WDR-Umfrage: Worüber Nachbarn streiten

Grafik mit Menschen, die aus mehreren Fenstern eines Hauses schauen und Lärm machen beziehungsweise sich an Lärm stören

WDR-Umfrage: Worüber Nachbarn streiten

  • Am häufigsten Streit wegen Lärm und Auto.
  • Vier Prozent leiten rechtliche Schritte ein.
  • Vor dem Umzug auch Nachbarschaft anschauen.

Wer ein neues Zuhause sucht, guckt in der Regel vor allem auf die Ausstattung: Hat die Wohnung einen Balkon? Ist der Garten des Hauses groß genug? Ist das Bad modern? Weniger Aufmerksamkeit bekommen in der Regel die Nachbarn – bis man sie dann unter Umständen richtig kennenlernt. Das bleibt nicht immer ohne Konflikte.

Streit unter Nachbarn ist nicht selten

Fast die Hälfte der Befragten in NRW hatte schon einmal Auseinandersetzungen mit dem Nachbarn. Meistens drehte sich der Streit um Lärm (20 Prozent) oder den Ärger mit dem Auto – wenn etwa ein Nachbar falsch parkt (12 Prozent). Vor allem jüngere Menschen unter 50 beschweren sich über diese Dinge. Konfliktpotenzial besteht auch, wenn Nachbarn nachbarschaftliche Pflichten, wie etwa das Putzen des Treppenhauses, nicht einhalten (8 Prozent).

Hunde zahlen sich insgesamt aus

7 Prozent der Befragten ärgern sich über die Haustiere des Nachbarn – seien es Gerüche, Schmutz oder Lärm. Insgesamt führen aber zumindest Hunde zu positiven nachbarschaftlichen Kontakten. "Das hat mich schon überrascht", sagt Sebastian Kurtenbach, Soziologe an der Universität Bielefeld, der die Daten des WDR mitanalysiert hat. Wer einen Hund hat, ist womöglich öfter draußen unterwegs und gerät so schneller mit den Nachbarn in Kontakt.

Die meisten Nachbarn besprechen ihre Probleme sachlich miteinander (76 Prozent). 34 Prozent ärgern sich, sagen aber nichts. 11 Prozent streiten sich, drei Prozent rächen sich – indem sie etwa auch die Musik aufdrehen. Rechtliche Schritte leiten nur vier Prozent der Befragten ein.

Wie Konflikte eskalieren

Wenn Streit so eskaliert, erinnern sich die Kontrahenten oft nicht mehr an den Grund iher Auseinandersetzung, sagt der Sozialpsychologe Volker Linneweber: "Wir haben gesehen, dass der Urknall eines Konflikts zunehmend unwichtiger wird im Leufe seiner Entwicklung. Der Konflikt ist dann wie ein Tornado, der aus sich selbst heraus Energie gewinnt und immer kräftiger wird."

Für die repräsentative Umfrage wurden 1.002 Menschen in NRW per Telefon befragt. Die Teilnehmer mussten über 18 Jahre alt sein und Deutsch sprechen können. Die Befragung fand vom 12. Juli bis 2. August 2017 statt.

Je länger Menschen in einer Nachbarschaft wohnen, desto häufiger kommt es zu Streit. "Oft brauchen Konflikt Zeit, um sich zu entwickeln", erläutert Sebastian Kurtenbach. Denn auch das Interesse am Privatleben könne ein Streitpunkt sein: "Es führt sowohl zu steigendem Wohlbefinden als auch zu Streit." Wenn man die Konflikte aber löse, führe das am Ende zu mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden in der Nachbarschaft.

Wenn man genauer auf die vom WDR erhobenen Daten schaue, stelle man fest, dass nach der Lösung eines Konfliktes die Zufriedenheit mit und in der Nachbarschaft steige, so Kurtenbach.

Was tun für gute Nachbarschaft?

Die meisten Menschen schauten sich ihre künftige Nachbarschaft nicht vor dem Umzug an, sagt der Volker Linneweber. "Eigentlich sollte man sich vorher das Umfeld genau anschauen", rät er. Um Streitpunkte möglichst im Keim zu ersticken, rät Linneweber auch, möglichst zeitnah nach dem Umzug auf die neuen Nachbarn zuzugehen. "Man sollte sich vorstellen und signalisieren, dass man bereit ist zu helfen. Und auch sagen: 'Sagen Sie Bescheid, wenn Sie etwas stört.'" Denn Nachbarschaft und Nachbarn sind unentrinnbar.

Stand: 07.10.2017, 06:00