High-Tech-Medikamente gegen Rheuma

Computergrafik eines schmerzenden Handgelenks

High-Tech-Medikamente gegen Rheuma

Von Christiane Tovar

  • Rund 15.000 Kinder haben Rheuma
  • Krankheit bleibt oft lange unerkannt
  • Rheumatologen-Kongress beginnt am Mittwoch (06.09.2017) in Stuttgart

Rheuma, das haben doch nur alte Leute. Das denken immer noch viele Menschen, wenn es um die Autoimmunkrankheit geht. Doch die Annahme ist falsch. Rund jedes tausendste Kind in Deutschland erkrankt an Gelenkrheuma.

Ursache noch rätselhaft

Die häufigste Rheuma-Form ist die "Juvenile Idiopathische Arthritis". Idiopathisch deshalb, weil die Ursachen für die Krankheit noch unbekannt sind. Einer von vielen Auslösern könnten Antibiotika sein. Das haben amerikanische Forscher herausgefunden. Doch auch die Gene spielen eine Rolle. Die genauen Zusammenhänge sind weiter unklar.

Fakt ist, dass das Immunsystem beim Rheuma verrückt spielt und das körpereigene Gewebe angreift. Die meisten Menschen werden zwischen vierzig und sechzig Jahren krank, dabei trifft es Frauen häufiger als Männer.

Ein großes Problem ist, dass die Krankheit oft zu lange unerkannt bleibt. Gerade bei Kindern dauert es häufig Jahre, bis die Ärzte die richtige Diagnose stellen können, auch deshalb weil Kinder sich noch nicht so gut artikulieren können.

Kniegelenk meist als erstes betroffen

Kinderrheumatologin Prof. Kirsten Minden von der Berliner Charité

Kinderrheumatologin Prof. Kirsten Minden

"Wenn ihnen etwas wehtut, nehmen sie häufig eine Schonhaltung ein, ohne darüber zu sprechen.", erklärt die Kinderrheumatologin Prof. Kirsten Minden von der Berliner Charité. Eltern müssten dann schon sehr genau hinschauen, damit sie überhaupt etwas merken. Ein sicheres Indiz seien geschwollene Gelenke. Hält die Schwellung länger als sechs Wochen an, sollte man zum Arzt gehen, rät die Ärztin.

Rheuma ist nicht heilbar

Obwohl Rheuma bislang nicht heilbar ist, gibt es mittlerweile Medikamente, die gut helfen. Häufig geben die Ärzte Mittel mit dem Wirkstoff Methotrexat. Dieser Stoff unterdrückt die Hyperaktivität des Immunsystems. Allerdings helfen die Mittel nicht immer.

Biologika helfen

Wenn sie nicht anschlagen, kommen häufig so genannte Biologika zum Einsatz. Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente hätten die Therapie revolutioniert, sagt Kirsten Minden. Noch weiß man nicht genau, wie sie im Detail wirken. Klar ist aber, dass sie Botenstoffe abfangen, die die Entzündungen auslösen.

Erste Langzeitergebnisse veröffentlicht

Da Biologica erst seit rund 15 Jahren auf dem Markt sind, gab es bislang keine Langzeiterfahrungen. Jetzt liegen die Daten vor.

Ohne Rheuma durch die Kindheit

Sie sei sehr zufrieden mit den Ergebnissen sagt Kirsten Minden: "Wir haben das erste Mal gesehen, dass Kinder bei früher Behandlung eine sehr gute Chance haben, ohne Beschwerden groß zu werden."

Für die Studie werteten die Ärztin und ihre Kollegen die Daten von 1.300 Kindern aus, die mit Biologica behandelt wurden. Junge Patienten, die keine Medikamente bekommen hatten und heute erwachsen sind, haben demnach in der Hälfte der Fälle mit Beeinträchtigungen zu kämpfen.

Dagegen haben heute zwei Drittel der rheumakranken Kinder mit Hilfe der Biologica keine Spätfolgen. Auch andere Nebenerscheinungen wie Wachstumsstörungen und rheumatische Augenentzündungen kämen jetzt viel seltener vor, erklärt Kirsten Minden.

Doch heilen können die Ärzte das Rheuma nicht - noch nicht. "Vielleicht könnte es ein Weg sein, irgendwann die krankmachenden Zellen zu eliminieren", sagt die Kinderrheumatologin. "Wir machen Rheuma heilbar - das ist unser Motto."

Stand: 06.09.2017, 09:57