Warum Schülern das frühe Aufstehen so schwer fällt

Mädchen schlafend, Hände unter Kopf gefaltet, Wecker auf Nachttisch stehend

Warum Schülern das frühe Aufstehen so schwer fällt

Von Christiane Tovar

  • Schlafrhythmus ändert sich oft in der Pubertät
  • Schüler häufig übermüdet
  • Fachleute raten zu späterem Schulbeginn

Wenn es um den Schlafrhythmus geht, gibt es sie tatsächlich: Die Eulen und die Lerchen. Ob jemand eher nachtaktiv ist oder lieber früh aufsteht, hängt von den Genen ab. Und dann gibt es noch viele Menschen, die irgendwo dazwischen liegen.

Von der Lerche zur Eule

Der Schlafrhythmus kann sich aber im Laufe des Lebens ändern. Viele Jugendliche, selbst wenn sie vor der Pubertät gern früh aufgestanden sind, kommen in dieser Lebensphase nicht mehr gut raus. Das belegen zahlreiche Studien. Demnach müssen sich rund drei Viertel aller Jugendlichen morgens aus dem Bett quälen.

Schlafender Junge mit Bettdecke über dem Kopf

Viele Jugendliche quälen sich aus dem Bett

Ratlos sind die Experten, wenn es um die Gründe für das veränderte Schlafbedürfnis geht. Fest steht aber, dass man daran nicht viel ändern kann. Der Schlafforscher Till Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität in München spricht in diesem Zusammenhang von der "Disko-Hypothese", die Eltern gern aufstellen.

Party statt schlafen?

Doch dass pubertierende Kinder abends lieber feiern, statt ins Bett zu gehen, stimmt so in der Regel nicht. Denn selbst wenn sie es wollten: Die meisten könnten gar nicht früher schlafen, sie sind dann einfach nicht müde. Die einzige Möglichkeit, dem Rhythmus der Jugendlichen entgegenzukommen, wäre deshalb ein späterer Schulbeginn.

Die Folgen des chronischen Schlafmangels sind immens, warnen Fachleute. Neben Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen kann es zu Wachstumsstörungen und Depressionen kommen.

Müde Schüler schreiben schlechtere Noten

Nicht zuletzt leiden die schulischen Leistungen, wie eine große Studie gezeigt hat. Dazu wertete der Chronobiologe Thomas Kantermann von der Universität Groningen mit seinen Kollegen rund 4.700 Zensuren aus. Jugendliche, die weniger als sieben Stunden geschlafen hatten und diejenigen, die sich morgens aus dem Bett quälen mussten, hatten im Durchschnitt schlechtere Noten als die anderen.

Braunhaarige Schülerin schläft im Unterricht

Schulleistungen leiden unter der Müdigkeit

"Wenn wir über eine Bildungsoffensive nachdenken, dann sollte auch der frühe Schulbeginn zur Diskussion stehen", sagt deshalb der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Alfred Wiater.

Später Schulbeginn ist die Ausnahme

Trotzdem kommt nicht so richtig Bewegung in die Diskussion. Bislang starten nur wenige Schulen morgens später. Eine davon ist das Gymnasium Alsdorf bei Aachen.

Dort können die Schüler seit Anfang letzen Jahres dank eines speziellen Gleitzeitmodells selbst entscheiden, ob sie zur ersten oder zur zweiten Stunde kommen. Die Bilanz nach einem Jahr fiel positiv aus. Jetzt will man dabei bleiben.

Stand: 29.08.2017, 06:00