eine "Negerfamilie", 11 Prozent eine "Gastarbeiterfamilie" und 9 Prozent eine "Familie mit schwachsinnigem Kind". Die Bezeichungen sind ein Spiegel der Zeit.

Menschen in NRW besonders tolerant?

Acht Prozent möchten laut unserer Umfrage keine Muslime als Nachbarn haben, vier Prozent keine Homosexuellen. Bundesweit hat die Ablehnung homosexueller Nachbarn laut Allensbach-Statistik stark abgenommen (1991: 36 Prozent, 2013: 13 Prozent).

Dass nur vier Prozent der Menschen in NRW Homosexuelle als Nachbarn ablehnen, hält Soziologe Kurtenbach für einen sehr niedrigen Wert, ebenso die Ablehnung von Muslimen. Denn insgesamt verzeichnen Soziologen eine zunehmende Islamophobie, also eine stärkere Ablehnung von Muslimen. Bundesweite Zahlen aus dem Jahr 2008 lagen im Vergleich deutlich höher.

"Vielleicht sind die Menschen in NRW besonders tolerant", sagt Sebastian Kurtenbach. Schließlich gehörten für viele in einem urban geprägten Bundesland wie NRW Kontakte zu Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und sexueller Orientierung zum Alltag . Zudem hat NRW als Einwanderungsland eine lange Geschichte mit Zuwanderung.

Möglich sei aber auch, dass sich Menschen bei der Umfrage nicht getraut haben, ihre Ablehnung auszusprechen. Experten sprechen in solchen Fällen von "sozialer Erwünschtheit".

Stand: 08.10.2017, 06:00