MRSA: Der große WDR-Test auf Krankenhauskeime

MRSA - Keimtest

MRSA: Der große WDR-Test auf Krankenhauskeime

Von Axel Bach

  • Etwa drei Viertel der Menschen in Deutschland fürchten sich vor resistenten Keimen in Kliniken
  • Etwa 90 Prozent der tatsächlich Betroffenen bringen den Keim selbst mit
  • Jenseits von Krankenhäusern gibt es vermutlich viel weniger Betroffene als bislang angenommen

Der Krankenhauskeim "MRSA" macht Angst. Viele Menschen kennen Geschichten von Patienten, die nach einer Operation kaum wieder auf die Beine kamen oder sogar starben. Laut Umfragen haben bis zu 77 Prozent der Menschen in Deutschland Sorgen, sich im Krankenhaus mit einem solchen resistenten Keim zu infizieren.

Weltgesundheitsorganisation warnt vor Gefahren

Durch massiven - und vor allem falschen - Einsatz von Antibiotika verbreiten sich diese resistenten Bakterien auf der ganzen Welt. In den Medien ist die Rede von 15.000 Menschen jährlich, die an antibiotikaresistenten Keimen sterben. Und die Weltgesundheitsorganisation warnt, dass wir bald in eine Zeit zurückkehren könnten, in der man an einer kleinen Schnittverletzung sterben kann – nämlich dann, wenn ein Keim in die offene Wunde eindringt.

Schwere Infektionen sind möglich

Doch für gesunde Menschen ist MRSA ungefährlich. Oft verschwindet er sogar wieder von selbst. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt und gelangt der Keim in offene Wunden, kann es zu schweren Infektionen kommen. Deshalb sind Krankenhäuser in Verruf geraten und viele Menschen haben Angst, dort den "Killerkeimen" ausgesetzt zu sein.

Wie viele Menschen tragen den Krankenhauskeim?

Experten schätzen, dass maximal ein Prozent der Bevölkerung MRSA-Träger ist. Doch exakte Zahlen kennt die Wissenschaft nicht: Es gibt keine genauen Studien – nur Schätzungen. Das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks und die Verbrauchersendung Servicezeit wollten es genauer wissen und haben deshalb im September 2017 dazu aufgerufen, sich kostenfrei auf MRSA testen zu lassen.

500 MRSA-Tests in Bonn, Köln und Remscheid

WDR-Keimtest

Wattestäbchen-Tests an 500 Freiwilligen

Das Foyer des WDR in Köln wurde für drei Tage zur Arztpraxis. Mediziner der Uni-Klinik Essen führten über 400 Wattestäbchen-Tests zusammen mit dem WDR-Betriebsarzt Michael Neuber durch – darunter auch WDR Intendant Tom Buhrow, Servicezeit-Moderatorin Yvonne Willicks und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Die gewünschten 500 Proben machten dann die Servicezeit-Ärzte Doc Esser und Aylin Urmersbach auf den Marktplätzen in Remscheid und Bonn voll. Alles, um der Antwort auf die Frage näher zu kommen: Wie viele gesunde Menschen tragen den Keim, ohne es zu wissen?

Erst ausstreichen, ...

WDR-Keimtest

WDR-Betriebsarzt Neuber, Moderator Yogeshwar und Ärztin Dr. Ross

Krankenhaus-Hygienikerin Dr. Birgit Ross nahm die Proben mit zur Uni-Klinik Essen, wo sie untersucht wurden. Jede einzelne Probe wurde auf einem sogenannten Kulturboden ausgestrichen. Darin waren Nährstoffe für die Bakterien und ein Antibiotikum. Das tötet normale Keime ab – nicht aber den Krankenhauskeim. Der könnte sich trotz des Antibiotikums vermehren.

... dann 24 Stunden brüten

Anschließend mussten alle Proben für 24 Stunden in den Brutschrank – bei 37 Grad Celsius. Das entspricht unserer Körpertemperatur. Bei der Temperatur können sich die Bakterien optimal vermehren – wegen des Antibiotikums jedoch nur resistente Keime, die dadurch als kleine Punkte sichtbar werden. Alle anderen sterben ab.

Nur eine Probe war MRSA-positiv

Von den 500 Proben waren 499 negativ. Das heißt: Auf einer der 500 Platten zeigten sich die charakteristischen Punkte – und damit war klar: Nur einer der von uns Getesteten hatte den Keim – und das, obwohl eine ganze Reihe unserer Probanden früher sogar schon mal MRSA-positiv war.

MRSA steht für "Methicillin-Resistenter Staphylococcus aureus". MRSA wird auch als "Krankenhaus-Keim" bezeichnet, weil er dort häufiger vorkommt als in der Normalbevölkerung. Staphylokokken sind Bakterien. Die MRSA-Bakterien sind eine besondere Form des Bakteriums Staphylococcus aureus: Sie sind resistent gegen das Antibiotikum Methicillin. Das heißt, man kann sie nicht mit dem üblichen Antibiotikum behandeln. Beide Bakterienformen verursachen die gleichen Entzündungen – aber MRSA ist schwieriger zu behandeln als "normale" Staphylococcus-aureus-Bakterien.

Das Ergebnis hat die Wissenschaftler erstaunt

Birgit Ross, die die Krankenhaushygiene der Uni-Klinik Essen leitet, betont: "Für uns war das interessant, weil wir ja normalerweise nur unsere Patienten testen. Das heißt, wir wissen relativ gut, wie viele Menschen bei uns betroffen sind. Wir wissen aber eigentlich nichts über die Allgemeinbevölkerung. Und so war das auch für uns ein interessanter Befund, dass nur eine einzige Probe positiv war. Denn das ist doch sehr wenig."


Nach den Schätzungen von Experten hätten wir mit etwa fünf positiven Ergebnissen rechnen können. Doch der WDR-Test könnte ein Hinweis sein, dass der Anteil MRSA-positiver Menschen in der Bevölkerung viel kleiner ist als bislang angenommen.

Stand: 14.11.2017, 12:36