Kondome in Passform - eine sinnvolle Idee?

Bunte Kondome.

Kondome in Passform - eine sinnvolle Idee?

Von Andreas Sträter

  • Eine Firma aus Boston bietet Kondome in 60 Größen an
  • Die Hoffnung: Mehr Männer sollen sie nutzen
  • Ändert die neuen Bandbreite das Nutzungsverhalten?

Kondome sind noch immer noch der beste Schutz vor Aids, unerwünschten Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten. Eine Firma in den USA (Boston) bietet mittlerweile Kondome in 60 verschiedenen Größen an. Passend zur europäischen Aids-Konferenz, die am Mittwoch (25.10.2017) in Mailand beginnt, stellt sich da die Frage, ob die vielen Varianten überhaupt sinnvoll sind.

In Deutschland werden pro Jahr etwa 220 Millionen Kondome verkauft, zumeist in den klassischen Größen XS, einer mittleren Größe für den Durchschnitt und in XL. Damit sei der Durchschnitts-Europäer gut versorgt, erläutert Erik Sauer von der Kölner Aidshilfe. Er geht zudem nicht davon aus, dass es einen Absatzmarkt für millimetergenaue Kondomgrößen gibt.

Kondome sind elastisch und dehnbar

"Cool": Plakat der BzgA aus der Reihe "Gib Aids keine Chance"

"Gib Aids keine Chance"

Ebenso sieht das auch Robert Richter, Sprecher des Fachbereichs Kondome beim Bundesverband Medizintechnologie und Geschäftsführer einer Firma für Kondome in Bielefeld: "Grundsätzlich sind Kondome sehr elastisch und um das sieben- bis achtfache dehnbar", erklärt er dem WDR. Kondome bestehen entweder aus Naturkautschuk-Latex oder aus einem vergleichbaren synthetischen Material.

Die meisten Männer greifen eher zu großen Kondomen - schon aus psychologischen Gründen, wie Erik Sauer sagt: "Wenn man einen kleinen Penis hat, würde man trotzdem eher zu einer Durchschnittsgröße tendieren. Man würde nicht ins Geschäft gehen und sich ein XS-Kondom kaufen."

Ein Kondom müsse vor allem sicher sitzen, sagt Robert Richter: "Je kleiner ein Kondom ist, desto straffer sitzt es auf dem Penis." Ein passendes Kondom sei zudem beim Liebesspiel kaum zu spüren.

Änderungen im Nutzungsverhalten?

Die neue Bandbreite an Kondomgrößen werde allerdings kaum dazu führen, dass sich das Kondom-Nutzungsverhalten ändert, erklärt Sauer von der Aidshilfe. "Leute nutzen Kondome, weil sie sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen wollen - oder sie nutzen es eben nicht." Für Sauer sind die 60 verschiedenen Kondomgrößen ein PR-Gag: "Die braucht kein Mensch."

Im Drogeriemarkt werden die neuen Varianten wohl so schnell nicht angeboten – dafür müsste in den Regalen zu viel Platz geschaffen werden, vermutet Sauer. Zudem müssten Männer ganz genau ihre Größe wissen. Die ist gar nicht so leicht zu ermitteln, weil es bei der Messung eines erigierten Penisses ohnehin ganz leicht zu Abweichungen kommen kann.

Stand: 25.10.2017, 06:00