Lust auf Süßes? Schuld sind die Hormone!

Gummibärchen und Lakritz durcheinanderliegend.

Lust auf Süßes? Schuld sind die Hormone!

Von Benjamin Esche

  • Hormon laut dänischen Forschern für Heißhungerattacken auf Süßes verantwortlich
  • Gewohnheiten spielen auch eine Rolle – Kinder werden oft mit Süßem belohnt
  • Mit Disziplin kann man sich umerziehen

In einer Studie haben Forscher der Universität Kopenhagen herausgefunden, dass der ungezügelte Appetit auf Süßigkeiten auch hormonelle Ursachen hat. Das Hormon FGF21 wird in der Leber produziert und regelt die Lust auf Süßes, indem es auf das Belohnungssystem im Gehirn einwirkt. Spezielle Varianten des Leber-Gens, das das Hormon produziert, finden sich bei Liebhabern von Süßigkeiten eher als bei anderen Menschen, so die Forscher.

Es sind nicht nur die Hormone

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Viele belohnen sich mit Schokolade

Trotzdem lässt sich ein übermäßiger Konsum von Süßigkeiten nicht allein auf die Hormone schieben. "Manche Menschen können diese Impulse nach Süßem nicht steuern", erklärt Klaus Winckler, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner. In Extremfällen sei sogar eine Verhaltenstherapie eine Überlegung.

Oft liegt es aber an einer unregelmäßigen Ernährungsweise, sagt der Ernährungsmediziner aus Frankfurt: "Viele Menschen haben keinen geregelten Mahlzeiten-Rhythmus und das kann zu Heißhunger-Attacken führen."

Hinzu kommt, dass viele Menschen sich häufig mit Süßigkeiten belohnen, wenn es ihnen schlecht geht oder sie Stress gehabt haben. "Aus Gewohnheit greifen sie dann beispielsweise zur Schokolade", sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Wichtig sei es dann, diese Gewohnheiten zu hinterfragen. "Braucht man in dieser Situation dann unbedingt die Schokolade? Oder lässt sich der Stress nicht auch anders bekämpfen, zum Beispiel, indem man eine Runde um den Block läuft?", so Restemeyer.

Von Kind an auf Süßes konditioniert

Kind, mit Schokolade verschmiert, steckt Finger in den Mund

Kinder sind verrückt nach Schokolade

Überhaupt hat die Lust auf Süßes viel mit Konditionierung zu tun. Denn die Vorliebe ist angeboren, weil schon die Muttermilch leicht süßlich ist. "Auch Kindern wird beispielsweise regelmäßig zur Belohnung ein Eis gegeben", sagt Ernährungsmediziner Winckler. "Das kann eine Basis für die Fehlverknüpfung von Belohnung und dem Genuss von Süßigkeiten sein." Das sei sehr hartnäckig. "Menschen, die diese unbewussten Handlungsmuster haben, fällt es schwer, auf Süßigkeiten zu verzichten", so Winckler.

Doch was kann man tun? "Bei Kindern ist es eine gute Strategie, eine feste Zeit für das Essen von Süßigkeiten einzuplanen", empfiehlt Ernährungsberaterin Restemeyer. "Das ist nach der eigentlichen Mahlzeit am sinnvollsten, denn so isst sich das Kind nicht an den Süßigkeiten satt."

Selbstbeobachtung ist wichtig

Ernährungsmediziner Winckler empfiehlt seinen Patienten, sich selbst genau zu beobachten: "Wie ernähre ich mich? In welchen Situationen gerate ich in Versuchung? Sind es Stresssituationen in der Familie oder am Arbeitsplatz? Ist es Langweile oder Einsamkeit?", zählt der Experte auf. Heißhunger auf Süßes kann viele Auslöser haben.

Wer es unbedingt will, kann sich selbst umerziehen. "Wenn man länger auf Süßigkeiten verzichtet, hat man meist auch keine große Lust mehr darauf", sagt Ernährungsberaterin Restemeyer. Eine richtige Zuckersucht gebe es wohl nicht. Viel mehr sei es ein Gewöhnungseffekt, der eintritt. Und der lässt sich mit Disziplin bekämpfen.

Stand: 16.05.2017, 12:08