Psychologische Therapie per Mausklick

Jugendlicher vor einem Laptop

Psychologische Therapie per Mausklick

Von Susanne Schnabel

  • Psychologische Beratung im Internet boomt
  • Es gibt große qualitative Unterschiede
  • Onlinetherapien nicht für alle Erkrankungen geeignet

Uns stehen mehr als 100.000 Apps zur Verfügung, die sich mit Lebensqualität, Fitness und Gesundheit beschäftigen. "Tendenz steigend", sagt Professor Jürgen Zielasek. Er stellte jetzt anlässlich eines Symposiums des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in Köln seine Arbeit als Versorgungsforscher beim LVR vor. Zielasek beschäftigt sich mit Internetangeboten zur Behandlung psychischer Störungen. Die können zeitsparend, effektiv und kostengünstig sein - wenn sie gut sind.

Viele Menschen mit psychischen Problemen müssen monatelang auf einen Therapieplatz warten. Internetbasierte Angebote könnten diese Versorgungslücke verkleinern. Weitere Vorteile: geringere Hemmschwelle, zeitliche Unabhängigkeit und Orts-Ungebundenheit.

Therapeutische Unterstützung wichtig

Dr. Jürgen Zielasek

Dr. Jürgen Zielasek

Zahlreiche Studien belegen laut Zielasek die Wirksamkeit bei vielen psychischen Erkrankungen. Besonders bei leichten bis mittelschweren Depressionen, Angststörungen und sozialen Phobien könne eine Onlinetherapie genauso wirksam sein wie die klassische Psychotherapie - allerdings nur, wenn therapeutischer Kontakt besteht - entweder per Mail, Chat oder Telefon.

Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Teilnehmer die Therapie vorzeitig abbrechen. "Warum das so ist, wissen wir noch nicht", sagt Zielasek. "Eine Erklärung ist, dass es ihnen gut geht, die Therapie also effektiv ist."
Reine Selbsthilfeprogramme - also ohne Therapeuten - seien weniger wirksam. Nicht geeignet sind solche Web-Angebote für Menschen mit einer schweren Depression und/oder Suizidgedanken.

Nur seriöse Angebote nutzen

Zielasek rät Hilfesuchenden, sich vor der Teilnahme zu informieren, welcher Anbieter hinter dem Angebot steckt. Oft seien es profitorientierte IT-Unternehmen aus dem Ausland. Besser, man nutze seriöse Angebote von Universitäten und Krankenhäusern, die über das nötige psychotherapeutische Hintergrundwissen verfügen und den Datenschutz beachten.

In Deutschland zahlt meist der Patient

In anderen europäischen Ländern, zum Beispiel den Niederlanden oder Großbritannien, werden solche Versorgungsangebote bereits von den Krankenkassen finanziert. Reine Informationsangebote sind in Deutschland meist kostenfrei. Bei uns übernehmen einige Krankenkassen nur im Einzelfall die Kosten für eine vom Therapeuten betreute Onlinetherapie. Die Teilnahme an Studienprogrammen der Universitäten ist kostenfrei, kommerzielle Angebote dagegen können ganz schön ins Geld gehen - 200 Euro pro Sitzung sind keine Seltenheit.

EU-Projekt für verbesserte Qualität

Gemeinsam mit Experten aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland und Deutschland arbeitet Zielaseks Institut derzeit an der Entwicklung von Qualitätsstandards für die Onlinetherapien. Finanziert wird das Projekt von der EU mit 5,3 Millionen Euro.

Stand: 06.02.2017, 10:55