Kinderwunschbehandlung: Was in Deutschland verboten ist

Kinderwunschbehandlung: Was in Deutschland verboten ist

In Berlin findet am Wochenende (18.-19.02.2017) eine Messe statt, bei der es um Angebote für ungewollt kinderlose Paare geht. Die Messe ist umstritten, weil ausländische Anbieter hier Methoden präsentieren, die in Deutschland verboten sind. Worum geht es?

Sind die Regeln in Deutschland besonders streng?

Das kann man schon so sagen. In Ländern wie den USA, Tschechien oder Spanien sind Methoden erlaubt, die in Deutschland verboten sind. Das hat verschiedene Gründe. Einmal soll verhindert werden, dass die Reproduktionsmedizin zur reinen Geschäftemacherei wird. Dass also zum Beispiel Embryonen hergestellt werden, nur damit man sie teuer verkaufen kann. Und es geht darum, Embryonen, die sich daraus entwickelnden Kinder und auch Frauen zu schützen.

Was genau ist bei uns verboten?

Neugeborenes Baby schreit und wird gebadet

Natürlich gezeugt oder per Medizintechnik?

Ganz klar ist der Fall bei einer Leihmutterschaft. Es ist in Deutschland verboten, dass eine Frau eine fremde befruchtete Eizelle austrägt und das Baby dann für ein Paar zur Welt bringt. Genauso die Eizellspende. Also, dass eine Frau eine ihrer Eizellen spendet, damit die dann befruchtet wird und der Frau mit dem Kinderwunsch in die Gebärmutter gesetzt wird. Das ist eine ziemlich belastende Prozedur. Damit eine Frau eine oder mehrere Eizellen spenden kann, bekommt sie vorher Hormone, und die Eizellen werden ihr dann unter Narkose entfernt. Das ist also eine körperliche Belastung, die die Eizellspenderin auf sich nimmt. Nicht erlaubt ist auch die anonyme Samenspende, also eine Samenspende, bei der nicht festgehalten wird, wie der Mann heißt, dessen Samen bei der Befruchtung verwendet wurde.

Warum ist die anonyme Samenspende nicht erlaubt?

Schwangere Frau.

Babyglück ist nicht jedem vergönnt

Weil ein Kind bei uns in Deutschland die Möglichkeit haben soll, zu erfahren, wer sein biologischer Vater ist. Diese Chance ist juristisch gesehen sehr wichtig. Es gehört zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen, seine genetische Herkunft zu kennen, da ist man sich einig. Auch, weil das für Kinder, junge Menschen sehr belastend sein kann, wenn sie Näheres über den biologischen Vater oder die Mutter erfahren wollen – aber nicht können.

Was ist in Deutschland erlaubt?

Künstliche Befruchtung ist erlaubt und jede Frau darf einige ihrer eigenen Eizellen einfrieren lassen – für später. Auch eine Samenspende ist erlaubt, wenn sie nicht anonym erfolgt. Damit das Kind eben später, wenn es will, etwas über seinen biologischen Vater erfahren kann. Aber: viele Ärzte führen eine Samenspende nur bei heterosexuellen Paaren durch, weil sie Angst haben, dass sie selber sonst später beispielsweise zu Unterhaltsansprüchen herangezogen werden. Hier fehlt eine klare Regelung in Deutschland.

Gibt es noch etwas, was erlaubt ist?

Sonografie eines Embryo im Mutterleib, 09.04.2014.

Ultraschallbild eines Embryos

Die Embryonenspende ist ein Sonderfall. Also, eine Eizelle darf nicht gespendet werden. Aber: Manchmal bleiben bei einer künstlichen Befruchtung ein oder mehrere befruchtete Eizellen übrig. Die werden eingefroren, falls es beim ersten Versuch nicht klappt, damit die Frau sich nicht erneut Eizellen entnehmen lassen muss. Wenn es aber gleich beim ersten Versuch klappt und dann ganz sicher ist, dass das Paar keine weiteren Kinder mehr will, dann können sie die eingefrorenen befruchteten Eizellen einem anderen Paar spenden. Denn die Eizelle ist per Definition noch nicht befruchtet, wenn sie eingefroren wird. Das männliche Spermium ist zwar eingedrungen in die Eizelle, aber die beiden Kerne von Vater und Mutter sind noch nicht miteinander verschmolzen. Und in diesem Stadium darf die Eizelle, der Embryo, dann weitergegeben werden.

Frau trägt biologisch komplett fremdes Baby in sich?

Manche sehen diese Art der Spende als eine ganz frühe Form der Adoption an. Es ist sicher keine leichte Entscheidung, weder für die abgebenden, noch für die empfangenden Eltern. Es wird auch bisher nicht häufig gemacht in Deutschland, denn so oft bleiben solche Eizellen nicht übrig. Und wie gesagt: Da hängt viel dran, ethisch und moralisch gesehen. Aber: Für manche Menschen, die sich verzweifelt ein Kind wünschen, ist es vielleicht die einzige Möglichkeit, ein eigenes Kind zu bekommen.

Geschieht das denn anonym?

Die spendenden Eltern erfahren nicht, wohin ihr Embryo kommt. Und in Deutschland ist die Frau die Mutter eines Kindes, die es zur Welt bringt, egal was die Gene sagen. Aber: In Deutschland gilt: Jedes Kind hat ein Recht darauf zu wissen, woher es stammt. Und deswegen bewahrt die Organisation, die solche Embryospenden vermittelt – ohne daran zu verdienen – die Unterlagen über die leiblichen, die spendenden Eltern auf. Alles für den Fall, dass das Kind später mehr wissen will.

Adoption ist ein schwieriger Weg

Ein Embryo im Mutterleib

Im Mutterleib

Das ist nicht einfach: Es gibt in Deutschland viel mehr Bewerber, als Kinder, die zur Adoption freigegeben sind. Grob gesagt kommen auf ein Kind zehn mögliche Adoptiveltern. Es kann einige Monate oder auch mehrere Jahre dauern, bis es klappt und es ist ein aufwändiges Verfahren, mit Formularen, Gesprächen, Hausbesuchen. Ist die Wohnung groß genug? Sind die Eltern verheiratet? Ist ein gesichertes Einkommen vorhanden?

Autorin des Radiobeitrags ist Christina Sartori.

Stand: 16.02.2017, 15:06