Weniger Autos in den Städten? So kann es gelingen

Ein Radfahrer fährt auf einem Radweg zwischen Autos. Autos im Stau. Fußgänger

Weniger Autos in den Städten? So kann es gelingen

Von Benjamin Esche

  • Am Freitag (15.09.2017) ist Internationaler Parking Day
  • Wunsch nach mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer in Städten
  • Verkehrsplaner wollen weniger Autoverkehr

Am "Internationalen Parking Day" rufen Umweltschützer und Verkehrsclubs jedes Jahr dazu auf, Auto-Parkplätze in Sitzecken oder Radspuren zu verwandeln. Damit wollen sie eine Veränderung der Stadtflächen anmahnen - weg vom Autoverkehr. Das kommt bei den Menschen offenbar an. Denn nach einer aktuellen und repräsentativen GfK-Studie des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) wünschen sich die Hälfte aller Bürger mehr Platz für Bänke, Fußgängerzonen oder Radwege.

Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer gefordert

Ein Radfahrer fährt  auf einem Radweg zwischen Autos.

Radfahrer haben es im Stadtverkehr nicht einfach

Platz abgeben soll der Studie zufolge am liebsten der Autoverkehr. Nur zehn Prozent der Befragten sprechen sich demnach für mehr Parkplätze und Straßen aus. Der Bundesgeschäftsführer des ADFC, Burkhard Stork, sieht daher die Politik bei der Verkehrswende gefordert: "Nur wenn es gelingt, den größten Teil des Stadtverkehrs auf Fuß, Rad und ÖPNV zu verlagern, bleiben Menschen und Waren mobil und Städte lebenswert."

Umweltverschmutzung, steigende Bevölkerungszahlen und Verkehrschaos - damit haben Städte gegenwärtig zu kämpfen. Das Problem ist auch bei Städte- und Verkehrsplanern bekannt. "Es braucht auf jeden Fall eine Veränderung in der Straßenraumaufteilung", sagt Gebhard Wulfhorst, Experte für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung von der TU München. "Der öffentliche Raum ist immerhin die wertvollste Ressource, die eine Stadt hat."

"Die Stadt der kurzen Wege"

Verkehrsstau in einer Innenstadt.

Gewohntes Bild in Städten: Stau

Alle Ziele in der Stadt müssten gut erreichbar sein, erklärt der Verkehrsplaner. "Man sollte mit geringer Geschwindigkeit problemlos zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu anderen Freizeitaktivitäten kommen." Mobilitätsdienstleistungen wie Car- oder Bike-Sharing nehmen dabei eine wichtige Rolle ein.

"Die Stadt der kurzen Wege macht viel Sinn", sagt auch Frederic Rudolph, Mobilitätsexperte vom Wuppertal Institut. Weniger Autoverkehr führe zu mehr Platz in der Stadt, der anderweitig genutzt werden könne. "Wenn die Politik zu ihren Klimazielen steht, dann können wir das Auto auch zurückdrängen."

Autoverkehr stärker belasten

Ähnlich sieht es Verkehrsplaner Wulfhorst: "Es hakt an den Prioritäten, die die Politik setzt", so der Experte. Dabei seien harte Entscheidungen zu treffen, die auch zulasten des Autoverkehrs ausfallen könnten. Dieser müsse beispielsweise durch höhere Parkgebühren stärker belastet werden, damit ein Umdenken stattfinde. "Wenn jemand am Arbeitsplatz kostenlos parken kann, fährt er meist auch mit dem Auto", erläutert Wulfhorst.

Auch die Logistik in den Städten muss effizienter gestaltet werden, findet der Verkehrsplaner. Außerdem sollten Angebote für den Fuß- und Radverkehr weiter ausgebaut werden. "Bis zu 50 Prozent aller Wege in der Stadt werden jetzt schon zu Fuß oder mit dem Rad gemacht", sagt Wulfhorst. Dafür müsse man attraktive öffentliche Räume schaffen, die zur Belebung der Städte beitragen.

Stand: 15.09.2017, 06:00