Klimawandel: Ende der vermeintlichen Atempause

Eisbär (Ursus maritimus) am Rande einer Eisscholle

Klimawandel: Ende der vermeintlichen Atempause

  • Scheinbare Unterbrechung der Erderwärmung geklärt
  • Modelle mit Stärken und Schwächen
  • Einigkeit unter Forschern: Klimawandel ist real

Es war Wasser auf die Mühlen der Klimaskeptiker: 15 Jahre lang stiegen die globalen Temperaturen nicht so an, wie es die meisten Modelle für den Zeitraum zwischen 1998 und 2012 vorhergesagt hatten. Diese scheinbare Atempause oder Unterbrechung (engl. "Hiatus") bedeutet keineswegs, dass es den Klimawandel nicht gibt oder die Forscher falsche Modelle verwendet haben. Zu diesem Schluss kommen gleich drei Studien, die jetzt im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurden.

Klimawandel überschätzt?

Der Hintergrund: Laut einigen Messreihen stieg die Temperatur an der Erdoberfläche in den 15 Jahren bis 2012 nicht oder kaum an. Der Klimawandel sei überschätzt worden, hieß es von Klimaskeptikern und manchen Politikern. Einige leugneten sogar, dass einen Klimawandel überhaupt gebe oder zumindest die Tatsache, dass er vom Menschen verursacht worden sei.

Modelle messen meist nur an Erdoberfläche

Mojib Latif

Mojib Latif: Schwankungne bei Erderwärmung sind normal

Viele Studien beziehen sich in ihren Prognosen auf die globale Mitteltemperatur der Erdoberfläche, beschreibt Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Geomar), ein Problem: "Mehr als 90 Prozent der Wärme, die durch den Anstieg der Treibhausgase während der vergangenen 40 Jahre im System verblieben ist, sind von den Ozeanen aufgenommen worden." Würde man den Wärmeinhalt der Ozeane mit einbeziehen, gebe es die "Atempause" nicht.

Natürliche Schwankungen

Dass es zudem natürliche Schwankungen in der globalen Temperatur gebe, sei für Wissenschaftler keine Überraschung. Hinzu kämen weitere Einflussfaktoren wie Feinstaubausstoß, Vulkanausbrüche und Sonnenaktivität, die nicht in allen Klimamodellen berücksichtigt werden. Auch waren in der Vergangenheit manche Weltregionen nur gering durch Messreihen abgedeckt.

Rekordtemperaturen in den vergangenen drei Jahren

Der Klima-Forscher Stefan Rahmstorf

Klimaforscher Stefan Rahmstorf

Nun scheint die Atempause, der Hiatus, beendet. 2016 war das dritte Jahr in Folge, das den globalen Temperaturrekord seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 gebrochen hat. Der Rückblick sei "lehrreich", meint auch Stefan Rahmsdorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): "Im Rückblick bestätigt sich, was wir von vornherein gesagt haben: dass es sich einfach nur um eine natürliche Schwankung gehandelt hat".

Der Klimawandel ist real

Und: Einige Daten, Tools und Methoden seien für die langfristige Beschreibung des Klimawandels sinnvoll, aber problematisch bei kurzfristigen Trends. Klimaforscher Rahmstorf sagt auch, dass die Debatte um diese kurzfristigen Schwankungen aus dem Kreis der Klimaskeptiker stamme. "Daraus sollten Wissenschaftler, Medien und Öffentlicheit lernen", sagt er.

Und Mojib Latif betont: "Ein Klimaforscher wundert sich nicht darüber, dass die Erderwärmung mal schneller und mal weniger schnell verläuft." Das ändere nichts an der Tatsache, dass der von Menschen gemachte Klimawandel real sei.

Stand: 03.05.2017, 19:00