Warum Höhe schwindelig machen kann

Hängebrücke in der Schweiz

Warum Höhe schwindelig machen kann

  • Höhenintoleranz nicht gleich Höhenangst
  • Widersprüchliche Signale lösen Schwindel aus
  • Tipps gegen den Höhenschwindel

Auf der Aussichtsplattform den Blick auf die Berge genießen: Wenn wir im Urlaub die Umgebung erkunden, geht es häufig hoch hinaus. Bei vielen Menschen lösen aber schon geringe Höhen, beispielsweise ab drei Metern, ein mulmiges Gefühl im Magen und Schwindelgefühle aus.

Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Höhenangst (Akrophobie) und Höhenintoleranz: "Repräsentative Befragungen zeigen, dass etwa 30 Prozent der Menschen Höhenschwindel als lästig oder beeinträchtigend empfinden", sagt der Neurologe Thomas Brandt. Höhenintoleranz nennen Forscher das. Die Höhenangst hingegen ist eine psychische Angststörung, bei der ähnliche Prozesse im Körper ablaufen wie bei der Angst vor Spinnen oder Blut.

Schwindelfrei gibt es nicht

Völlig schwindelfrei sei aber niemand: "Jeder schwankt in der Höhe mehr, weil die Augenkontrolle schlechter ist", sagt Thomas Brandt, der Direktor des deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrums in München ist. Die Augen melden ans Hirn, dass es keinen festen Orientierungspunkt gibt. Der Gleichgewichtssinn versucht, das aufzufangen - wir schwanken.

Kleiderschrank geöffnet

Blick in den Kleiderschrank: Die Netzhaut schwankt mit

Wenn unser Kopf schwankt, schwankt auch unsere Netzhaut mit. Stehen wir beispielsweise direkt vor unserem Kleiderschrank, nehmen wir wahr, dass unser Blickfeld mitschwankt. Die Informationen "Schwanken und Blickfeld" stimmen also überein. Das funktioniert aber umso schlechter, je weiter entfernt die Objekte sind.

Ein Berggipfel in mehreren Kilometern Entfernung "schwankt" scheinbar nicht mit und das widerspricht den Informationen, die unsere Netzhaut an unser Gehirn sendet. Diese widersprüchlichen Informationen können Standunsicherheit, Schwindel und Übelkeit verursachen.

Körperhaltung gegen Schwindel

Beim Wandern oder Klettern zum Beispiel ist das nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden. Thomas Brandt nennt einige Tipps, die gegen den Höhenschwindel helfen können: "Zunächst einmal ist der Höhenschwindel auch von der Körperhaltung abhängig", erklärt Brandt. Im Sitzen oder Liegen ist der Höhenschwindel weniger ausgeprägt als im Stehen.

Wanderpaar sitzt an einem Felsvorsprung und schauen in die Ferne

Im Sitzen lässt sich leichter in die Ferne schauen

Wer nicht die Möglichkeit hat, sich hinzusetzen, sollte sich Objekte in wenigen Metern Entfernung suchen und sie fixieren. "Entscheidend für einen sicheren Stand sind auch Objekte, die am Rande unseres Gesichtsfeldes liegen", so Brandt. Das können beispielweise Fensterrahmen oder ein Geländer sein, mit deren Hilfe wir uns besser orientieren. Unser Gehirn kann so die widersprüchlichen Informationen einordnen.

Andere komplizierte Informationen sollten wir aber vermeiden. Zu denen gehören auch vorbeiziehende Wolken: "Das Phänomen kennen wir aus der Bahn: Wenn ein anderer Zug an unserem vorbeifährt, dann haben wir das Gefühl, wir würden uns mitbewegen. Laufen wir dabei, kommt es automatisch zu Ausgleichbewegungen", sagt Thomas Brandt. In luftigen Höhen sollte der Blick in den Himmel also vermieden werden, um zusätzlichem Schwindel aus dem Weg zu gehen.

Stand: 05.08.2017, 06:00