Migräne - Was wirklich hilft

Eine Frau legt ihren Kopf in die Hände

Migräne - Was wirklich hilft

Von Antje Sieb

Mit Tabletten lässt sich erreichen, dass Migräneattacken seltener auftreten. Aber auch Sport oder Entspannungsübungen können helfen. Das belegen Studien.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat jetzt in einer Leitlinie zusammengefasst, was erwiesenermaßen beim Vorbeugen hilft. Positiv bewertet werden Entspannungsverfahren, Ausdauersport, Biofeedback und Verhaltenstherapie. "Für all diese Verfahren gibt es jetzt ganz gute Daten, so dass man davon ausgehen kann, dass das wirklich wirksam ist“, sagt DMKG-Generalsekretär Charly Gaul.

Entspannung Muskel für Muskel

Ein recht gut untersuchtes Entspannungsverfahren ist die Progressive Muskelrelaxation, kurz: PMR. Dabei werden in einer bestimmten Reihenfolge ganz bewusst Muskelgruppen an- und wieder entspannt. Die Bewegungen sind kaum zu sehen. Aber sie wirken.

Bewegung oder Verhaltenstherapie

Dass Sport für weniger Migräneanfälle sorgt, ist nicht ganz so eindeutig nachgewiesen. Trotzdem empfehlen Experten dreimal wöchentlich eine gute halbe Stunde Bewegung. Eine Verhaltenstherapie kann dabei helfen, besser mit Stress umzugehen und bestimmte Kreisläufe zu durchbrechen, so Migräneexperte Charly Gaul.

Frau hält sich die Hände an die Schläfen

Unter Migräne leiden viele Menschen

"Wenn man sich das Krankheitsbild ansieht, ist es ja so: Patienten verlieren ein zwei Tage durch die Migräne und haben das Gefühl, sie müssten an den nächsten Tagen doppelt so schnell sein um das wieder aufzuholen."

Kombinieren wirkt noch besser

Besonders wirksam ist die Verhaltenstherapie offenbar dann, wenn sie mit Medikamenten kombiniert wird. In einer Berliner Studie etwa hatten Patienten nach einem Jahr Kombi-Vorbeugung im Schnitt nur noch halb so viele Migräneattacken wie vor der Therapie. Auch andere Verfahren lassen sich miteinander kombinieren, etwa Entspannung und Sport.

Durchalten und Geduld haben

Eine Frau legt ihren Kopf in die Hände

Entspannungsübungen helfen, die Leiden zu lindern

Vorbeugen mit Sport, Entspannung oder Verhaltenstherapien funktioniert allerdings nicht auf die Schnelle. "Wir würden sagen, dass man auf jeden Fall drei Monate durchhalten soll“, meint Charly Gaul. Wichtig sei es auch, Sport und Entspannungsübungen regelmäßig zu machen. Das allerdings ist für viele ein Problem. Patientin Sylvia Respondek gibt es offen zu. "Man macht es halt nicht jeden Tag. Nur wenn es einem schlecht geht, dann denkt man wieder daran, dass man es besonders oft machen muss.

Wer zahlt?

Die in der neuen Leitlinie empfohlenen Verfahren können Migränepatienten sehr gut während einer Kur ausprobieren. Dann zahlt dafür die zuständige Versicherung. Ist man wieder zu Hause, sieht es etwas anders aus. Entspannungskurse werden von vielen Krankenkassen bezuschusst, andere Kurse unter Umständen nicht. Die Progressive Muskelrelaxation ist relativ einfach zu erlernen, so dass man nicht ständig in einen Kurs gehen muss. Die Übungen lassen sich gut zu Hause machen.

Stand: 21.02.2017, 06:00