Homöopathie: Raus aus der Apotheke?

Das Apothekenlogo an einer Glasfront

Homöopathie: Raus aus der Apotheke?

Von Sarah Ziegler

  • Fast alle homöopathischen Mittel dürfen nur in Apotheken verkauft werden.
  • Die CDU/CSU-Verbraucherschutzbeauftragte des Bundes Mechthild Heil kritisiert das.
  • Es erwecke den Anschein, Homöopathie sei medizinisch wirksam.

"Testudi Hermanni sanguis" - möglicher Inhaltsstoff in homöopathischen Arzneimitteln. Dahinter verbirgt sich aber keine Pflanze, sondern das Blut griechischer Landschildkröten. Für den normalen Verbraucher sind die Wirkstoffe anhand der lateinischen Bezeichnungen nicht zu erkennen, meint Mechthild Heil. Die CDU/CSU-Verbraucherschutzbeauftragte der Bundestagsfraktion fordert darum, auf den Verpackungen nur die deutschen Namen zu verwenden.

Keine nachweisbare Wirkung von Homöopathie

Mehrere braune Fläschchen mit Globuli

Bald deutsche Namen für die Inhaltsstoffe?

Außerdem ist ihr die Apothekenpflicht für homöopathische Arzneien ein Dorn im Auge. Der Verbraucher bekomme so den Eindruck, dass die Mittel tatsächlich Krankheiten lindern könnten. Tatsächlich aber haben zahlreiche Studien keinen Beweis dafür entdecken können, dass Homöopathie mehr auslösen kann als einen Placebo-Effekt. Erst 2015 kam eine groß angelegte Studie im Auftrag der australischen Regierung zu diesem Schluss, nachdem Forscher über 2.000 Studien und Forschungsarbeiten ausgewertet hatten.

Keine konkreten Pläne

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller stellen sich gegen ein Ende der Apothekenpflicht für Homöopathika. Denn nur in der Apotheke könne sichergestellt werden, dass ein Patient das passende Arzneimittel bekomme und auch über die Grenzen einer homöopathischen Behandlung informiert werde.

Ein Apotheker berät einen Kunden

Apothekenpflicht für homöopathische Mittel in der Kritik

Die Entscheidung darüber obliegt letzten Endes dem Bundesgesundheitsministerium. Damit es aktiv wird, muss aber der zuständige Sachverständigenausschuss um eine Empfehlung gebeten werden.

Keine Registrierung ohne Prüfung

Derzeit sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) knapp 5.000 homöopathische Mittel verzeichnet. Nicht für alle gelten die gleichen Regeln. Grundsätzlich gilt: Alle Mittel, die eine Krankheit lindern oder verhüten sollen, unterliegen der Apothekenpflicht.

Keine Apothekenpflicht mehr in Australien?

Nicht nur in Deutschland werden homöopathische Mittel kontrovers diskutiert.

In Australien hat der Berufsverband der Allgemeinmediziner schon 2015 alle Ärzte darum gebeten, keine Homöopathika mehr zu verschreiben. Vergangenen Monat empfahl ein offizieller Bericht, den Verkauf dieser Mittel in Apotheken komplett zu verbieten. In den USA wird an Labels auf den Arzneiverpackungen gearbeitet, die die Patienten darüber aufklären sollen, dass Homöopathie keine nachweisbare Wirkung hat.

In Großbritannien könnte es bald teuer werden: Der nationale Gesundheitsservice NHS soll die Kosten für homöopathische Mittel nicht mehr übernehmen. Ähnliches wird auch in Deutschland von Fachleuten diskutiert. Bislang übernehmen hier viele Krankenkassen die Kosten für homöopathische Arzneien.

Stand: 27.07.2017, 17:30