WDR-Umfrage: Regionale Unterschiede in der Nachbarschaft

Eine Karte Nordrhein-Westfalens in sieben Regionen unterteilt. Die Regionen werden durch verschiedene Stereotype repräsentiert.

WDR-Umfrage: Regionale Unterschiede in der Nachbarschaft

  • WDR-Umfrage zur Nachbarschaft zeigt regionale Unterschiede.
  • Besonders hilfsbereit in Köln/Bonn und OWL.
  • Im Sauerland/Südwestfalen wird öfter gestritten.

Hilfsbereitschaft ist ein Anzeichen für eine gute Nachbarschaft. Fast alle Menschen in NRW (94 Prozent) nehmen gelegentlich Pakete und Post von ihren Nachbarn an oder leihen sich Sachen aus. Aber in den Regionen Köln/Bonn und Ostwestfalen-Lippe scheint man besonders hilfsbereit zu sein. Dort helfen je 41 Prozent ihren Nachbarn regelmäßig – bei Einkäufen, Arztbesuchen oder der Kinderbetreuung. Im NRW-Durchschnitt sind es bei der regelmäßigen Hilfe nur 31 Prozent.

"Hilfsbereitschaft ist ein ganz wesentliches Element zur Kennzeichnung von menschlichen Beziehungen", betont der Sozialpsychologe Volker Linneweber, der die Ergebnisse der WDR-Umfrage für uns eingeschätzt hat. Diese Hilfsbereitschaft beruhe auf der Annahme der Gegenseitigkeit: "Wenn ich jemandem helfe, habe ich die Erwartung, dass er oder sie mir auch hilft, wenn ich in einer Notsituation bin."

Im Sauerland und Südwestfalen wird viel gestritten

In der Region Sauerland/Südwestfalen streiten sich die Nachbarn bei Konflikten besonders oft (49 Prozent, NRW-Durchschnitt: 11 Prozent). Lärm ist in allen Regionen der am häufigsten genannte Grund für Streit. Die Tendenz, dass ein Streit so eskaliert, dass ein Nachbar rechtliche Schritte einleitet, ist im Münsterland am größten (11 Prozent, NRW-Durchschnitt: 4 Prozent). Dort gibt es laut unserer Umfrage besonders viele Eigentümer, die vielleicht klagefreudiger sind als Mieter. Die können bei Konflikten einfacher wegziehen.

Wo man am liebsten keine Nachbarn hätte

Wo man enger wohnt, geht man sich auch schneller auf die Nerven. Menschen aus dem Gebiet Bergisches Städtedreieck/Düsseldorf/Niederrhein, wo viele Bewohnern in großen Mietshäusern leben, gaben besonders häufig an (14 Prozent, NRW-Durschnitt 5 Prozent), am liebsten gar keine Nachbarn haben zu wollen.

Hier wurden in der Statistik allerdings sehr unterschiedliche Regionen zusammengefasst – eng besiedelte und auch ländlichere wie der Niederrhein. Die dicht besiedelten gaben aufgrund der Bevölkerungszahl für das Gesamtergebnis den Ausschlag.

Neugierige Nachbarn in kleinen Orten

In kleineren Orten achtet man mehr aufeinander als in größeren. Doch diese Medaille hat zwei Seiten: Wo man aufeinander achtet, da fühlt man sich auch schneller überwacht. Das ist im Sauerland und in Südwestfalen besonders häufig der Fall: 41 Prozent finden, ihre Nachbarn interessieren sich zu sehr für ihr Privatleben. Dort leben außergewöhnlich viele Menschen in kleinen Dörfern.

Formelle Einladung im Ruhrgebiet oft nicht nötig

45 Prozent der Menschen im Ruhrgebiet geben an, ihre Nachbarn nicht zu besuchen oder einzuladen (NRW-Durchschnitt: 34 Prozent). Das könnte daran liegen, dass es dort besonders viele Großstädte gibt, wo die nachbarschaftlichen Kontakte generell nicht so eng sind wie in kleineren Orten.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass Einladungen im Ruhrgebiet eher informeller gehalten werden als in anderen Gegenden des Landes, vermutet Soziologe Linneweber. "Wenn die Menschen im Ruhrgebiet sich treffen und einen Kaffee oder ein Bier zusammen trinken, dann wird das möglicherweise nicht als Einladung interpretiert."

Für die repräsentative Umfrage wurden 1.002 Menschen in NRW per Telefon befragt. Die Teilnehmer mussten über 18 Jahre alt sein und Deutsch sprechen können. Die Befragung fand vom 12. Juli bis 2. August 2017 statt.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt die Volkskundlerin Gabriele Dafft vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn. Untersuchungen des Landschaftsverbands Rheinland hätten gezeigt, dass es oft spontane Gespräche zum Beispiel beim Einkaufen sind, die das Empfinden, Teil einer Gemeinschaft zu sein, verstärken. "Es braucht dann nicht unbedingt immer einen konkreten Besuch oder eine formelle Einladung", sagt sie.

Stand: 09.10.2017, 10:00