Neue Erkenntnisse zur Hormontherapie in den Wechseljahren

Symbolbild Phythoöstrogene, Wechseljahre Kapseln

Neue Erkenntnisse zur Hormontherapie in den Wechseljahren

Von Christina Sartori

  • Neue Studie zeigt Hormontherapie in besserem Licht
  • Hormone lindern Beschwerden in den Wechseljahren
  • Sie schützen langfristig nicht vor Krankheiten

Erst galten sie als Allheilmittel und wurden in Massen verschrieben: Hormone gegen Beschwerden der Wechseljahre. Sogar einen schützenden Effekt sollten die Hormone ausüben, versprachen Werbung und manche Ärzte. Dann galten sie plötzlich als gefährlich - und jetzt dreht eine neue Studie aus den USA wieder alles um.

Ursache Östrogenmangel

Es trifft nicht jede Frau, aber etwa ein Drittel aller Frauen trifft es heftig: Sie leiden während der Wechseljahre unter Hitzewallungen, Schlafstörungen, nachlassender Leistungsfähigkeit, Gelenkschmerzen. Die Liste der möglichen Beschwerden ist lang. Die Ursache: Der weibliche Körper produziert weniger von dem Hormon Östrogen.

Diesen Frauen kann geholfen werden

Symbolbild Phythoöstrogene, Frau in Wechseljahre

Beschwerden können mehr sein als "ein bisschen Hitzewallungen"

Vielen dieser Frauen könnte geholfen werden, meint Dr. Cornelia Jaursch-Hancke, Endokrinologin an der DKD Helios Klinik Wiesbaden. "Bei allen Frauen, die Beschwerden haben sollte man einen Versuch mit der Hormontherapie machen". Denn in schweren Fällen erleiden Frauen eben mehr als nur ein bisschen Hitzewallung, ärgert sich die Hormonexpertin über die Formulierung mancher Kollegen. Eine neue US-amerikanische Studie zeige jetzt, dass die Hormontherapie besser ist als ihr Ruf.

Verursacht die Hormontherapie Brustkrebs?

Die neue Studie rückt den schlechten Ruf der Hormontherapie wieder etwas zurecht, den sie seit 2002 hatte: Damals kam eine große Studie zu dem Ergebnis, dass durch die Hormontherapie das Risiko für Thrombose, Lungenembolie, Brustkrebs und Herzinfarkt steige.

Doch jetzt sieht man: Unabhängig davon, ob Frauen in der Studie fünf Jahre lang Hormone genommen hatten oder nicht - das Risiko zu sterben, ist langfristig gleich. Die aktuelle Studie beobachtete dafür 18 Jahre lang mehr als 27.000 Frauen mit und ohne Hormontherapie und fand keinen Unterschied in der Sterblichkeit.

Trotzdem: Nicht für jede Frau geeignet

Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass gewisse Risiken bleiben: So ergab eine Analyse der angesehenen Cochrane-Initiative Anfang des Jahres, dass durch die Hormontherapie das Risiko für Herzinfarkt und Thrombose steige und bei längerer Einnahme auch für Schlaganfall, Brustkrebs und Lungenkrebs. "Natürlich können Hormone Beschwerden lindern, aber die kurzfristigen Komplikationen darf man nicht vom Tisch wischen", äußert sich die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg.

Hormontherapie: ja oder nein?

Letztendlich raten Befürworter und Kritiker dazu, Frauen ausreichend über beides aufzuklären: Über die Vor- und die Nachteile einer Hormontherapie. Und nur in den Fällen Hormone zu verschreiben, in denen eine Frau besonders unter den Beschwerden der Wechseljahre leidet. Auch sollte immer wieder überprüft werden, ob man die Therapie beenden kann - je kürzer, desto besser, lautet die Empfehlung an Ärzte und Patientinnen.

Stand: 13.09.2017, 17:06